Mehr als nur ein Sieg! Manuel Feller krönte sich am Sonntag zum Slalom-König auf dem Ganslernhang und berührte die Ski-Fans in Österreich. Der Triumph kam am Tag nach einer schweren Abfahrtspleite und mitten in einer persönlichen Krise von Feller.
"Das ist die schwierigste Saison, ja die schwierigste Phase meines Lebens", gab der 31-Jährige nach seinem Sieg ehrlich zu – und bat gleichzeitig, keine weiteren Fragen zu stellen.
Was genau ihn belastet, wollte Feller nicht sagen. Nur so viel: "Man sieht aber, dass man nie aufgeben darf. Ich habe auf und abseits der Piste hart an mir gearbeitet, es hat sich ausgezahlt."
Sein Lohn: die goldene Gams – der emotionalste Moment seiner Karriere. "Klar ist die Weltcupkugel skifahrerisch höher einzustufen, aber vom Moment und den Emotionen her ... hier, vor dieser Kulisse, mit meinen Leuten, auf dem Berg, der 15 Minuten von meinem Heimatort entfernt ist, dort, wo ich es immer gewollt habe und vielleicht ein bisschen zu viel gewollt habe zwischendurch ... Das ist unbeschreiblich."
Dabei war er vor dem Finale noch nervöser als in Lauf eins
Unbeschreiblich war auch die Reaktion seiner Begleiter: Cheftrainer Marko Pfeifer rang lange um Fassung, Teamkollege Johannes Strolz weinte sogar vor Freude.
Und Servicemann Richie Weiss gestand in der "Kleine Zeitung": "Ich habe im ersten Moment weggehen müssen." Auch er hatte alles gegeben – und auf eine alte Feile vertraut.
"Wir haben noch vier ältere Ski mit sehr dünner Kante, die ist kaum noch zu schärfen", verriet Weiss. Am Tag vor dem Rennen suchte er verzweifelt nach der passenden Feile – und wollte schon aufgeben, als er sie plötzlich entdeckte: "Da stand 'Kitzbühel brutal' drauf. Ich hab dann acht Stunden an dem Ski gefeilt." Das Ergebnis: Fellers Lauf seines Lebens.
Im Vorjahr war Feller tief enttäuscht aus Kitzbühel abgereist – keine Gams für seine Kinder. "Ich habe von fast jedem Hang eine Trophäe, nur aus Kitzbühel hatte ich bisher nur ein kleines Stück einer Gams, die Felix Neureuther meiner Frau und mir zur Hochzeit geschenkt hat." Nach dem enttäuschenden Rennen in Wengen sagte sein kleiner Sohn Lio plötzlich: "Dann holen wir uns halt nächste Woche die Gams."
Feller musste schlucken. "Dann habe ich gesagt: So leicht ist es nicht, aber ich werde es probieren", erzählt er – mit der goldenen Gams in der Hand.
Mit dem Sieg in Kitzbühel schreibt Feller auch Sportgeschichte: Es ist der erste ÖSV-Slalomsieg in der Gamsstadt seit Marcel Hirscher 2017 und der erste Podestplatz seit Marco Schwarz 2020. Gleichzeitig beendet er eine lange Durststrecke der rot-weiß-roten Slalom-Asse im Weltcup – der letzte Sieg davor? Feller selbst, im Februar 2024 in Palisades Tahoe.
Nächste Station ist Schladming. Ob er dort auch den Riesenslalom am Dienstag fährt? "Schau ma!"