Mitten im Glamour der 79. Filmfestspiele von Cannes hat der chinesische Technologie-Hersteller Honor ein neues Smartphone genauer vorgestellt. Das sogenannte "Honor Robot Phone" soll laut Unternehmen völlig neue Möglichkeiten für mobile Videoaufnahmen eröffnen. Präsentiert wurde das Gerät bei der "China Night" in Cannes, wo sich Filmschaffende, Produzenten und Technikfirmen trafen, um über die Zukunft des Kinos zu sprechen.
Besonders auffällig: Honor setzt beim Robot Phone nicht nur auf künstliche Intelligenz, sondern auch auf Technik, die bisher eher aus professionellen Filmproduktionen bekannt ist. Das Smartphone soll im dritten Quartal 2026 offiziell auf den Markt kommen. Einen Preis nannte das Unternehmen allerdings noch nicht. Der große Aufhänger der Präsentation war die Zusammenarbeit mit Arri.
Die deutsche Firma zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Herstellern professioneller Filmkameras und Ausrüstung für Hollywood-Produktionen. Viele große Kinofilme und Serien werden mit Technik von Arri gedreht. Laut Honor sollen nun erstmals zentrale Elemente der sogenannten "Arri Image Science" direkt in ein Smartphone integriert werden.
David Bermbach, Geschäftsführer von Arri, erklärte in Cannes: "Heute sind Consumer-Smartphones bereits zu einem ernstzunehmenden Werkzeug im professionellen Filmemachen geworden und werden weltweit bei Blockbustern eingesetzt. Deshalb glauben wir, dass es an der Zeit ist, diese Welten noch näher zusammenzubringen."
Damit spricht Bermbach einen Trend an, der sich seit Jahren abzeichnet. Immer öfter entstehen Musikvideos, Werbefilme oder sogar ganze Filmszenen mit Smartphones. Für viele Kreative sind die Geräte günstiger, leichter und flexibler als klassische Filmkameras. Gleichzeitig stoßen Handys bei schnellen Bewegungen, komplexen Kamerafahrten oder schwierigen Lichtverhältnissen weiterhin an Grenzen. Genau dort will Honor ansetzen.
Das Robot Phone soll laut Hersteller ein besonders kompaktes 4DoF-Gimbal-System besitzen. Gemeint ist damit eine bewegliche Stabilisierungseinheit, die Verwacklungen ausgleichen und flüssige Kamerafahrten ermöglichen soll. Während normale Smartphones oft nur kleine Bewegungen elektronisch oder mechanisch stabilisieren, soll das neue Gerät Bewegungen auf "Roboter-Niveau" ausführen können.
Bei der Präsentation in Cannes demonstrierte Honor unter anderem automatische Kamerafahrten rund um Personen oder Objekte. Die Funktion "AI Object Tracking" soll Motive eigenständig verfolgen können, während "AI SpinShot" automatische Drehbewegungen ermöglicht. Solche Aufnahmen benötigen normalerweise mehrere Personen, Schienen, Kräne oder spezielle Kameraroboter.
Die Vorführung richtete sich an Kreative, Filmemacher und Content-Produzenten. Honor versuchte in Cannes den Eindruck zu vermitteln, dass professionelle Bildsprache künftig nicht mehr nur großen Studios vorbehalten sein soll. Gerade junge Filmschaffende könnten mit einem Smartphone künftig Szenen umsetzen, die bisher deutlich mehr Technik und Budget erfordert hätten.
Auch Tina Jia, Vorsitzende der "China Night" bei den Filmfestspielen von Cannes, hob den Einfluss künstlicher Intelligenz auf die Filmbranche hervor. "In einer Zeit, in der KI allen Branchen neue Möglichkeiten eröffnet, freuen wir uns sehr, mit Marken wie Honor zusammenzuarbeiten, um zu sehen, wie Technologie das Filmemachen bereichern kann", sagte sie. Die Bildverarbeitung von Honor könne "echte filmische Ästhetik" in mobile Geräte bringen.
Auffällig ist dabei, wie stark Smartphone-Hersteller inzwischen versuchen, sich über Kamerafunktionen voneinander abzuheben. Während viele neue Modelle auf höhere Megapixel-Zahlen oder stärkeren Zoom setzen, geht Honor mit dem Robot Phone einen anderen Weg. Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Fotos, sondern Bewegungen, Kamerafahrten und automatisierte Filmszenen.
Noch offen bleibt allerdings, wie alltagstauglich das Konzept tatsächlich ist. Viele Hersteller haben in den vergangenen Jahren spektakuläre Kamera-Technologien präsentiert, die später nur selten genutzt wurden. Auch beim HONOR Robot Phone wird entscheidend sein, wie zuverlässig die KI-Funktionen arbeiten und wie gut die Stabilisierung im Alltag wirklich funktioniert.
Dennoch zeigt die Präsentation in Cannes, wohin sich der Smartphone-Markt bewegt. Künstliche Intelligenz soll nicht mehr nur Bilder nachbearbeiten oder Gesichter erkennen, sondern aktiv Kamerabewegungen steuern und kreative Entscheidungen unterstützen. Für viele Nutzer klingt das spannend, andere könnten sich fragen, ob Smartphones damit zunehmend komplizierter werden.