40 Hitzetage, zehn Wüstentage und 29 Tropennächte: Noch mitten im Linzer Extremsommer fordert Klimastadträtin Eva Schobesberger (Grüne) rasche Konsequenzen. Eine davon: Kinder und Jugendliche sollen in den Ferien kostenlos in die städtischen Freibäder dürfen.
Fast 40 Grad wurden in Linz gemessen, an besonders belasteten Messstellen kühlte es in 29 Nächten nicht unter 20 Grad ab. Schobesberger warnt: "Es muss für jede Person, die in der Stadt rausgeht, klar sein, dass das kein 'Sommer wie damals ist'." Entsprechende Aussagen aus FPÖ-Reihen bezeichnet sie als "eine Form der Realitätsverweigerung, die schon ein Wahnsinn ist".
Schobesberger präsentierte am Mittwoch zehn Maßnahmen für besseren Hitzeschutz. Einige davon seien auch "schnell realisierbar": Nach dem Vorbild von Augsburg sollen Kinder und Jugendliche während der Ferien gratis in die Linzer Freibäder dürfen.
Zwar gibt es bereits kostenlose Kinderfreibäder für Kinder bis zwölf Jahre und deren Begleitpersonen. Bei den übrigen Bädern gebe es aber eine Lücke. "Und jetzt kommt wahrscheinlich die Finanzierungsfrage", so die Stadträtin.
"Ich denke mal, wenn wir als Stadt Linz in der Situation sind, dass wir von jetzt auf gleich für ein zehntägiges Chorfestival (die World Choir Games 2027; Anm.) 500.000 Euro zur Verfügung stellen können, dann können wir wahrscheinlich auch Geld für Akutmaßnahmen im Sommer zur Verfügung stellen." Als Beispiel nennt sie eben die Eintritte in die Freibäder: "Die Linz AG sponsert dieses Chorfestival ja noch einmal mit 500.000 Euro."
Die weiteren Forderungen reichen von besserem Hitzeschutz in Seniorenheimen, Krabbelstuben, Kindergärten und Schulen bis zu einem Register für besonders gefährdete und allein lebende Menschen. Während einer Hitzewelle könnten Sozialdienste oder auch Briefträger nach ihnen sehen. Für Obdachlose fordert Schobesberger ein Gegenstück zum Kältetelefon sowie klimatisierte Schutzräume. Die insgesamt zehn Punkte will Schobesberger im nächsten Gemeinderat einbringen.
Gleichzeitig verlangt sie mehr Bäume und Schatten, weniger versiegelte Flächen, eine raschere Verkehrsberuhigung sowie strengere Regeln für Großprojekte. "Es darf keine Großprojekte mehr geben, ohne dass es einen Benefit für die Allgemeinheit gibt", betont die Klimastadträtin. Neue Vorhaben müssten konkrete Verbesserungen bringen – etwa öffentlich zugängliche Grünflächen, Dachgärten, Fassadenbegrünungen oder zusätzliche Bäume.
Scharfe Kritik übt Schobesberger einmal mehr am Westring (A26). Für die Autobahn seien rund 250 Bäume in der Innenstadt gefällt worden, zudem seien die Folgen für das Grundwasser noch unklar. "Das ist aus meiner Sicht ein totaler Wahnsinn, dass man so etwas immer noch macht", sagt sie. Während andere Länder Autobahnen in Städten zurückbauten, werde in Linz eine "enorme Baustelle" begonnen – und die Stadt zahle laut Schobesberger auch noch 70 Millionen Euro dafür.