Zwischen Lichterketten, Punschduft und Maroni-Rauch treffen wir Lucas Fendrich (40) am Christkindlmarkt am Spittelberg, seinem erklärten Lieblingsmarkt. "Er ist kleiner und nicht so komplett überfüllt", sagt er gleich zu Beginn. Und genau deswegen spielt der Spittelberg auch eine Rolle in seinem allerersten Weihnachtssong "Die Tante Hilde".
Im Gespräch mit "Heute" wird schnell klar: Der Song ist mehr als nur ein Gag. Fendrich geht es um eine Botschaft. "Ich möchte einfach ein bisschen darauf aufmerksam machen, dass man versuchen sollte, nicht in diesen Kaufrausch zu verfallen und eigentlich die Zeit mit der Familie nützen", sagt er. Der jährliche Stress, die Geschenk-Panik und der Konsum-Wahnsinn? Für ihn absolut kontraproduktiv. Weihnachten selbst hat für den Sänger eine Wandlung durchgemacht: "Als kleines Kind ist es das große Ding, dann wird man älter, der Zauber verfliegt ein bisschen." Heute, ohne eigene Kinder, ist es wesentlich ruhiger, aber er freue sich auf die Zukunft: "Wenn ich selbst Kinder habe, geht das Ganze wieder von vorne los."
Kinderwunsch? "Ja, schauen wir mal." Seit einiger Zeit ist Fendrich fix vergeben und das merkt man auch beim Thema Familienplanung. Auf die Frage nach Kindern sagt er mit Grinser: "Ja, schauen wir mal." Weihnachten sei jedenfalls "definitiv das Fest der Kinder".
Dass "Die Tante Hilde" heuer tatsächlich fertig wurde, ist fast ein Weihnachtswunder, denn schon viele Jahre nimmt sich Fendrich vor, einen Song für die besinnlichste Zeit zu schreiben. Entstanden ist der Song mitten im Hochsommer. "Wir haben uns beim Lukas Hillebrand ins Haus eingemietet, da hat es 40 Grad gehabt. Wir sind im Pool rumgeplanscht und dann: 'Jetzt schreiben wir einen Weihnachtssong.'" Skurril – aber offenbar effektiv. Eine echte "Tante Hilde" gibt es bei ihm zuhause übrigens nicht: "Das ist kein autobiografischer Song. Ich wurde von anderen Geschichten inspiriert."
Besonders hängen geblieben ist ihm ein sehr intensives Kindheitserlebnis: "Dieser Geruch von diesen Sprühkerzen. Der Nebel überall." Für den Spittelberg und seine Stände hat der Musiker klare Regeln: "Punsch kann ich nur zwei trinken, danach verbiegt sich der Magen." Glühwein geht hingegen gut. Am 7. November – pünktlich zum Release von "Die Tante Hilde" – hat er sich am Schönbrunner Markt auch schon sein erstes Weihnachtsgeschenk gekauft: "Ein kleines Christkind als Magnet. Ich bin ja das Christkind im Video."
Im Musikvideo spielt Fendrich tatsächlich das Christkind – knapp zwei Meter groß und im goldenen Kostüm. "Ich hab’s gefeiert. Ich fand’s sehr lustig." Ein großes Bier hat er sich vorher gegönnt, wie er lachend zugibt. Ob ihm der Dreh im weißen Kleid mit Engelshaar unangenehm war? "Nein, ich muss niemandem mehr beweisen, dass ich cool bin", kann er auch gut über sich lachen.
Wenig überraschend: Auch ein Musiker schenkt nicht immer perfekt. "Natürlich gab es Fail-Geschenke, das ist jedem schon passiert." Und ja, früher hat Fendrich tatsächlich am 24. Dezember vormittags alle Geschenke geholt: "Ich war in einer Stunde fertig. Jetzt ist es dort die Hölle." Heuer hat er – wenig überraschend – noch keine Geschenke.
2025, ein starkes Jahr, auf das der Sänger zurückblicken kann: "Ich habe mein erstes deutschsprachiges Album rausgebracht. Hab im ausverkauften Gasometer mit Edmund gespielt und meine Fanbase wächst immer mehr."
Fendrich ist angekommen, privat und beruflich und verspricht seinen Fans weiterhin auf Deutsch zu singen: "Ja, ich bin gekommen, um zu bleiben." Sein Plan: länger als Papa Rainhard Fendrich – also länger als 40 Jahre – im Geschäft bleiben. "Das toppe ich!"