Klein, leicht und bequem. Das Fitbit Air ist genau das: ein Fitness-Tracker ohne Bildschirm, ohne ständige Hinweise am Handgelenk und ohne Ablenkung im Alltag. Alles, was das Gerät misst, landet ausschließlich in der zugehörigen und komplett neu gestalteten "Google Health"-App. Dort entscheidet sich auch, ob das Konzept funktioniert oder ob es im Alltag schnell an Grenzen stößt. Der Einstieg ist unkompliziert, aber nicht frei von Bedingungen. Für die Nutzung ist ein Google-Konto erforderlich, danach koppelt sich das Band mit dem Smartphone und arbeitet im Hintergrund weiter. Kein Display, keine Knöpfe, keine Bedienung am Gerät. Das Fitbit Air versteht sich als reiner Datensammler, nicht als klassisches Wearable mit Bedienoberfläche.
Im Kern geht es um kontinuierliche Messungen. Herzfrequenz, Schlaf, Aktivität und weitere Gesundheitswerte werden vom ins Band eingearbeiteten Sensormodul erfasst und in der "Google Health"-App ausgewertet. Das Band selbst bleibt unscheinbar, die Interpretation der Daten passiert ausschließlich am Handy. Wer schnelle Infos am Handgelenk gewohnt ist, muss sich umstellen. Im Alltag fällt das Gerät vor allem durch eines auf: Es fällt nicht auf. Das Fitbit Air ist sehr leicht und kompakt, mit einem Gewicht von 12 Gramm. Das macht es besonders beim Schlafen angenehmer als klassische Smartwatches. Genau dort setzt Google auch den Schwerpunkt. Der Tracker soll nicht nur tagsüber getragen werden, sondern auch nachts.
Die Akkulaufzeit ist dafür, dass das Fitbit Air ohne Display auskommt, gar nicht so lang wie man erwarten könnte – sie liegt bei bis zu einer Woche. Das können auch so manche einfache Fitness-Tracker, dafür erfassen die aber meist auch weniger Gesundheits- und Fitnessdaten. Eine der wenigen Anzeigen am Band selbst: Wer doppelt darauf tippt, sieht an der kleinen, runden Statusanzeige zumindest in etwa den Akkustand. Weißes Licht bedeutet über 20 Prozent, blinkendes rotes Licht unter 20 Prozent und durchgehend rotes Licht, dass es leer ist. Als haptischer Hinweis vibriert das Fitbit Air, wenn es geladen werden muss. Eine Schnellladefunktion liefert mit wenigen Minuten genug Energie für einen oder mehrere Tage.
Es gibt keine Anzeige für Schritte, keine Uhrzeit und auch keine direkten Rückmeldungen. Alles läuft über die automatische Erkennung und spätere Auswertung in der App. Laut Google erkennt das Gerät Aktivitäten selbstständig und erstellt danach Zusammenfassungen. Das funktioniert im Idealfall ohne Eingreifen des Nutzers, man muss sich aber stärker auf die nachträgliche Analyse verlassen als auf spontane Kontrolle. Im Zusammenspiel mit der App entsteht ein sehr datengetriebenes Bild des Alltags. Schlafphasen, Ruhezeiten und Belastung werden sichtbar und in Beziehung gesetzt. In Sachen "passives Tracking" geht kaum mehr. Auffällig ist auch die Positionierung im Markt. Das Fitbit Air kostet zum Start 99,99 Euro.
Mit dem Preis liegt das Fitbit Air unter vielen Smartwatches und auch unter einigen Premium-Fitness-Abos anderer Anbieter. Gleichzeitig wird das Gerät eng mit einem zusätzlichen Premium-Dienst namens Google Health Premium verknüpft, der erweiterte Auswertungen und Coaching bietet. Der Einstiegspreis wirkt niedrig, die langfristige Nutzung kann jedoch an das Abo gebunden sein, wenn man die Daten nicht missen mag. Für 9,99 Euro monatlich gibt es zusätzlich zu Aktivitätserfassung, Schlafanalyse, Gesundheitstracking und Fitnessprotokollen auch personalisierte Fitnesspläne, detailliertere Schlafdaten, Anleitungen zu Fitness-, Schlaf- und Gesundheitsverbesserungen, eine Workout-Mediathek und Achtsamkeitsübungen.
