Spätestens mit der aktuellen Phone (4a)-Generation hat das Londoner Technologie-Unternehmen Nothing ein neues Kapitel aufgeschlagen. Fielen Smartphones und Kopfhörer aus dem Hause Nothing bisher durch ihr transparentes Design auf, gibt es nun einen zweigeteilten Ansatz. Basis-Modelle wie das Nothing Phone (4a) oder die Kopfhörer Nothing Headphone (a) behalten das ikonische, transparente Design bei, bekommen aber neue Farben statt "nur" Weiß, Grau und Schwarz. Pro- und Flaggschiff-Modelle wie das Nothing Phone (4a) Pro, die In-Ear-Kopfhörer Nothing Ear (3) und die Over-Ears Nothing Headphone (1) erscheinen dagegen mit weniger transparenten Details, dafür aber mit äußerst edlen Aluminium-Gehäusen.
Während das Nothing Phone (4a) im "Heute"-Test bereits mit seinem ungewöhnlichen Design und einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis Aufmerksamkeit erzeugte, soll das Pro-Modell nun eine noch ambitioniertere Ausstattung bieten. Größeres Display, stärkerer Chip, minimal veränderte Kameratechnik mit Periskop-Zoom, Glyph-Matrix statt Leucht-Leiste – zumindest auf dem Papier verspricht das Pro-Gerät einen spürbaren Sprung. Doch wie groß fällt der Abstand zum günstigeren Bruder tatsächlich aus? Wir haben uns das neue Smartphone im Detail angesehen und vergleichen es direkt mit dem Standard-Modell. Preislich startet das Basis-Modell übrigens bei 349 Euro, für das Pro-Modell werden mindestens 429 Euro fällig.
Beim Design bleibt sich Nothing treu, auch wenn dieses Mal alles anders ist. Das Nothing Phone (4a) Pro setzt auf die mittlerweile charakteristische Gestaltung mit klaren Linien und einem bewusst technisch wirkenden Erscheinungsbild. Die Rückseite besteht allerdings aus einem matten Aluminium-Unibody (Silber, Pink und Schwarz, das Basis-Modell ist zusätzlich auch in Blau erhältlich) und legt damit nicht wie das Basis-Modell einen Teil der inneren Struktur des Smartphones optisch frei. Dieser Ansatz unterscheidet das neue "Pro" deutlich von den Vorgängern: Edel, schick, typisch Nothing – und doch ein gutes Stück erwachsener. Der Ansatz, zwischen dem transparenten und dem metallenen Design zu wählen, gefällt sehr gut.
Mit einer Höhe von 163,6 Millimetern und einer Breite von 76,6 Millimetern zählt das Gerät zu den größeren Smartphones seiner Klasse. Die Dicke beträgt 7,9 Millimeter, das Gewicht liegt bei 210 Gramm. Damit fällt das Pro-Modell minimal schwerer aus als das Standardgerät, bleibt jedoch im Bereich typischer Mittelklasse-Smartphones. Auch beim Schutz legt das Pro-Modell nach. Während das Standardgerät nach IP64 zertifiziert ist, erreicht das Nothing Phone (4a) Pro eine IP65-Einstufung. Das bedeutet, dass es besser gegen Staub geschützt ist und stärkerem Strahlwasser widersteht. Zusätzlich wurde das Gerät laut Hersteller auch für kurzfristige Wassereinwirkung getestet – bis zu 25 Zentimeter Tiefe für maximal 20 Minuten.
Einer der größten Unterschiede zwischen beiden Modellen zeigt sich beim Bildschirm. Das Nothing Phone (4a) Pro besitzt ein 6,83 Zoll großes flexibles AMOLED-Display. Die Auflösung beträgt 1.260 x 2.800 Pixel, was zu einer Pixeldichte von rund 440 ppi führt. Das Phone (4a) setzt auf ein etwas kleineres Panel mit 6,78 Zoll und einer geringfügig niedrigeren Auflösung von 1.224 x 2.720 Pixeln bei gleicher Pixeldichte. Der wahre Unterschied: Mit rund 94 zu 87 Prozent Screen-to-Body-Ratio (Verhältnis Bildschirm zu Gehäuse) gibt es beim Pro nur minimale Bildschirmränder und eine optimale Ausnutzung der Frontfläche. Für Schutz gegen Kratzer und Brüche sorgt bei beiden Modellen das relativ neue Corning Gorilla Glass 7i.
