Ukraine hat Chance wie 2022

Putins Schwäche! Warnung vor noch größerem Krieg

Die Ukraine hat laut US-Kriegsforschern ihre beste Chance seit 2022, Russland unter Druck zu setzen. Doch Putins Strategie könnte sie zunichtemachen.
14.10.2026, 15:15
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Steht der Ukraine eine entscheidende Gelegenheit im Krieg gegen Russland bevor? Nach Einschätzung amerikanischer Militärexperten hat Kyjiw derzeit die beste Chance seit Dezember 2022, die strategische Initiative zurückzugewinnen. Doch ausgerechnet jetzt droht dieser Vorteil wieder verloren zu gehen.

Die Forscher warnen davor, dass der Kreml mit Raketenangriffen, neuen Bedrohungen und politischen Angeboten gezielt versucht, die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten auszubremsen.

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In einer aktuellen Analyse zeichnet das US-amerikanische Institute for the Study of War (ISW) ein Bild der Lage, das sich deutlich von der Vorstellung eines unausweichlichen russischen Sieges unterscheidet. Die Experten sehen eine seltene Möglichkeit, den weiteren Verlauf des Krieges zu beeinflussen. Zugleich warnen sie, dass die USA und Europa diese Gelegenheit verspielen könnten.

Beste Chance seit 2022

Nach Einschätzung des ISW verfügt die Ukraine derzeit über die günstigsten Voraussetzungen seit ihren erfolgreichen Gegenoffensiven im Herbst 2022, um wieder stärker das Kriegsgeschehen zu bestimmen.

Die strategische Initiative zu besitzen bedeutet dabei nicht zwangsläufig, bereits militärisch zu gewinnen. Gemeint ist vielmehr die Fähigkeit, selbst Druck auszuüben, das Tempo vorzugeben und den Gegner zu Reaktionen zu zwingen. Genau das könnte Kyjiw laut den Analysten nun gelingen.

Russland versuche deshalb, die ukrainischen Streitkräfte und ihre Unterstützer wieder in eine defensive, reaktive Haltung zu drängen. Die zentrale Warnung der Forscher: Wer ständig nur auf die nächsten russischen Angriffe reagiert, verliert den Blick auf die eigenen strategischen Möglichkeiten.

Putins Strategie: Neue Krisen schaffen

Das ISW sieht hinter mehreren aktuellen Entwicklungen eine gezielte Strategie Moskaus. Russlands massive Angriffe mit ballistischen Raketen und neuen, düsengetriebenen Drohnen sollen demnach nicht nur unmittelbar militärischen Schaden anrichten.

Nach Einschätzung der Denkfabrik sollen sie die Aufmerksamkeit der Ukraine und ihrer Verbündeten auf immer neue akute Bedrohungen lenken. Auch zunehmende russische Angriffe und feindselige Aktivitäten gegen NATO-Staaten ordnen die Analysten in dieses Muster ein.

Damit könnte der Kreml erreichen, dass der Westen immer wieder einzelne Probleme lösen muss, statt eine langfristige Strategie zur Schwächung Russlands konsequent umzusetzen. Diese Deutung ist eine strategische Einschätzung des ISW. Sie bedeutet nicht, dass sämtliche russischen Entscheidungen auf einen einzigen, nachgewiesenen Plan zurückzuführen sind.

Auch Diesel-Angebot soll Westen ablenken

Besonders kritisch bewerten die Experten ein russisches Angebot, zusätzliche Diesellieferungen für den Weltmarkt bereitzustellen. Das ISW sieht darin nicht bloß einen wirtschaftlichen Vorschlag, sondern einen Versuch, den politischen Druck auf Russlands Energiesektor zu verringern.

Denn die Ukraine setzt Russland mit Angriffen auf Raffinerien und militärisch wichtige Versorgungsstrukturen unter Druck. Diese Angriffe sollen unter anderem die russischen Nachschublinien schwächen und die Kosten des Krieges für Moskau erhöhen.

Das russische Diesel-Angebot könnte nach Einschätzung der Forscher dazu beitragen, die westliche Debatte von diesem Druck abzulenken und stattdessen die kurzfristige Versorgung mit Treibstoff in den Mittelpunkt zu rücken.

Erinnerung an Putins Atomdrohungen

Die Analysten ziehen dabei eine Parallele zum Herbst 2022. Damals konnten ukrainische Streitkräfte in den Regionen Charkiw und Cherson wichtige Erfolge erzielen. Gleichzeitig drohte der Kreml mit einer möglichen nuklearen Eskalation. Nach Einschätzung des ISW beeinflussten diese Drohungen westliche Entscheidungen über Waffenlieferungen.

Die Forscher vertreten die Ansicht, dass dadurch weitere militärische Möglichkeiten der Ukraine eingeschränkt und ihre damalige Dynamik gebremst wurden. Aus ihrer Sicht konnte Russland so Zeit gewinnen und verhindern, dass die ukrainischen Erfolge noch größere Auswirkungen hatten. Die Lehre daraus sei, nicht nur auf einzelne Drohungen zu reagieren, sondern deren mögliche Wirkung auf die eigenen politischen Entscheidungen zu erkennen.

Starlink-Probleme verschärfen die Lage

Wie verletzlich die ukrainische Handlungsfähigkeit derzeit ist, zeigt auch ein neuer Streit um das Satelliteninternet Starlink. Wie bereits berichtet, meldeten ukrainische Soldaten am Mittwoch überraschende Einschränkungen bei dem von Elon Musks Unternehmen SpaceX betriebenen System.

Demnach kam es bei bestimmten Drohneneinsätzen zu Verbindungsproblemen, sobald sich die Geräte mit mehr als rund 160 Kilometern pro Stunde bewegten. Die Einschränkungen behinderten nach ukrainischen Angaben mehrere Militäroperationen. Eine Vorwarnung soll es nicht gegeben haben.

Einige Vertreter in Kyjiw vermuten einen Zusammenhang mit dem politischen Druck aus Washington. Belege dafür, dass die US-Regierung die technischen Einschränkungen veranlasst hat, liegen jedoch nicht vor.

Die Starlink-Probleme sind damit keine nachgewiesene russische Maßnahme. Sie verdeutlichen allerdings, wie rasch äußere Entwicklungen die militärischen Möglichkeiten der Ukraine beeinträchtigen können.

ISW warnt vor einem größeren Krieg

Die Schlussfolgerung der US-Forscher fällt deutlich aus. Nach ihrer Einschätzung riskieren die Vereinigten Staaten und Europa, eine seltene Gelegenheit zur Veränderung des Kriegsverlaufs ungenutzt verstreichen zu lassen. Gelinge es Russland, seine Gegner weiterhin zu kurzfristigen Reaktionen zu zwingen, könnte sich der Krieg verlängern und das Risiko einer Ausweitung erhöhen.

Das ISW fordert deshalb, die russische Strategie hinter militärischen Angriffen, Drohungen und politischen Angeboten stärker zu berücksichtigen. Ob die Ukraine ihre derzeitige Chance tatsächlich nutzen kann, hängt allerdings von zahlreichen militärischen und politischen Faktoren ab. Die Analyse beschreibt eine strategische Gelegenheit – keinen unmittelbar bevorstehenden ukrainischen Sieg.

Fest steht aus Sicht der Experten: Die kommenden Entscheidungen in Kyjiw, Washington und den europäischen Hauptstädten könnten erheblichen Einfluss darauf haben, ob Russland wieder stärker unter Druck gerät oder die Initiative behält.

red, Akt. 14.10.2026, 15:33, 14.10.2026, 15:15