Kritik an neuer Autobahn

Über 30 Grad in der Nacht – "Klimakrise ist spürbar"

39,3 Grad! Am Linzer Hauptbahnhof wurde während der Hitzewelle der höchste Temperaturwert der Stadt gemessen. Genau dort wird jetzt weiter betoniert.
Lea Strauch
10.07.2026, 03:00
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39,3 Grad am Hauptbahnhof – so heiß war es während der jüngsten Hitzewelle nirgends in Linz. Für Umweltstadträtin Eva Schobesberger (Grüne) sind die Zahlen ein unübersehbares Warnsignal: "Die Klimakrise ist nicht wegzudiskutieren, sie ist da und sie ist spürbar."

Die Rekordwerte stammen aus dem neuen städtischen Messnetz mit mittlerweile 56 Stationen. Es wurde aufgebaut, um die Temperaturunterschiede innerhalb von Linz sichtbar zu machen.

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Eine der städtischen Messstellen – im Bild am Hauptplatz.
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Darum misst Linz selbst

Die offizielle GeoSphere-Austria-Messstelle steht nämlich "im beschatteten Innenhof der Kreuzschwesternschule" und sei deshalb für das Stadtklima "nicht repräsentativ", erklärt Schobesberger. Kritik am Unternehmen sei das aber ausdrücklich nicht: Deren Station müsse nach bestimmten Vorgaben aufgestellt werden, während die Stadt bewusst auch Hitze-Hotspots wie den Hauptbahnhof oder dicht verbaute Straßenzüge erfasst.

Besonders brisant: Genau dort, wo am 28. Juni der Rekordwert von 39,3 Grad gemessen wurde, rollen derzeit die Bagger für den Westring (A26). Schobesberger spart deshalb nicht mit Kritik: Der Autobahnbau sei "schwer kontraproduktiv".

Beton speichert Hitze

Die zusätzliche Versiegelung werde die Situation im Bahnhofsviertel weiter verschärfen. Außerdem seien dort bereits rund 240 Bäume für die Baustelle gefällt worden. "Das geht komplett in die verkehrte Richtung", so die Stadträtin.

Warum das so problematisch ist, zeigen die Messungen eindrucksvoll: Dicht verbaute Bereiche heizen sich tagsüber besonders stark auf und geben die Wärme nachts kaum mehr ab. Stadtklimatologe Johannes Horak bringt es auf den Punkt: "Da kann man einfach nicht mehr gut schlafen." Genau deshalb seien Grünflächen, Bäume und eine gute Durchlüftung für das Stadtklima so wichtig.

V.l.: Stadtklimatologe Johannes Horak, Klimastadträtin Eva Schobesberger (mit einem der städtischen Messgeräte) und Hans-Martin Neumann, Direktor Geschäftsbereich Planung, Technik und Umwelt.
Stadt Linz

Um Mitternacht noch über 30 Grad

Besonders belastend waren die Nächte. Bis zu 14 Tropennächte wurden heuer bereits registriert. Im negativen Sinn bemerkenswert: Selbst um Mitternacht wurden von den städtischen Messgeräten teilweise noch über 30 Grad registriert – laut Schobesberger 31,9 Grad in der Garnisonsstraße und 31,4 Grad in der Volksgartenstraße.

Die Zahlen zeigen aber auch, wie groß die Unterschiede innerhalb der Stadt sind. Während sich die Innenstadt und das Industriegebiet besonders stark aufheizen, sorgen etwa der Wasserwald oder der Haselgraben für deutlich kühlere Nächte. Horaks einfache Formel: "Je grüner, desto besser und desto höher die Lebensqualität."

Die Zahl der Tropennächte zeigt: Vor allem in der Innenstadt blieb es auch nachts drückend heiß.
Stadt Linz

"Dringende Notwendigkeit"

Die Stadt will die neuen Erkenntnisse künftig noch stärker in ihre Planungen einfließen lassen. Planungsdirektor Hans-Martin Neumann kündigte an, stadtklimatologische Aspekte konsequent in Bauprojekte einzubeziehen.

Gleichzeitig treibt die Stadt weitere Begrünungsmaßnahmen voran – von neuen Bäumen bis zu zusätzlichen Schattenflächen. Für Schobesberger steht jedenfalls fest: "Klimaanpassung ist kein Luxus, sondern eine dringende Notwendigkeit."

{title && {title} } Lstr, {title && {title} } 10.07.2026, 03:00
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