Das Honor 600 soll die Smartphone-Mittelklasse des Technologie-Unternehmens neu sortieren. Viel Akku, ein sehr helles Display und ein überarbeiteter Look sollen Käuferinnen und Käufer ansprechen, die ein modernes Smartphone suchen, ohne gleich in die ganz teure Oberklasse zu gehen. Apropos teure Oberklasse: Beim Design zeigt sich sofort, dass das Honor 600 Apples Top-Flaggschiff iPhone 17 Pro als großes Vorbild hat. Doch während Honor das 600 je nach Speicherversion ab 649,90 Euro startet, liegt das iPhone mit mindestens 1.299 Euro preislich deutlich darüber. Die Optik täuscht allerdings, denn das Honor 600 ist typisch Smartphone-Mittelklasse und kann sich leistungsmäßig in keinster Weise mit dem Apple-Handy messen.
Das Honor 600 wirkt optisch deutlich anders als sein Vorgänger. Gehäuse und Rahmen nutzen Glas und Aluminium, dennoch bringt es nur 190 Gramm auf die Waage. Mit einer Dicke von etwa 7,8 Millimetern ohne Kamerabuckel liegt es angenehm in der Hand, auch wenn die Kameraeinheit etwas hervorsteht. Das Design ist klar modern, fast schon minimalistisch, und erweckt den Eindruck, als hätte man sich mit nur ganz wenigen Änderungen am aktuellsten iPhone bedient. Genau hier liegt auch einer der größten Diskussionspunkte, denn der Look wirkt vertraut, fast schon zu vertraut. Neben Schwarz und einem leicht goldenen Weiß bietet Honor das 600 übrigens auch in einer ebenfalls vom iPhone bekannten, orangen Farbvariante an.
Im Alltag fällt vor allem das Display auf. Es misst 6,57 Zoll und löst mit 1.264 x 2.728 Pixeln auf. Die Bildwiederholrate liegt bei bis zu 120 Hz, was für ein sehr flüssiges Scrollen sorgt. Besonders beeindruckend ist die Helligkeit: Spitzenwerte von bis zu 8.000 Nits in der kurzzeitigen Spitze werden angegeben, was nicht nur in direkter Sonne für sehr gute Ablesbarkeit sorgt, sondern die Augen fast schon blendet. Inhalte wirken scharf und farbkräftig, ohne übertrieben bunt zu sein. Auch Videos profitieren deutlich von der hohen Auflösung und der starken Darstellung. Wer viel draußen unterwegs ist, wird das Display schnell zu schätzen wissen. Lobenswert sind die minimalen Displayränder, das gibt es kaum in der Mittelklasse.
Unter der Haube des neuen Honor-Smartphones arbeitet der Snapdragon 7 Gen 4. Das ist ein aktueller Mittelklasse-Chip von Qualcomm, der im Alltag für stabile Leistung sorgt. Apps starten schnell, Multitasking funktioniert problemlos, und auch anspruchsvollere Anwendungen laufen grundsätzlich flüssig. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass hier kein High-End-Prozessor verbaut ist. In aufwendigeren Szenen oder bei längerer Belastung merkt man, dass die Reserven begrenzt sind. Für typische Alltagsaufgaben reicht die Leistung völlig aus, wer jedoch maximale Performance erwartet, könnte sich mehr erhofft haben. Preislich geht der Prozessor zwar in Ordnung, einen Preis-Leistungs-Kracher hat man mit dem Chip aber nicht.
In Österreich wird das Honor 600 mit 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 512 GB internem Speicher im Handel stehen. Apropos Handel: Der Honor Store wird eine Bundle-Sparaktion zum Start anbieten. Eine Speichererweiterung per Karte ist nicht möglich. Das ist mittlerweile zwar üblich, bleibt aber ein Punkt, den manche Nutzer vermissen könnten. Ein großes Versprechen ist der Akku. Mit 6.400 Milliamperestunden (mAh) ist er außergewöhnlich groß für ein Smartphone. Im Alltag bedeutet das vor allem eines: lange Laufzeiten. Selbst bei intensiver Nutzung kommt man gut auf zwei Tage, oft sogar darüber hinaus. Ergänzt wird das Ganze durch 80-Watt-Schnellladen. Kabelloses Aufladen wird beim Honor 600 nicht geboten.
