Ein Rennen über 21,1 Kilometer sorgt derzeit weltweit für Gesprächsstoff – nicht wegen eines neuen Laufstars, sondern wegen einer Maschine. Der chinesische Hersteller Honor hat mit seinem humanoiden Roboter D1 beim Halbmarathon in Peking Yizhuang für einen Paukenschlag gesorgt. Die Maschine lief die Distanz in 50 Minuten und 26 Sekunden und war damit deutlich schneller als der bisherige menschliche Weltrekord von 57 Minuten und 20 Sekunden.
Beim Bewerb selbst setzte sich D1 gegen mehr als 300 Roboter durch, die aus 102 Teams weltweit angetreten waren. Die Dominanz war dabei klar: Die ersten sechs Plätze gingen allesamt an Modelle des Herstellers. Was den Erfolg besonders macht: Der Roboter absolvierte die Strecke vollständig autonom. Das bedeutet, er lief ohne Fernsteuerung oder direkte Eingriffe von außen. Während viele andere Teilnehmer Probleme hatten oder auf Unterstützung angewiesen waren, blieb D1 stabil und erreichte das Ziel eigenständig.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Feld massiv vergrößert, die Teilnehmerzahl hat sich mehr als verfünffacht. Gleichzeitig wurde die Bestzeit massiv verbessert. Die neue Siegerzeit liegt deutlich unter jener aus dem Jahr 2025, was zeigt, wie schnell sich die Technik entwickelt. Der Roboter selbst ist 169 Zentimeter groß, seine Beine messen 95 Zentimeter. Im Inneren stecken 159 speziell entwickelte Metallteile sowie Gelenkmodule, die ein Drehmoment von bis zu 600 Newtonmetern erzeugen können.
Diese Kraft sorgt dafür, dass der Roboter stabil läuft und auch nach leichten Kollisionen selbstständig wieder ins Gleichgewicht kommt. Spannend ist, woher viele dieser Technologien stammen. Honor nutzt laut eigenen Angaben Entwicklungen aus der Smartphone-Welt. So kommt eine sogenannte On-Device-KI zum Einsatz, die es dem Roboter ermöglicht, seine Umgebung in Echtzeit zu erfassen und darauf zu reagieren. Auch bei der Kühlung setzt man auf bekannte Ansätze. Ein Flüssigkeitskühlsystem mit einer Durchflussrate von 4 Litern pro Minute sorgt dafür, dass die Motoren selbst bei der langen Belastung nicht überhitzen.
Ein häufiger Kritikpunkt bei humanoiden Robotern war bisher die begrenzte Laufzeit. Auch hier will Honor einen Schritt weiter sein. Ein Akku reicht laut Hersteller für mehr als 10 Kilometer, dazu kommt ein Schnellwechselsystem. Damit kann Energie rasch ersetzt werden, ohne lange Pausen einlegen zu müssen. Hinter dem Projekt steckt eine größere Strategie. Mit dem sogenannten "Alpha-Plan" will sich Honor vom klassischen Smartphone-Anbieter zu einem Anbieter eines gesamten KI-Ökosystems entwickeln.
Das Unternehmen spricht davon, dass man Technologie nicht nur danach bewerten wolle, was sie kann, sondern auch danach, wie sie eingesetzt werden soll. Unter dem Begriff "Augmented Human Intelligence" soll KI den Menschen unterstützen – im Alltag, zu Hause oder in der Industrie. Was bisher vor allem auf Smartphones stattfand, wird nun in die reale Welt übertragen. Die Idee: Geräte, Wearables und Roboter greifen auf dieselbe technische Basis zurück. Dadurch sollen Anwendungen entstehen, die über einzelne Geräte hinausgehen.
Bevor D1 überhaupt an den Start ging, wurde er intensiv getestet. Mehr als 150 Straßentests und insgesamt rund 2.000 Kilometer legte der Roboter in sieben Monaten zurück. Diese Praxisphase zeigt, wie ernst es dem Hersteller mit der Entwicklung ist. Der Rekordlauf zeigt nun, wie weit sich künstliche Intelligenz bereits entwickelt hat – und wie schnell sie sich weiter verändern könnte. Während parallel neue Smartphones angekündigt werden, setzt Honor mit dem D1 ein deutliches Zeichen in Richtung Zukunft.