Raketen-Hagel auf Ukraine

"Schaut nicht gut aus" – Oberst Reisner warnt Ukraine

Die Ukraine steht vor einem harten Winter. Angesichts sinkender Unterstützung aus den USA könnten die Folgen drastisch sein, so Oberst Markus Reisner.
15.10.2026, 09:31
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Die jüngsten russischen Angriffe auf die Ukraine haben Spuren hinterlassen. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj sind mindestens 600.000 Menschen ohne Strom. In der Nacht feuerte Russland laut Selenskyj 39 ballistische Raketen und mehr als 120 Angriffsdrohnen auf Kiew, die umliegende Region sowie Charkiw ab. Besonders schwer getroffen wurde die Energieinfrastruktur – "Heute" berichtete.

Selenskyj fühlt sich von Trump verraten

"Wieder einmal keine Vorwarnung von unseren Partnern", kritisierte der ukrainische Präsident auf Telegram. Gemeint haben dürfte er vor allem die USA, die die Ukraine mit wichtiger Satellitentechnologie versorgen.

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Wie groß die Enttäuschung wirklich ist, zeigt ein Interview Selenskyjs mit dem britischen Moderator Piers Morgan. Dabei warf er US-Präsident Trump vor, im Ukraine-Krieg die falsche Seite zu wählen.

"Wenn Sie in der Mitte sind, müssen Sie in der Mitte bleiben, nicht auf der falschen Seite", erklärte Selenskyj. Besonders Trumps Berater nahm er ins Visier: "Ich denke, Trumps Berater liegen falsch. Ich weiß nicht, wer ihn auf die falsche Seite drängt. Das ist nicht die richtige Seite der Geschichte", so Selenskyj.

"Russland will Städte unbewohnbar machen"

Bei einem Gespräch mit dem Forum Journalismus und Medien (Fjum) ordnete der renommierte Militärexperte Markus Reisner die Lage ein. In der ukrainischen Hauptstadt herrsche seit Wochen nahezu durchgehend Luftalarm. Russland versuche so, ukrainische Städte unbewohnbar zu machen.

Die US-Regierung bestreitet offiziell, der Ukraine absichtlich wichtige Geheimdienstinformationen vorzuenthalten. Stattdessen macht Washington schlechte Wetterbedingungen für die fehlenden Warnungen verantwortlich.

Eine Erklärung, die Reisner nicht grundsätzlich ausschließt. Satelliten seien bei der Erkennung von Raketenstarts tatsächlich von den Sichtverhältnissen abhängig. "Aber dass das genau jetzt so passiert, ist schon ein großer Zufall", gibt der Experte zu bedenken.

"Amerikaner sind Königsmacher"

Reisner vermutet, dass US-Präsident Donald Trump vor den Zwischenwahlen am 3. November zunehmend die Geduld mit dem Ukraine-Krieg verliert. Gleichzeitig könnte das den Druck auf beide Kriegsparteien erhöhen. Die Aussicht auf einen Waffenstillstand sei laut dem Oberst paradoxerweise derzeit so groß wie noch nie.

Entscheidend sei dabei die enorme militärische Macht der USA. "Die Amerikaner sind die Königsmacher", betont Reisner. Ohne amerikanische Satellitendaten könnte die Ukraine zahlreiche Ziele tief in Russland kaum so erfolgreich angreifen. Auch bei Waffenlieferungen habe Washington einen gewaltigen Einfluss.

"Schaut einfach nicht gut aus"

Besonders düster fällt Reisners Einschätzung zur ukrainischen Energieversorgung aus. Nach vier Kriegsjahren sei die Infrastruktur schwer beschädigt. Unter Berufung auf Angaben des ukrainischen Energieministers, wonach bereits 80 Prozent der Infrastruktur zerstört seien, warnt er vor einer dramatischen Lage.

Die Hoffnung, dass die Ukraine auch den kommenden Winter irgendwie überstehen werde, könnte sich als trügerisch erweisen. "Es schaut einfach nicht gut aus", so Reisners ernüchterndes Fazit.

nico, 15.10.2026, 09:31
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