Außerdem kommt KI zum Einsatz: Der "Coach" kann proaktiv befragt werden, entweder per Texteingabe oder Stimme. Fragen lässt sich so gut wie alles – beginnend dabei, welcher Sport sich für den Nutzer eignet bis hin dazu, wann und wie oft trainiert werden soll. Bei den Antworten greift Google auf wissenschaftliche Erkenntnisse zurück. Wer wissen will, wie viele Schritte er gemacht hat, wie sein Schlaf verlaufen ist oder wie stark der Körper belastet war, muss immer zum Handy greifen. Eine schnelle Kontrolle am Handgelenk gibt es nicht. Das Band sammelt permanent Informationen und überträgt sie in die App, wo sie aufbereitet werden. Das lernt man schnell zu schätzen, denn der ständige Blick ans Handgelenk entfällt.
Gehen wir auf den Schlaf ein. Das Fitbit Air erfasst Schlafphasen kontinuierlich und ordnet sie in verschiedene Kategorien ein. Laut Google gehört Schlaf zu den zentralen Messbereichen des Systems. Im Alltag kann das hilfreich sein, etwa um Muster über mehrere Tage zu erkennen. Beim Tragekomfort zeigt sich ebenfalls die Stärke des Geräts. Gerade nachts spielt das eine Rolle, weil das Gerät kaum spürbar bleibt. Genau hier liegt auch einer der größten praktischen Vorteile im Vergleich zu klassischen Smartwatches, die oft deutlich größer und schwerer sind. Das Fitbit Air weckt auch nicht versehentlich auf, etwa durch Vibrationen oder Displaylicht. Die Funktionen mit Google Health Premium lassen sich übrigens für drei Monate kostenlos testen.
Erfasst werden die Schlafenszeiten, der Anteil von REM- und Tiefschlaf und die Schlafeffizienz – also, ob die Dauer und Qualität ausgereicht hat, um erholsam in den Tag zu starten. Auf längere Dauer sagt das Band beziehungsweise die App auch, ob sich der Schlaf verbessert – und wenn nicht, was man für besseren Schlaf tun kann. Dazu zählen Tipps für Sport, aber auch abspielbare Schlafgeräusche oder geführte Audio-Meditationen. Die Sensoreinheit lässt sich übrigens aus dem Band nehmen und in ein anderes einsetzen. Google bietet Sportarmbänder mit Klettverschluss, Sportarmbänder aus Silikon (beide 44,99 Euro) und eine Premium-Variante aus Polyurethan (59,99 Euro) an. Zur Auswahl gibt es jeweils mehrere Farben und Stile.
Das Fitbit Air ist zwar gegen Wasser geschützt und kann daher auch beim Schwimmen getragen werden, im Alltag zeigt sich diese Funktion aber nur eingeschränkt nützlich. Gerade beim Schwimmsport bleibt die Auswertung oberflächlich. In der App wird im Wesentlichen nur festgehalten, wie lange man aktiv war, detaillierte Daten zu Bahnen, Distanz oder Intensität sucht man dagegen vergeblich. Dass das Gerät keine Strecken im Freiwasser aufzeichnet, überrascht nicht, denn einen eigenen GPS-Sensor gibt es nicht. Wer Laufstrecken, Radtouren oder Wanderungen exakt festhalten will, muss deshalb das Smartphone dabeihaben und die Aufzeichnung zusätzlich selbst starten. Auch beim Krafttraining zeigt es Schwächen.
