Lange Wartezeiten und teilweise deutlich verfehlte Zielwerte: Der Wiener Stadtrechnungshof (StRH) hat die Neuorganisation der Hals-Nasen-Ohren-Versorgung in den städtischen Kliniken unter die Lupe genommen. Dabei zeigt sich, dass die selbst gesteckten Ziele in mehreren Bereichen nicht erreicht wurden.
Im Zuge des "Spitalskonzepts 2030" wurde die HNO-Versorgung in Wien neu gebündelt. Im April 2024 wanderten die Leistungen der Klinik Favoriten in die Klinik Donaustadt, jene der Klinik Hietzing in die Klinik Landstraße. Die HNO-Abteilungen in Favoriten und Hietzing wurden geschlossen. Auch die HNO-Ambulanz in der Klinik Ottakring machte zu. Die HNO-Versorgung sollte künftig verstärkt über die beiden neuen Schwerpunkt-Standorte laufen.
Der Stadtrechnungshof stellte allerdings fest, dass die tatsächliche Auslastung der HNO-Betten teilweise deutlich unter den geplanten Werten lag. Auch die vorgesehenen Ambulanzfrequenzen wurden an beiden Standorten deutlich unterschritten.
Besonders auffällig sind die Wartezeiten. Am Ende des vom Stadtrechnungshof untersuchten Zeitraums mussten Patienten auf einen Ersttermin in einer HNO-Ambulanz der städtischen Kliniken mindestens sechs Monate warten. Auch bei planbaren Operationen gab es lange Wartezeiten. Diese lagen im untersuchten Zeitraum zwischen 22 und 30 Wochen. Gleichzeitig standen die vorgesehenen OP-Betriebszeiten in den beiden Kliniken nicht vollständig zur Verfügung.
Der Stadtrechnungshof hält zwar fest, dass die erbrachten Leistungen im untersuchten Zeitraum schrittweise gestiegen sind und der Gesundheitsverbund Maßnahmen gesetzt hat. Dennoch empfiehlt das Kontrollorgan, die Ursachen für die verfehlten Zielwerte zu untersuchen und weitere Maßnahmen zu setzen.
Scharfe Kritik kommt von den Wiener Grünen. Gesundheitssprecherin Barbara Huemer fordert, die Defizite rasch zu beheben. Besonders die Situation von Kindern sei problematisch. "Eine Wartezeit von sechs bis sieben Monaten auf einen Operationstermin ist für Kinder und deren Angehörige eine enorme Belastung. Durch die gesundheitlichen Einschränkungen, von Hörstörungen bis zu Schlaf- und Atemproblemen, werden Kinder oft monatelang aus ihrem Alltag gerissen, was auch zu psychischen Belastungen führt. Während der Wartezeit droht außerdem eine Chronifizierung der Beschwerden oder sogar das Auftreten von akuten Komplikationen. Das ist alles völlig unzumutbar", so Huemer.
Die Grünen kritisieren zudem den Umfang der Zusammenarbeit mit Privatkliniken. Zwischen 2020 und 2025 seien aufgrund einer entsprechenden Kooperationsvereinbarung lediglich 21 HNO-Operationen durchgeführt worden.
Stadtrechnungshof-Ausschuss-Vorsitzender David Ellensohn zieht deshalb ein kritisches Fazit zur Neuorganisation: "Die Schaffung der beiden neuen HNO-Schwerpunkt-Standorte sowie die Kooperationsvereinbarungen mit den Privaten haben offenbar nicht wesentlich zur Verbesserung der Versorgung beigetragen."
Der Stadtrechnungshof empfiehlt dem Gesundheitsverbund unter anderem, klare Schwellenwerte für Abweichungen von den gesteckten Zielen festzulegen. Zudem sollen die Ursachen für die niedriger als geplanten Leistungswerte überprüft und die bereits begonnene Evaluierung der HNO-Planung rasch fortgeführt werden.