Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj übt nach den jüngsten russischen Raketenangriffen auf die Hauptstadt Kiew scharfe Kritik an den westlichen Verbündeten. Diese hätten die Ukraine nicht rechtzeitig vor der Attacke gewarnt, erklärte er am Dienstag auf Telegram.
"Zu diesem Angriff gab es leider keine Vorwarnung von unseren Partnern", so Selenskyj. Informationen über den Abschuss russischer ballistischer Raketen seien entscheidend, um Menschenleben zu retten.
Besonders deutlich wurde der Präsident bei seiner Kritik an der internationalen Unterstützung. "Direkte oder indirekte Unterstützung Russlands, die Behinderung der Hilfe für die Ukraine und die Erschwerung des Schutzes vor ballistischen Angriffen - all das trägt definitiv nicht zum Frieden bei", erklärte er.
Konkrete Staaten nannte Selenskyj nicht. Er betonte allerdings, dass die Ukraine ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Verbündete brauche, die tatsächlich helfen. Gleichzeitig forderte er mehr Druck auf Russland.
Die Ukraine ist bei der Abwehr russischer Angriffe stark auf Aufklärungsdaten des US-Militärs und anderer NATO-Staaten angewiesen. Auch die ukrainischen Luftstreitkräfte wollen nun klären, weshalb eine rechtzeitige Warnung ausgeblieben ist.
Selenskyj sprach von einem "hinterhältigen ballistischen Angriff" auf Kiew. Insgesamt fünf russische Raketen hätten zivile Infrastruktur getroffen.
Auch die ostukrainische Großstadt Charkiw wurde erneut zum Ziel russischer Angriffe. Nach Angaben des Präsidenten kamen dabei vier Menschen ums Leben, weitere 41 wurden verletzt. Ein Wohnhaus wurde bei der Attacke zerstört. Rettungskräfte suchten weiterhin nach Menschen, die unter den Trümmern verschüttet sein könnten.