Vergangenen Herbst stellte die Regierung Albaniens mit großem Medienecho die KI-Ministerin Diella vor. Die künstliche Intelligenz sollte Korruption bekämpfen und als neuer Typus einer Regierungsbeamtin dienen. Bereits zuvor war Diella als Chatbot auf dem Behördenportal E-Albania im Einsatz.
Ministerpräsident Edi Rama betonte bei der Präsentation, dass Diella direkt ihm unterstellt sei und durch ihre KI-Natur vor Nepotismus geschützt wäre. Doch die Euphorie währte nicht lange: Schon kurz nach dem Start hagelte es Kritik und rechtliche Bedenken.
Wie "lessentiel" berichtet, reichte die oppositionelle Demokratische Partei Albaniens umgehend Klage ein.
Sie argumentiert, dass laut Verfassung nur reale Personen Regierungsämter bekleiden dürfen und ein KI-Algorithmus nicht zur Rechenschaft gezogen werden könne. Das Urteil des Höchstgerichts wird noch in dieser Woche erwartet.
Betreut wird Diella von der nationalen Informationsagentur AKSHI. Eigentlich sollte die KI die Regierungsarbeit erleichtern: „Meine Mission ist es, die Arbeit der Regierung jeden Tag zu erleichtern“, sagte der KI-Avatar im Parlament.
Doch nun stehen die AKSHI-Direktorin Mirlinda Karçanaj und ihre Stellvertreterin unter Hausarrest. Die Sonderstaatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Korruption und organisierte Kriminalität.
Den Ermittlungen zufolge sollen die beiden Verantwortlichen Aufträge an befreundete Unternehmen vergeben und Konkurrenten durch Einschüchterungen sowie Drohungen ferngehalten haben.
Sogar von Entführungen, um mehrere Millionen Euro zu veruntreuen, ist die Rede.
Für weiteren Wirbel sorgt Schauspielerin Anila Bisha. Sie hatte dem ursprünglichen E-Albania-Chatbot Stimme und Gesicht geliehen, aber laut eigenen Angaben nie zugestimmt, als Avatar für die KI-Ministerin Diella zu fungieren. Ihr Vertrag lief Ende des Vorjahrs aus.
Ihr Anwalt spricht von einem Exklusivvertrag: „Das bedeutet, dass ihr Bild und ihre Stimme nicht für andere Produkte verwendet werden durften.“
Die Regierung weist die Vorwürfe zurück und betont, alles sei rechtens gewesen. Letztlich wird das Gericht entscheiden müssen, wie der Streit ausgeht.