Für viele klingt Malaria nach fernen Ländern. Doch ganz so weit weg ist die Tropenkrankheit nicht. Der niederösterreichische Forscher und "Insekten-Papst" Bernhard Seidel schlägt nun im "Heute"-Gespräch Alarm - und spricht von einer "konkreten Gefahr" für Österreich. "Das Potenzial für Malaria ist da!"
Zwar treten im Frühjahr keine heimischen Fälle auf, da die übertragenden Gelsen im Winter ruhen. Doch im Sommer ändert sich die Lage. Neue Funde zeigen: Auch hierzulande gibt es Anopheles-Gelsen, die als Überträger infrage kommen. Besonders im Juli und August seien sie aktiv, warnt Seidel.
Seidel entdeckte zudem eine für Österreich neue Art dieser Fiebermücken: die Anopheles hyrcanus. In einzelnen Exemplaren davon konnten Malaria-Erreger nachgewiesen werden.
Entscheidend sei die Temperatur, so der Fachmann mit langjähriger Erfahrung bei der ökologischen Kontrolle von Gelsen-Beständen. Damit sich Malaria-Erreger in den Gelsen entwickeln können, braucht es über mehrere Wochen hinweg milde Bedingungen mit gleichmäßig 16 Grad. Solche Tage (und Nächte) sind in Österreich vor allem im Hochsommer keine Seltenheit.
Hinzu kommt: Manche dieser Gelsen leben nahe beim Menschen. Sie finden Schutz in Ställen oder Kellern und können so auch kühlere Phasen überstehen. Damit steigt die Chance, dass sich Erreger halten und verbreiten.
Historisch gab es Malaria in Österreich bereits - vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals sorgten - von "exotischen" Besatzungs-Soldaten - eingeschleppte Erreger für Ausbrüche, die erst in den 1950er-Jahren eingedämmt wurden, erinnert Seidel.
Heute sieht Seidel mehrere Risikofaktoren: zunehmende Mobilität, Migration, globale Reisetätigkeit und auch Lücken im Gesundheitssystem. "Das österreichische Gesundheitssystem ist nicht in der Lage, auf die Dynamik von Malaria-Gelsen vorab zu reagieren", so Seidel.