Im Bereich Kamera zeigt das Honor 600 ein sehr klares Konzept, das sich stark um einen einzigen großen Sensor dreht. Der 200-Megapixel-Hauptsensor steht im Mittelpunkt und liefert bei Tageslicht eine hohe Detaildichte, die vor allem bei ruhigen Motiven wie Landschaften, Architektur oder Nahaufnahmen sofort auffällt. Die Bilder wirken oft sehr klar, fast schon "sauber" bearbeitet, was dem großen 1/1,4-Zoll-Sensor und der optischen Bildstabilisierung zugeschrieben wird. Diese Kombination sorgt dafür, dass auch leichte Bewegungen oder unruhige Hände weniger schnell zu verwackelten Ergebnissen führen. Gleichzeitig nutzt das Gerät die hohe Auflösung nicht nur für Detailaufnahmen, sondern auch für digitalen Zoom.
Stärken und Schwächen des Kamerasystems
+ Ausgezeichnete Bilder bei Tageslicht
+ Fantastische Frontkamera
+ Starke Hauptkamera mit OIS
+ Für Mittelklasse guter Ultraweitwinkel
- Keine Tele-Kamera
- Eingeschränkte Zoom-Aufnahmen
- Leichte Schwäche bei Dunkelheit
- Ebenfalls leichte Schwächen bei sich bewegenden Motiven
Auch wenn eine Tele-Linse fehlt, bleibt der Digital-Zoom (maximal 30x) brauchbar, solange man sich in moderaten Stufen bis zu 5x bewegt. Darüber nimmt die Qualität stark ab. Unterstützt wird das Ganze durch KI-Optimierung, die Szenen automatisch nachbearbeitet und Farben sowie Kontrast anpasst. Das führt zu gefälligen Ergebnissen, die direkt nach dem Auslösen gut aussehen, ohne Nacharbeiten zu brauchen. Genau hier liegt aber auch ein kleiner Kritikpunkt: Die Software greift teilweise stark ein, wodurch Bilder manchmal weniger natürlich wirken und feine Nuancen verloren gehen. Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen kann es vorkommen, dass Details zwar erhalten bleiben, die Gesamtwirkung aber leicht künstlich erscheint.
Bei wenig Licht zeigt sich die Kamera bemüht und dank Nachtverarbeitung auch leistungsfähig, aber nicht konstant. Der Sensor hilft, mehr Licht einzufangen, die Bildstabilisierung verhindert viele typische Verwackler, dennoch schwankt die Qualität. Manche Nachtaufnahmen wirken klar und detailreich, andere weicher oder verrauscht. Die Software ist manchmal zu eifrig, die Dunkelheit aufzuhellen, was zwar mehr sichtbare Inhalte bringt, aber auch zu einem Verlust der natürlichen Stimmung führt. Die Ultraweitwinkelkamera mit 12 MP ergänzt das Setup und liefert überraschend gute Aufnahmen bei Tageslicht. Die Frontkamera mit 50 MP liefert tolle Selfies. Insgesamt zeigt sich die Kamera des Honor 600 sehr stark aufgestellt für ihre Klasse.
Das Honor 600 läuft mit Android 16 und der hauseigenen Oberfläche MagicOS 10. Diese Kombination wirkt aufgeräumt und modern, bringt aber auch viele vorinstallierte Funktionen mit, die nicht jeder braucht. Im Alltag läuft das System stabil, Animationen sind flüssig, und die Bedienung ist weitgehend unkompliziert. Ein großer Teil der Software-Ausrichtung dreht sich um KI-Funktionen, die direkt in die tägliche Nutzung eingebunden sind. Dabei geht es etwa um Bildbearbeitung oder die schnelle Anpassung von Inhalten. Das System versucht, Fotos nach dem Auslösen automatisch zu verbessern, etwa durch Anpassungen bei Licht, Kontrast und Farbwiedergabe. Wer natürliche Ergebnisse bevorzugt, kann die Optimierung auch bremsen.
