Auch am zweiten Prozesstag rund um die Ausschreitungen beim Wiener Derby zwischen Rapid und Austria am 22. September 2024 wurden gleich mehrere Verfahren diversionell erledigt. Fünf weitere Angeklagte erhielten am Dienstag (17.3.) eine Diversion. Bereits am Montag waren acht Fälle auf diesem Weg abgeschlossen worden.
Damit sind bisher 13 von ursprünglich 22 angeklagten Verdächtigen ohne Verurteilung davongekommen. Grund: Die Beschuldigten waren bisher unbescholten und haben Verantwortung für ihr Verhalten übernommen. Jeder muss sich aber mit 150 Euro an den Verfahrenskosten beteiligen, sowie jeweils 50 Euro an den SK Rapid und einen verletzten Polizisten zahlen. Dazu kommt ein umfassendes Stadionverbot für ganz Österreich – und zwar für zwei Jahre. Betroffen sind Spiele der Bundesliga, des ÖFB-Cups, internationale Partien mit österreichischer Beteiligung sowie alle Länderspiele. Auch Freundschaftsspiele sind inkludiert. Halten sich die Verdächtigen daran, bleiben sie rechtlich unbescholten.
Vor Gericht zeigten sich einige reumütig. "Das war eine saudumme Aktion", so ein Wiener (45). Er habe sich von der Stimmung mitreißen lassen, nun sei ihm die Aktion aber "extrem peinlich". Auch im privaten Umfeld habe er die Folgen zu spüren bekommen.
Anders sieht es bei den vorbestraften Angeklagten aus. Für sie geht sich keine Diversion aus. Ein Austria-Fan (30) mit fünf Vorstrafen sprach von einem "großen Fehler", gleich mehrere absolvieren ein Anti-Gewalt-Training. Mehrere Beschuldigte gaben an, bei dem Derby im Allianz Stadion in Wien-Hütteldorf stark alkoholisiert gewesen zu sein. Ein 21-Jähriger erklärte, er trinke seither keinen Alkohol mehr. Ein 34-jähriger Rapid-Fan berichtete ebenfalls von starkem Alkoholkonsum – ihm wurde trotz früherer Diversion diesmal keine gewährt.
Für Verwirrung sorgte der Fall eines 45-jährigen Austrianers, der seine Unschuld beteuerte. Laut Anklage soll er Pyros geworfen haben. Er spricht von einer Verwechslung, vermutet einen Doppelgänger. Videoanalysen lieferten kein brauchbares Ergebnis. Sein Verfahren wird am 25. März fortgesetzt, eine Zeugin soll ihn entlasten.
Die Staatsanwältin sprach zu Prozessbeginn von einem "kriegsähnlichen Zustand" im Allianz Stadion – in Zeiten von Iran- und Ukraine-Krieg ein unpassender Begriff, wie eine Anwältin anmerkte. Fakt ist aber: Austria- und Rapid-Hooligans hatten Fans den Platz gestürmt, Pyrotechnik gezündet und Polizisten attackiert.
Unter den Opfern: Eine Polizistin mit Verbrennungen, ein Beamter mit Hörverlust und Tinnitus sowie ein weiterer Polizist mit schweren Zahnverletzungen. Ein Fan erlitt mehrere Knochenbrüche im Gesicht.
Die Anklage lautet unter anderem auf schwere gemeinschaftliche Gewalt und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Rapid fordert von den Angeklagten jeweils 1.000 Euro Schadenersatz. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann stehen die restlichen acht Angeklagten im Fokus, zudem werden Videos analysiert und Zeugen befragt. Für alle angeklagten Fußballfans gilt die Unschuldsvermutung.