Düstere Reisner-Analyse

Donald Trump will Ukraine zur Kapitulation zwingen

Brisante Einschätzung von Oberst Reisner: Trump verliert die Geduld, will die Ukraine zur Kapitulation drängen, um selbst einen Erfolg zu verbuchen.
28.10.2026, 15:41
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Harte Warnung von Österreichs Militärexperten Markus Reisner! Der Oberst des Bundesheeres sieht einen gefährlichen Kurs der US-Regierung im Ukraine-Krieg. Präsident Donald Trump wolle den Konflikt offenbar möglichst rasch beenden – selbst wenn dabei die Ukraine zu weitreichenden Zugeständnissen gedrängt werde.

Im Interview mit dem deutschen Nachrichtensender ntv formuliert Reisner einen besonders brisanten Verdacht: "Man kann aus meiner Sicht sogar sagen, dass Washington den Eindruck macht, als wolle es die Ukraine zur Kapitulation zwingen."

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Dabei handelt es sich um Reisners Einschätzung der amerikanischen Verhandlungsstrategie, nicht um eine offiziell erklärte Absicht der US-Regierung.

Oberst Markus Reisner leitet seit 1. März 2024 das Institut für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt.
Bundesheer/Kristian Bissuti

"Trump verliert aus meiner Sicht zunehmend die Geduld und kommt zur Überzeugung, dass ein Krieg gegen Russland in dieser Form nicht zu gewinnen ist", erklärt der österreichische Oberst.

Die USA seien gleichzeitig in andere Konflikte eingebunden, insbesondere im Iran. Washington wolle deshalb möglichst bald eine Lösung für die Ukraine erreichen. Reisner vermutet, dass Trump noch vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November einen diplomatischen Erfolg präsentieren möchte.

Das Problem dabei: Je stärker die USA auf einen schnellen Abschluss drängen, desto größer könnte aus Sicht des Experten der Verhandlungsspielraum für Russland werden.

Putin könnte Forderungen erhöhen

Russland versuche, sich als militärisch überlegen darzustellen. Die USA wiederum würden den Eindruck erwecken, den Konflikt möglichst rasch hinter sich lassen zu wollen. Darin sieht Reisner eine Schwäche der westlichen Verhandlungsposition.

Moskau könnte daraus schließen, dass es mit zusätzlichen Forderungen noch mehr erreichen kann. Besonders umstritten bleibt der Donbass, auf den Russland weiterhin Anspruch erhebt.

Die Ukraine hat dagegen signalisiert, dass sie sich einen Waffenstillstand entlang der derzeitigen Frontlinie vorstellen könnte. Eine Anerkennung russischer Gebietsansprüche lehnt Kyjiw ab.

USA bieten Russland Zugeständnisse an

Nach Reisners Darstellung laufen im Hintergrund Bemühungen, Russland mit wirtschaftlichen Anreizen zu einer Vereinbarung zu bewegen. Dazu könnten eine Lockerung der Sanktionen und ein erleichterter Zugang zu internationalen Märkten zählen.

Für Kiew wäre ein solcher Verhandlungsprozess heikel: Während Washington mögliche wirtschaftliche Vorteile für Russland auslotet, soll die Ukraine aus Moskauer Sicht vor allem territoriale Zugeständnisse machen. Reisner befürchtet deshalb, dass der amerikanische Druck zunehmend auf die angegriffene Ukraine konzentriert wird.

Trump könnte Waffenstillstand als Erfolg feiern

Selbst wenn es zu einer Einigung käme, wäre nach Reisners Einschätzung noch lange nicht sicher, dass der Krieg dauerhaft beendet ist. Der Oberst geht davon aus, dass Trump einen eingefrorenen Konflikt bereits als Erfolg darstellen könnte. Dann könnte sich der US-Präsident anderen außenpolitischen Herausforderungen zuwenden.

Ob eine solche Vereinbarung langfristig Frieden bringen würde, bezweifelt Reisner allerdings. Russland rüste weiter auf und lasse bislang kaum erkennen, dass es von seinen grundlegenden Kriegszielen abrücken wolle.

Starlink macht Ukraine zusätzlich verwundbar

Ein weiteres Problem sieht Reisner in der Abhängigkeit der ukrainischen Streitkräfte von amerikanischer Technologie. Besonders wichtig ist dabei das Satellitenkommunikationssystem Starlink. Einschränkungen könnten die ukrainische Fähigkeit beeinträchtigen, eigene Drohnenangriffe durchzuführen.

Europäische Alternativen seien derzeit nicht in vergleichbarer Größenordnung verfügbar. Damit könnte eine eingeschränkte Nutzung von Starlink die ukrainische Verhandlungsposition zusätzlich schwächen.

An der Front herrscht weitgehend Stillstand

Militärisch sieht Reisner derzeit keine Seite vor einem entscheidenden Durchbruch. Sowohl russische als auch ukrainische Truppen erzielen zwar örtlich begrenzte Erfolge, eine grundlegende Veränderung der Frontlage ist aber nicht erkennbar.

Russland hat es laut dem Experten auch heuer nicht geschafft, die ukrainischen Verteidigungslinien entscheidend zu durchbrechen. Gleichzeitig setzen beide Seiten verstärkt auf weitreichende Angriffe. Russland attackiert Ziele tief im ukrainischen Hinterland, die Ukraine greift unter anderem Einrichtungen auf russischem Staatsgebiet mit Drohnen an.

Jetzt richten sich die Blicke nach Abu Dhabi

Für November sind neue Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi angekündigt. Sie könnten einen weiteren Anlauf für einen Waffenstillstand ermöglichen. Zu welchen Bedingungen eine Einigung denkbar wäre, ist allerdings offen.

Reisner verweist darauf, dass selbst begrenzte humanitäre Vereinbarungen – etwa Gefangenenaustausche oder die lokale Feuerpause bei Oleschky – noch keinen umfassenden Friedensschluss bedeuten.

Seine zentrale Warnung bleibt deshalb bestehen: Wenn Washington den Krieg um nahezu jeden Preis beenden will, könnte ausgerechnet Russland davon profitieren.

Ob Trump tatsächlich bereit wäre, einen solchen Kurs bis zu einer erzwungenen ukrainischen Kapitulation zu verfolgen, ist nicht belegt. Reisners Aussagen beschreiben das Risiko, das er in der gegenwärtigen amerikanischen Strategie sieht.

red, 28.10.2026, 15:41