Ein größerer Unterschied liegt auch bei der Bildwiederholrate. Während das Standardmodell maximal 120 Hertz erreicht, unterstützt das Pro-Gerät adaptive 144 Hertz. In der Praxis sorgt das für noch flüssigere Animationen und Scrollbewegungen und die 144 Hertz sind schneller, als es so manches weitaus teurere Flaggschiff überhaupt kann. Auch bei der Helligkeit legt das Pro-Display zu. Die Spitzenhelligkeit erreicht bis zu 5.000 Nits, während die Outdoor-Helligkeit bei 1.600 Nits liegt. Typisch sind etwa 800 Nits. Das sorgt für eine sehr gute Ablesbarkeit im Freien. Das Basis-Modell ist ebenfalls sehr hell, aber liegt etwas unter dem Pro. Die Farbdarstellung erfolgt mit 10-Bit-Farbtiefe und bis zu 1,07 Milliarden Farben.
Im Inneren des Nothing Phone (4a) Pro arbeitet der Snapdragon 7 Gen 4 von Qualcomm. Der Chip wird im 4-Nanometer-Verfahren bei TSMC gefertigt und setzt auf eine Achtkern-Architektur mit einem Prime-Kern bis 2,8 GHz, drei Performance-Kernen bis 2,4 GHz sowie vier Effizienz-Kernen bis 1,8 GHz. Der Grafikteil basiert auf der Adreno 722 GPU. Zusätzlich integriert der Chip eine Hexagon-NPU für KI-Berechnungen. Das Nothing Phone (4a) nutzt hingegen einen Snapdragon 7s Gen 4 mit einer niedrigeren maximalen Taktfrequenz von 2,7 GHz und einer anderen GPU-Generation. Ein weiterer Unterschied betrifft den Arbeitsspeicher. Das Pro-Modell verwendet moderneren LPDDR5X-RAM, das Standardgerät LPDDR4x.
Beide Smartphones nutzen jedoch denselben schnellen UFS-3.1-Speicher und werden in den Varianten 8/128 GB (349/429 Euro) und 12/256 GB (429/499 Euro) angeboten. Das Basis-Modell gibt es zusätzlich noch in der Version 8/256 GB (389 Euro). Ausgeliefert wird das Nothing Phone (4a) Pro mit Android 16 und der Oberfläche Nothing OS 4.1. Der Hersteller verspricht drei große Android-Versionsupdates sowie sechs Jahre Sicherheitsupdates. Diese Updatepolitik entspricht exakt dem Standardmodell. Die Oberfläche setzt weiterhin auf ein minimalistisches Design mit stark reduzierten Symbolen und Widgets. Auch die KI-Werkzeuge teilt sich das Pro- mit dem Basis-Modell – ausführliche Details dazu liest du in diesem Test.
Der deutlichste technische Unterschied zwischen beiden Geräten liegt im Kamerasystem, auch wenn es am Papier erst einmal gar nicht so sehr danach aussieht. Das Nothing Phone (4a) Pro besitzt ein Dreifach-Kamerasystem mit: 50-MP-Hauptkamera, 50-MP-Periskop-Telekamera und 8-MP-Ultraweitwinkelkamera. Moment, das bietet das Basis-Modell doch auch? Ja, doch das Pro tauscht den Samsung-Sensor in der Hauptkamera gegen einen etwas lichtempfindlicheren 1/1.56-Zoll-Sensor von Sony mit f/1.88-Blende und optischer Bildstabilisierung aus. Unterstützt werden Funktionen wie Rapid Shutter und ein 2x In-Sensor-Zoom. Der Unterschied zum Basis-Modell ist nicht gewaltig, es gibt beim Pro aber (noch) bessere Nachtfotos und mehr Details.
