Die Hundebiss-Tragödie von Drosa erschütterte weit über Sachsen-Anhalt (Deutschland) hinaus: Die vierjährige Matilda wurde vom Familienhund "Abel" angegriffen und tödlich verletzt – "Heute" berichtete. Bei dem Tier soll es sich um einen American Staffordshire Terrier handeln. Laut dem Bürgermeister hatte der Listenhund bereits zuvor gebissen, danach aber einen vorgeschriebenen Wesenstest bestanden.
Für Hundetrainerin und Problemhunde-Expertin Sarah Fink aus Bad Fischau-Brunn (NÖ) steht fest: Wirklich völlig überraschend kommen solche Angriffe kaum.
"Ich kenne keinen Fall, bei dem es wirklich keine Warnzeichen gab", erklärt die zweifache Mutter im "Heute"-Gespräch. Das Problem sei vielmehr, dass viele Hundebesitzer die Signale ihrer Tiere nicht erkennen oder verharmlosen.
Warum ein Hund aggressiv reagiert, kann laut Fink unterschiedliche Gründe haben. Dazu zählen Angst, territoriales Verhalten oder die Verteidigung von Futter und anderen Gegenständen. Je nach Ursache würden auch die Warnzeichen anders aussehen.
Entscheidend sei deshalb, dass der Hund ansprechbar bleibt. Spielt ein Tier immer wilder mit einem Kind und lässt es sich nicht mehr abrufen, könne die Situation außer Kontrolle geraten. "Nicht, weil er böse ist", betont die Expertin gegenüber "Heute". Ruhe, Impulskontrolle und Gehorsam würden das Zusammenleben deutlich sicherer machen.
Besonders wichtig ist laut Fink, dass auch Kinder klare Regeln lernen. Geht ein Hund beim Streicheln weg, darf das Kind ihm nicht folgen.
Der Hund müsse wissen, dass er eine unangenehme Situation verlassen kann. Werden solche Rückzugssignale immer wieder ignoriert, könne das Tier irgendwann schnappen, weil das bloße Weggehen keinen Erfolg mehr gebracht habe.
Auch beim Futter brauche es klare Grenzen: Der Hund dürfe dem Kind kein Essen aus der Hand oder vom Boden wegnehmen. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass Kinder den Hund beim Fressen bedrängen.
Die Hundetrainerin mit 80.000 Followern allein auf Instagram führt aus: "Spätestens, wenn der Hund gebissen hat, sollte ein Trainer, der auf Problemhunde spezialisiert ist, dazugeholt werden! Ein guter Trainer kann die Situation einschätzen. Hat z. B. ein Zwergpudel eine alleinstehende Frau gebissen, weil er sein Futter verteidigt hat, dann kann man daran leicht arbeiten."
Gleichzeitig hält sie fest: "Hat aber, wie in dem aktuellen Fall, ein großer Hund mit viel Kraft seine Besitzerin massiv angegriffen und es leben kleine Kinder im Haus, dann wird ein guter Trainer vermutlich dazu raten, ein neues Zuhause ohne Kinder für den Hund zu suchen."
Auch den Fall in Drosa beurteilt Fink deutlich: Der Hund habe bereits vor jener tödlichen Attacke gebissen, sei beschlagnahmt und später zurückgeholt worden. "Genau das hätte ich dieser Familie dringend abgeraten", sagt die Expertin.
Von generellen Rasselisten hält Fink dennoch wenig. Sie warnt aber davor, die genetischen Eigenschaften eines Hundes zu unterschätzen.
Statt strengerer Gesetze fordert Fink mehr Aufklärung über Genetik, Warnzeichen und Rasseeigenschaften: "Es ist in erster Linie die Aufgabe der Eltern, Hund und Kind zu beaufsichtigen, den Hund zu trainieren, Regeln für das Kind aufzustellen. Das ist nicht wirklich die Aufgabe der Behörden."