Ob beim Essen mit Freunden, im Café, im Büro oder zu Hause am Esstisch: Für viele Menschen gehört das Smartphone ganz selbstverständlich auf den Tisch. Oft bleibt das Display sogar ausgeschaltet, Nachrichten werden nicht gelesen und das Gerät wird gar nicht benutzt. Trotzdem kann genau diese Gewohnheit einen größeren Einfluss haben, als viele vermuten. Forschende beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, wie Smartphones unser Verhalten verändern – und kommen dabei immer wieder zu einem ähnlichen Ergebnis: Schon die bloße Sichtbarkeit des Geräts kann Gespräche und das gemeinsame Erleben beeinflussen.
Dabei geht es nicht darum, dass das Smartphone grundsätzlich schädlich wäre, beruft sich "Techbook" auf eine neue Studie. Es hilft im Alltag, dient als Navigationsgerät, Kamera, Kommunikationsmittel und Zahlungsmittel. Doch genau weil es so viele Aufgaben erfüllt, zieht es ständig Aufmerksamkeit auf sich. Selbst wenn keine Nachricht eingeht, bleibt im Hinterkopf die Möglichkeit, dass jederzeit etwas passieren könnte. Forschende sprechen davon, dass das Gehirn einen Teil seiner Aufmerksamkeit für das Gerät reserviert.
Besonders deutlich wurde dieser Effekt in Untersuchungen zu gemeinsamen Mahlzeiten. Dort zeigte sich, dass Menschen, deren Smartphone während des Essens auf dem Tisch lag, häufiger angaben, sich abgelenkt gefühlt zu haben. Gleichzeitig berichteten sie, weniger Freude an der gemeinsamen Zeit gehabt zu haben als Teilnehmer, die ihr Handy außer Sichtweite aufbewahrten. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass nicht erst das aktive Tippen oder Scrollen das Problem ist. Schon die bloße Präsenz des Smartphones könne dazu führen, dass Gespräche häufiger unterbrochen werden oder weniger intensiv verlaufen.
Dadurch richte sich die Aufmerksamkeit nicht vollständig auf das Gegenüber. Viele Menschen sind überzeugt, sie könnten das Handy problemlos ignorieren. Studien deuten jedoch darauf hin, dass unser Gehirn anders arbeitet. Selbst wenn das Display dunkel bleibt, erinnert das Gerät ständig daran, dass Nachrichten, E-Mails oder Anrufe eintreffen könnten. Dadurch bleibt ein Teil der Aufmerksamkeit gebunden, obwohl das Smartphone gar nicht genutzt wird. Das kann dazu führen, dass Gespräche oberflächlicher verlaufen oder kleine Gesprächspausen schneller mit einem Blick aufs Display überbrückt werden. Aus einer kurzen Kontrolle wird dann oft eine längere Beschäftigung mit dem Smartphone. Vielen fällt das gar nicht bewusst auf.
Interessant ist auch, dass die Teilnehmenden in den Studien ihre gemeinsame Zeit unterschiedlich bewerteten. Wer das Smartphone griffbereit auf dem Tisch hatte, berichtete häufiger von Ablenkung und empfand das Treffen teilweise als weniger angenehm. Überraschend war für die Forschenden außerdem, dass sich einige Teilnehmer trotz jederzeit verfügbarem Smartphone sogar langweiliger fühlten als jene, die ihr Gerät bewusst weggelegt hatten.
Der Hauptautor Ryan Dwyer fasste die Ergebnisse so zusammen: "So nützlich, wie Smartphones auch sein können, unsere Ergebnisse bestätigen, was viele von uns wahrscheinlich bereits vermutet haben. Wenn wir unsere Telefone benutzen, während wir Zeit mit Leuten verbringen, die uns wichtig sind, genießen wir die Erfahrung weniger, als wenn wir unsere Geräte weglegen würden."
Niemand muss deshalb vollständig auf sein Smartphone verzichten. Die Forschenden sehen vielmehr kleine Veränderungen im Alltag als sinnvoll an. Wer sich mit Familie oder Freunden trifft, kann das Handy bewusst in der Tasche oder im Rucksack lassen. Dadurch fällt es leichter, sich ganz auf das Gespräch zu konzentrieren und Unterbrechungen zu vermeiden.
Gerade weil Smartphones heute fast ständig genutzt werden, kann eine kurze Pause vom Gerät dazu beitragen, gemeinsame Momente bewusster zu erleben. Das kostet nichts und verlangt keine komplizierten Regeln. Manchmal reicht es bereits aus, das Smartphone außer Sichtweite zu legen, damit die Aufmerksamkeit wieder vollständig den Menschen am Tisch gehört.