Spannender wird es beim sogenannten Image to Video 2.0. Dabei werden einzelne Fotos in kurze Bewegtbild-Sequenzen umgewandelt. Das System analysiert das Bild und erzeugt daraus eine Art animierte Szene inklusive Musik, die dem Motiv mehr Dynamik verleihen soll. Die Umsetzung wirkt spielerisch, dieses Mal hat man aber mehr Einfluss auf das Ergebnis, weil man neben Vorlagen auch eigene Prompts nutzen kann. Manche Animationen wirken überraschend stimmig, andere eher künstlich oder etwas unruhig. Trotzdem zeigt sich, dass Honor hier versucht, klassische Smartphone-Fotografie um eine kreative Ebene zu erweitern, die über reine Bildbearbeitung hinausgeht. Aber: Die Nutzung ist nur begrenzte Zeit kostenlos.
Das macht Image to Video 2.0 auf dem Honor 600 aus nur zwei Einzelfotos von Pikachu und Gengar:
Insgesamt zeigt sich das Honor 600 als solides, modernes Smartphone mit Stärken bei Akku, Display und Alltagstauglichkeit. Gleichzeitig bleibt der Eindruck, dass der Hersteller an einigen Stellen auf Nummer sicher gegangen ist. Der Chip ist solide und gut, aber nicht überragend für den Preis. Die Kamera liefert gute Ergebnisse, das Design orientiert sich an aktuellen iPhones. Die Bedienung ist angenehm unkompliziert. Das Gerät reagiert schnell, Apps öffnen sich zügig, auch wenn mehrere gleichzeitig im Hintergrund laufen. Multitasking bleibt stabil, solange man es nicht übertreibt. Erst bei sehr intensiver Nutzung merkt man, dass der Snapdragon 7 Gen 4 nicht in der Oberklasse spielt, sondern leistungsmäßig in der gehobenen Mittelklasse bleibt.
Auffällig ist, dass das Gerät selten unangenehm warm wird. Selbst bei längeren Video-Sessions oder beim Navigieren bleibt die Temperatur im Rahmen. Das sorgt für ein ruhiges Gefühl in der Hand, auch wenn das Smartphone dauerhaft im Einsatz ist. Wer mehr Leistung will, kann übrigens zum Pro-Modell greifen. Dieses setzt auf einen schnelleren Prozessor (Snapdragon 8 Elite) und auf eine zusätzliche Telekamera für besseren Zoom, zusätzlich unterstützt es auch kabelloses Aufladen. Die übrigen Eigenschaften der beiden Smartphones gleichen sich aber. Beim Klang zeigt sich das Honor 600 solide. Die Lautsprecher liefern einen klaren Ton, wirken aber bei hoher Lautstärke etwas flach. Für Videos, Podcasts oder einfache Musik reicht das.
Im Fazit bleibt das Design eines der auffälligsten Themen. Das Honor 600 wirkt hochwertig verarbeitet, aber auch sehr nah an aktuellen Designtrends eines anderen Herstellers. Die flache Rahmenform, die klaren Kanten und die Kameraanordnung erinnern stark an ein bekanntes Premiumgerät – und selbst der Bildschirmhintergrund sieht dem Standard-Theme des Apple iPhone 17 Pro ziemlich ähnlich. Auch eine selbst belegbare KI-Kamera-Taste gibt es – nachdem das iPhone den "Action Button" eingeführt hat. Das kann je nach Sichtweise positiv oder negativ bewertet werden. Einerseits wirkt das Gerät modern und vertraut, andererseits fehlt es auch etwas an Eigenständigkeit. Preislich liegt das Honor 600 zum Marktstart bei rund 650 Euro.
Damit positioniert sich das Gerät nicht mehr im klassischen, günstigen Mittelklasse-Segment. Während Akku, Kamera und Display trotz kleiner Schwächen überzeugen, bleibt der Prozessor wie der Speicher eher solide als spektakulär. Abseits von Preis-Leistung findet sich aber kaum ein Schwachpunkt. Der sehr starke Akku, das helle und scharfe Display sowie die insgesamt stabile Alltagserfahrung machen es zu einer guten Wahl für Android-Nutzerinnen und -Nutzer. Schön für alle, die dabei etwas sparen wollen: Das teurere Pro-Modell (ab 999,90 Euro) bietet nur einige Vorteile, die für Zoom-Fans, Arbeitstiere und Liebhaber des kabellosen Aufladens interessant sind, aber auf die gute Alltagstauglichkeit des Basismodells keinen Einfluss haben.