Interessant ist die Periskopkamera. Sie bietet einen 3,5-fachen optischen Zoom, einen 7-fachen In-Sensor-Zoom und (laut Hersteller als Weltpremiere) sogar bis zu 140-fachen digitalen Ultra-Zoom. Beim Nothing Phone (4a) ist zwar ebenfalls eine Telekamera vorhanden, der maximale Zoom fällt jedoch deutlich geringer aus (70-fach). Im Praxistest zeigt sich: Diese Ultra-Zoom-Stufen sind eher technische Spielerei, über einen völlig ausreichenden Zoom-Faktor 20 sollte man nicht hinausgehen. Bis zu dieser Stufe sind die Bilder aber extrem beeindruckend, vor allem für ein Mittelklasse-Smartphone. Ultraweitwinkel und Frontkamera bleiben bei beiden Modellen identisch: Beide Geräte verwenden eine 32-MP-Selfie-Kamera mit f/2.2-Blende.
Beim Video setzt das Nothing Phone (4a) Pro auf 4K-Aufnahmen mit 30 Bildern pro Sekunde. Zusätzlich unterstützt das Gerät Ultra-XDR-Videoaufnahmen. Full-HD-Videos können mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet werden. Zeitlupenaufnahmen sind mit 1080p bei 120 FPS möglich. Auch Zeitraffer-Videos werden in 4K oder Full HD unterstützt. Beim Akku gibt es indes keinerlei Unterschiede zwischen beiden Modellen. Auch der Akku des Nothing Phone (4a) Pro besitzt eine Kapazität von 5.080 mAh. Geladen wird mit bis zu 50 Watt per Kabel, eine volle Aufladung dauert rund eine Stunde. Das reicht dann für bis zu zwei Tage Laufzeit auch bei starker Nutzung aus. Auf kabelloses Laden muss man bei beiden Modellen verzichten.
Auch bei der Konnektivität bewegt sich das Nothing Phone (4a) Pro auf aktuellem Niveau. Unterstützt werden Wi-Fi 6, Bluetooth 5.4, NFC, 5G-Mobilfunk und Dual-SIM. Aber Achtung: eSIM kann nur das Pro, Nano-SIM unterstützen dagegen beide Smartphones. Noch ein paar Worte zum Design: Während das Nothing Phone (4a) optisch die bisherige Nothing-(a)-Serie fortsetzt, lässt sich beim Pro-Modell eine Ähnlichkeit zum Apple iPhone 17 Pro nicht ganz verleugnen. Das matte Metallgehäuse, das rechteckige Kameramodul über fast die gesamte Breite des Geräte-Rückens, die dezent-moderne Designsprache und eine (bei allen Modellen) einzigartige Benutzeroberfläche machen das Pro zu so etwas wie dem Metall-Android-iPhone.
Im direkten Vergleich wird klar, dass das Nothing Phone (4a) Pro vor allem in drei Bereichen mal mehr, mal weniger deutlich aufgerüstet wurde. Das Display ist größer, heller und schneller.
Der Prozessor ist moderner und nutzt schnelleren RAM. Und die Kamera erhält mit der höheren Zoomstufe und dem veränderten Hauptkamera-Sensor ein Upgrade. In vielen anderen Bereichen bleiben beide Geräte jedoch erstaunlich ähnlich. Akku, Ladeleistung, Software-Support und viele Basisfunktionen unterscheiden sich kaum. Das Nothing Phone (4a) Pro ist dennoch eindeutig das technisch stärkere Smartphone im Vergleich zum Nothing Phone (4a). Wer Wert auf jedes Prozent mehr Leistung und superflüssige Displays legt, greift zum Pro.
Allerdings zeigt der Vergleich auch, dass das Standardmodell in vielen Bereichen erstaunlich nah dran bleibt. Wer auf extreme Zoom-Funktionen verzichten kann und mit einem etwas langsameren Display – das trotzdem auf dem Niveau vieler Über-1.000-Euro-Flaggschiffe liegt – leben kann, erhält auch mit dem günstigeren Gerät ein sehr solides Smartphone. Das Pro-Modell positioniert sich als technisch ambitioniertere Variante innerhalb der Mittelklasse – ohne dabei die grundlegende Philosophie von Nothing zu verlassen. Gerade bei der (4a)-Serie werden viele Nutzerinnen und Nutzer die Entscheidung für eines der beiden Modelle wohl auch aus optischen Gründen treffen – denn beide Geräte sehen unterschiedlich, aber sehr gut aus.