Nach einer außergewöhnlichen Rettungsaktion gibt es gute Nachrichten aus der Südukraine: Die Evakuierung der von Russland besetzten Frontstadt Oleschky ist abgeschlossen.
Ein Teil der Bewohner entschied sich für eine Ausreise in die Ukraine, andere reisten nach Russland. Möglich wurde die Aktion durch eine zeitlich und örtlich begrenzte Feuerpause, bei der beide Kriegsparteien zusammenarbeiteten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte inzwischen die Ankunft der Menschen, die sich für die Ukraine entschieden hatten.
"Zum jetzigen Zeitpunkt haben ukrainische Bürger aus Oleschky die ukrainische Grenze im Gebiet Tschernihiw überquert", teilte Selenskyj in sozialen Medien mit. Der Weg aus der zerstörten Frontstadt führte die Evakuierten zunächst über mehrere Stationen, berichtet "ntv".
Gemeinsam mit einer Delegation um den ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez wurden sie über die von Russland annektierte Halbinsel Krim nach Gomel in Belarus geflogen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums kamen dafür russische Militärmaschinen zum Einsatz.
Die Evakuierung war bereits am Vortag durchgeführt worden. Laut Angaben beider Seiten konnten die Bewohner selbst entscheiden, ob sie Oleschky verlassen oder in der Stadt bleiben wollten. Begleitet wurde der Einsatz persönlich vom ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Lubinez und seiner russischen Amtskollegin Jana Lantratowa.
Eine wichtige Rolle bei der Organisation der humanitären Aktion spielte die US-Präsidentengattin Melania Trump. Sie hatte zwischen den Beteiligten vermittelt. Nach Abschluss der Evakuierung äußerte sich die First Lady auf der Plattform X.
"Oleschky zeigt, dass wir Menschlichkeit über den Krieg erheben können", schrieb sie. Auch Selenskyj bedankte sich bei der US-Seite, bei Melania Trump und bei Lubinez für die Unterstützung.
Der ukrainische Präsident verbindet mit der erfolgreichen Evakuierung die Hoffnung, dass auch künftig humanitäre Hilfe für die Menschen in Oleschky möglich bleibt. Selenskyj sprach sich zudem für weitere Schritte zur Deeskalation und für Fortschritte auf dem Weg zu einem Frieden aus.
Auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichte er ein Video, auf dem Menschen mit ukrainischen Fahnen in einem Bus zu sehen sind. Auch Menschenrechtsbeauftragter Lubinez meldete sich nach der Rückkehr zu Wort. "Wir sind wieder in der Ukraine. Wir sind sicher nach dem humanitären Einsatz zurückgekehrt", schrieb er auf Telegram.
Die Evakuierung sei mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden gewesen. "In manchen Momenten war es wirklich schwer, aber das Wichtigste ist, dass wir unser Ziel erreicht haben und unsere Leute gerettet wurden."
Während die Evakuierten in Sicherheit gebracht wurden, entschieden sich andere Menschen dafür, in Oleschky zu bleiben. Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa machte darauf aufmerksam, dass diese Bewohner weiterhin Unterstützung benötigen.
"Manche haben einen Angehörigen im Krankenhaus, andere müssen sich um ihre Familie kümmern, jede Familie hat ihre eigenen Umstände", erklärte sie auf Telegram. "Und wir werden ihnen weiterhin helfen."
Wie viele Menschen insgesamt aus der Frontstadt gebracht wurden, ist weiterhin unklar. Weder die ukrainische noch die russische Seite veröffentlichte konkrete Zahlen.