Warnsignale übersehen

Femizid-Studie zeigt: Zehn Gewalttaten in 18 Monaten

Eine neue Studie des Frauenservice Wien zeigt: In zehn Gewalt-Fällen gab es Warnsignale – von psychischer Gewalt bis zu Drohungen.
Wien Heute
05.12.2025, 14:00
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Vier ermordete Frauen, sechs weitere, die nur knapp dem Tod entkamen: Eine neue Studie im Auftrag des Frauenservice Wien zeigt, wie dramatisch die Lage rund um Gewalt an Frauen ist – und wie wichtig das Wiener Gewaltschutznetz für Akutfälle bleibt.

Zwischen Jänner 2022 und Juni 2023 wurden zehn Frauen in Wien von ihren aktuellen oder ehemaligen Partnern angegriffen. Vier starben, sechs überlebten nur knapp. Alle Fälle hatten eines gemeinsam: Es gab Warnsignale. Besitzdenken, psychische Gewalt, Drohungen oder Waffen im Haushalt – kein Fall passierte ohne vorherige Hinweise.

Stadt Wien verstärkt ihr Schutznetz

"Unsere Analyse macht sichtbar, dass in allen Fällen Risikofaktoren bestanden", betont Studienleiterin Birgitt Haller. Genau hier will die Stadt ansetzen. Die Studie ist Teil des 3-Punkte-Gewaltschutzpakets. Forschung wird ausgebaut, das Budget für Prävention und Männerarbeit wurde 2024 verdoppelt, außerdem setzt Wien auf Aufklärung an Schulen, um starre Rollenbilder aufzubrechen.

Die wichtigsten Nummern gegen Gewalt auf einen Blick:

Polizei-Notruf: 133

24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien: 01/71719

Frauenhaus-Notruf: 05 77 22

Gewaltschutzzentrum Wien: 01/5853288

Frauenstadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) warnt: "Um Gewalt gegen Frauen effektiv entgegentreten zu können, brauchen wir verlässliche Daten und Forschung." Und weiter: "Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass das Gewaltschutznetz permanent bekannt gemacht werden muss. Ziel ist es, betroffenen Frauen jederzeit die Hand hinzustrecken."

10 Gewalttaten in 18 Monaten

"Femizide sind kein privates, sondern ein gesellschaftliches Problem", so Laura Wimmer, Leiterin des Frauenservice Wien.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  • 10 massive Gewalttaten in 18 Monaten – vier Frauen ermordet, sechs überlebten.
  • Opfer und Täter oft zwischen 50 und 59 Jahren.
  • Risikofaktoren: Besitzdenken, psychische Gewalt, Kontrolle, Drohungen, Waffenbesitz.
  • Viele Betroffene hatten bereits Gewalt erlebt – keine stand zum Tatzeitpunkt in Kontakt mit einer Gewaltschutzeinrichtung.

Zwei Muster tauchen immer wieder auf: Kontrollbeziehungen (Eifersucht, Stalking, Kontrolle) und Femizide mit anschließendem Suizid, oft bei Pflegeverantwortung. "Gewalt entsteht nicht plötzlich – sie entwickelt sich über lange Zeit. Prävention muss früher ansetzen", erklärt Haller.

Was jetzt passieren muss

Die Studie zeigt klar: Es braucht ein breites Sicherheitsnetz – nicht nur für Betroffene, sondern für die gesamte Gesellschaft. Dieses beinhaltet eine frühzeitige Sensibilisierung für das Aufbrechen von starren Geschlechterrollen und Gewaltprävention bereits im Kindergarten und in Schulen. Es braucht eine engere Zusammenarbeit zwischen Institutionen der Polizei und der Justiz.

Die Studie lenkt den Blick auf die Wichtigkeit niederschwelliger psychosozialer und pflegerischer Angebote. Empfohlen werden auch breite Sensibilisierungskampagnen, die über generelle Beratungseinrichtungen und Hilfsangebote aufklären.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 05.12.2025, 15:06, 05.12.2025, 14:00
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