Vorwürfe in Wiener Nobelhotel

Ex-Hostess (35) packt aus: "Chef stieß mich vor Gästen"

Eine Wienerin (35) erhebt schwere Vorwürfe: In Hotel soll ihr damaliger Chef sie vor Gästen angeschrien, gestoßen und schließlich gekündigt haben.
Christoph Weichsler
12.01.2026, 10:26
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Vor drei Jahren arbeitete eine Wienerin (35) als Hostess in einem Luxus-Hotel in der Innenstadt. Zunächst sei die Arbeit entspannt gewesen, doch das Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten habe sich rasch verschlechtert. Sie beschreibt eine Atmosphäre, in der sie sich zunehmend unter Druck gesetzt fühlte.

Der entscheidende Moment kam an einem Abend, als eine Studentengruppe sie nach einer Bar-Empfehlung fragte. "Ich wusste es nicht und wandte mich an den Restaurant-Manager. Er kam wutentbrannt, schrie mich an und stieß mich vor allen Gästen", erinnert sie sich. Eine Studentin habe entsetzt gerufen: "Was für ein unhöflicher Manager. Sehen Sie, wie er sie behandelt hat!"

Von der Beschwerde zur Kündigung

Nach diesem Vorfall wandte sich die Wienerin an die Personalabteilung und sprach sogar mit der Direktorin. Sie hoffte auf Unterstützung, doch stattdessen habe sie erlebt, wie sich alle abwandten. "Niemand stellte sich auf meine Seite, weil alle unter Druck standen."

Statt Schutz folgte die Kündigung. Kurz und knapp habe man ihr gesagt: "Das ist nichts mehr für dich." Für sie war klar: "Man wollte mich loswerden, weil ich nicht geschwiegen habe." Der Schock war groß – nicht nur wegen des Jobverlusts, sondern weil sie sich völlig alleingelassen fühlte.

"Ein System der Angst"

Die 35-Jährige glaubt nicht an einen Ausraster im Affekt, sondern an ein ganzes System, das ihren Chef deckte. Sie spricht von einem Netz aus Loyalitäten, in dem der Manager unantastbar war. Besonders eine enge Freundschaft zu einem Kellner habe den Vorgesetzten gestärkt. Dieser habe durch Affären mit Kolleginnen Druckmittel gehabt, wodurch ein Klima des Schweigens entstand. "Er konnte tun, was er wollte – niemand stoppte ihn."

Hinzu komme laut der Wienerin eine zweite Ebene: Rassismus. Sie ist Serbin und ist überzeugt, dass auch ihre Herkunft gegen sie verwendet wurde. Immer wieder habe sie gespürt, wie sich Kolleginnen abwandten.

"Ich hatte das Gefühl, dass Hass gegen Serben eine Rolle spielte. Man hat mich ausgegrenzt, weil ich Serbin bin", sagt sie. Für sie sei es ein Zusammenspiel aus Mobbing, Machtmissbrauch und Diskriminierung gewesen.

Weitere Erniedrigungen

Auch abseits des Vorfalls habe sie Demütigungen erlebt. Einmal sei sie aus der Küche gestoßen worden, als sie sich wegen Stress und Übelkeit Wasser und etwas Süßes nehmen wollte. "Er hat mich behandelt, als wäre ich nichts wert", schildert sie. Solche Momente hätten ihr gezeigt, dass ihr Vorgesetzter Macht nach Belieben ausspielte – ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

"Ich will Frauen Mut machen"

Drei Jahre später bricht sie ihr Schweigen. Für sie geht es nicht nur darum, ihre Geschichte zu erzählen, sondern anderen Frauen Stärke zu geben. "Viele fühlen sich in solchen Situationen hilflos. Ich will zeigen, dass man trotzdem mutig sein kann."

"Nur weil man allein gegen viele steht, heißt das nicht, dass man schwach ist. Stärke ist, sich selbst in Schutz zu nehmen." Mit dieser Botschaft hofft sie, Frauen Mut zu machen, die Ähnliches erleben.

Stellungnahme des Hotels

Das betroffene Nobel-Hotel in der Innenstadt weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher betont: "Die Sicherheit, das Wohlbefinden und die Würde unserer Kolleginnen und Kollegen haben oberste Priorität. Wir nehmen jede Anschuldigung sehr ernst."

Die Angelegenheit gehe demnach auf 2022 zurück und sei intern untersucht worden. Die Vorwürfe hätten sich nicht bestätigt, der Fall sei abgeschlossen worden, bevor die Mitarbeiterin aus anderen Gründen ausschied. Man verweist auf strenge Standards, verpflichtende Schulungen und Beschwerdewege bis zu regionalen und globalen Teams. Ziel sei ein respektvolles, integratives Arbeitsumfeld.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 12.01.2026, 10:26
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