Die Europäische Union wirft dem chinesischen Billig-Onlinehändler Temu vor, eine Untersuchung wegen möglicher illegaler Förderungen behindert zu haben. Die EU-Kommission hat laut eigenen Angaben im Dezember ohne Vorankündigung Inspektionen bei Temu und der Tochterfirma Whaleco in Irland durchgeführt.
Am Freitag erklärte die Kommission, sie stelle "vorläufig fest, dass Temu seine Pflicht zur aktiven Zusammenarbeit in mehreren Aspekten im Zusammenhang mit der Durchführung der Überprüfung verletzt hat".
Konkret hat Temu während der Inspektionen etwa keine Informationen darüber geliefert, wie die Aktivitäten von Temu in der EU organisiert und geleitet werden. Auch zu den IT-Werkzeugen und Systemen, die das Unternehmen nutzt, gab es keine Auskünfte.
"Indem die Informationen nicht vorgelegt wurden, war es der Kommission nicht möglich, Informationsquellen zu prüfen, die für ihre Untersuchung relevant sein könnten", so die Kommission weiter. Temu bekommt nun die Möglichkeit, sich gegenüber der EU zu den Vorwürfen zu äußern.
Das Unternehmen, das zum chinesischen PDD-Konzern gehört, weist die Anschuldigungen vorerst zurück. Temu habe "uneingeschränkt kooperiert" und sei allen Aufforderungen der Kommission während der Überprüfung nachgekommen, erklärte der Onlinehändler. Man werde die Angaben der Kommission prüfen.
Außerdem wies Temu "kategorisch" zurück, unlautere ausländische Förderungen erhalten zu haben. Temu hat in der EU rund 130 Millionen Nutzer, also fast ein Drittel der Bevölkerung. Damit zählt das Unternehmen zu den größten Onlinehändlern Europas.
Ende Mai hat die EU-Kommission wegen des Verkaufs unsicherer und gesundheitsgefährdender Produkte eine Strafe von 200 Millionen Euro gegen Temu verhängt.