Wiederholungen oder einzelne Übungen erkennt das Band nicht automatisch. Immerhin bietet die App die Möglichkeit, individuelle Trainingsprogramme anzulegen und anzupassen. Ab Werk stehen insgesamt 41 Sportarten bereit. Einige davon erkennt das System eigenständig, was im Alltag zuverlässig funktioniert. Praktisch ist dabei vor allem, dass sich einstellen lässt, nach welcher Aktivitätsdauer die automatische Erkennung starten soll. Positiv fällt auch die Handhabung auf. Das Band lässt sich flexibel und ohne feste Rasterung anpassen, wodurch das Fitbit Air an Handgelenken aller Größen sicher sitzt. Auch bei den Gesundheitsfunktionen zeigt sich, dass Google dem Fitbit Air deutlich mehr mitgegeben hat als nur Schrittzählung.
Besonders die permanente Pulsmessung hinterließ im Test einen starken Eindruck. Selbst bei intensiven Trainingseinheiten mit vielen Armbewegungen lagen die gemessenen Durchschnittswerte sehr nahe an jenen eines Brustgurts, der parallel zum Vergleich getragen wurde. Zusätzlich kann das Band darauf aufmerksam machen, wenn der Puls über längere Zeit auffällig hoch oder ungewöhnlich niedrig bleibt. Darüber hinaus unterstützt das Fitbit Air laut Google auch die Erkennung möglicher Hinweise auf Vorhofflimmern. Ebenso kann das Band die Sauerstoffsättigung im Blut erfassen. Eine EKG-Funktion fehlt allerdings. Auch Informationen zur Atemfrequenz sucht man vergeblich, was wiederum beim Schlaf interessant gewesen wäre.
Täglich präsentiert die App zudem eine Zusammenfassung der wichtigsten Werte. Dazu gehört auch ein "Tagesform-Index", der einschätzen soll, wie belastbar und fit der Körper aktuell ist. Google bietet interessanterweise in der App auch eine Weckerfunktion, bei der sich bis zu acht unterschiedliche Alarme anlegen lassen. Damit das zuverlässig funktioniert, muss sich das Smartphone allerdings in Reichweite des Trackers befinden und das Band weckt dann mit Vibrationen. Zusätzlich steht ein smarter Alarm zur Verfügung. Dieser versucht, innerhalb eines Zeitfensters von 30 Minuten einen möglichst passenden Moment anhand der Schlafphase zu finden. Spätestens zum eingestellten Zeitpunkt wird der Wecker aber immer ausgelöst.
Mit dem Wechsel von der klassischen Fitbit-App zu Google Health hat sich auch etwas geändert, das viele Nutzer freuen dürfte. Die App ist nicht nur übersichtlicher geworden, sondern lässt Nutzer nun auch selbst bestimmen, an welcher Stelle welche Messwerte aufscheinen sollen. Das Fitbit Air ist insgesamt kein Fitness-Tracker für Menschen, die ständig Zahlen am Handgelenk sehen wollen. Genau darin liegt aber seine Stärke. Das Band arbeitet leise im Hintergrund, sitzt extrem angenehm und leicht am Arm und sammelt zuverlässig Gesundheits- und Fitnessdaten, ohne im Alltag ständig Aufmerksamkeit zu verlangen. Besonders bei Schlaftracking, Herzfrequenzmessung und Tragekomfort liefert Google viel ab.
Nicht jede Funktion wirkt schon komplett ausgereift, insgesamt zeigt das Fitbit Air aber, wie ein moderner Fitness-Tracker auch ohne Display funktionieren kann. Preislich startet das Fitbit Air zwar günstiger als vergleichbare Konkurrenten, außer Acht lassen darf man jedoch nicht das Abo, wenn man alle Funktionen des Armbands ausreizen will. Für alle, die weniger Ablenkung und mehr Überblick über ihren Alltag wollen, ist Googles neues Band ein überraschend spannender Ansatz. Vor allem der hohe Tragekomfort und die unkomplizierte Nutzung machen das Fitbit Air im Alltag schnell angenehm unauffällig.