Stoppen, brechen, zerschlagen

NATO-General präsentiert Abwehrplan bei Putin-Einmarsch

Die NATO entwickelt einen Plan für den Fall eines russischen Angriffs. Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich setzt dabei auf drei militärische Schritte.
13.10.2026, 07:12
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Die NATO bereitet sich auf einen möglichen Angriff Wladimir Putins auf ihr Bündnisgebiet vor. Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich hat bei einem Sicherheitsforum in Warschau eine Strategie vorgestellt, die einen Angreifer in drei Schritten stoppen und militärisch besiegen soll, berichtet "NTV". Die Verteidigung soll dabei schon beginnen, bevor der erste Schuss fällt.

Grynkewich betonte, dass er keinen unmittelbar bevorstehenden oder unvermeidlichen Konflikt sehe. Die NATO müsse sich dennoch auf mögliche Szenarien vorbereiten. Unter dem Namen "Theory of Victory", also "Theorie des Sieges", beschreibt der US-General, wie das Bündnis auf einen Angriff reagieren würde.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Drei Schritte gegen einen Angreifer

Die Strategie sieht drei Phasen vor. Zunächst soll die NATO einen Angriff stoppen. In dieser ersten Phase, die Grynkewich "Block" nennt, sollen die eigenen Streitkräfte den Vormarsch gegnerischer Truppen aufhalten.

Sollte der Angreifer weiterkämpfen, folgt die zweite Phase "Blunt". Dabei geht es darum, die Wucht des Angriffs zu brechen und zu verhindern, dass der Gegner weitere Gebiete erobert oder die Initiative zurückgewinnt. Reicht auch das nicht aus, sieht die dritte Phase "Break" vor, die angreifenden Truppen und die militärischen Strukturen dahinter kampfunfähig zu machen. Dazu zählen laut Grynkewich unter anderem Nachschubwege, Versorgungssysteme und militärische Führungsstrukturen.

Die NATO will dafür verschiedene militärische Fähigkeiten kombinieren. Geplant sind unter anderem präzise Waffen mit großer Reichweite, autonome Systeme und eine eng abgestimmte Zusammenarbeit von Landstreitkräften, Luftwaffe, Marine sowie Fähigkeiten im Weltraum und Cyberraum.

Die Abwehr beginnt vor dem ersten Schuss

Ein wichtiger Teil des Konzepts ist die frühzeitige Erkennung möglicher Angriffe. Nachrichtendienste, unterschiedliche Aufklärungssysteme und die Auswertung gesammelter Daten sollen Hinweise auf gegnerische Absichten liefern. So will die NATO genügend Zeit gewinnen, um eigene Truppen in Stellung zu bringen.

Grynkewich geht deshalb davon aus, dass das Bündnis einen Angriff nicht so leicht überraschend hinnehmen müsste. Ein möglicher Gegner soll erkennen, dass er die NATO nicht mit einem schnellen Vorstoß vor vollendete Tatsachen stellen kann.

Im Ernstfall sollen zunächst die an der Front stationierten Bodentruppen den Angriff aufhalten und gegnerische Verbände bekämpfen. Gleichzeitig sollen Luftwaffe und Marine möglichst rasch die Kontrolle über den Luftraum und die See sichern. Sensoren und autonome Waffensysteme sollen die verschiedenen Einheiten dabei unterstützen, gemeinsam zu handeln.

Sollte der Angreifer weitere Truppen einsetzen, würde die NATO versuchen, dessen militärische Versorgung und Führung gezielt zu unterbrechen. Der Plan sieht dafür sowohl leistungsfähige Präzisionswaffen als auch günstigere Systeme vor, die in großer Stückzahl eingesetzt werden können.

Russland wird nicht ausdrücklich genannt

Bei der Vorstellung seiner Strategie erwähnte Grynkewich Russland nicht ausdrücklich. Der Hintergrund ist dennoch die wachsende Sorge westlicher Sicherheitsbehörden angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und möglicher weiterer militärischer Bedrohungen für Europa.

Polen verstärkt derzeit mit Unterstützung der Bundeswehr seine Grenzbefestigungen zur russischen Exklave Kaliningrad. Zudem blickt das Land mit Sorge auf russische Drohnenangriffe in der Ukraine nahe der polnischen Grenze.

Nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste könnte Russland spätestens 2030 militärisch in der Lage sein, einen weiteren Krieg zu beginnen. Das ist eine Einschätzung zur möglichen militärischen Entwicklung und keine Aussage darüber, dass ein Angriff tatsächlich geplant oder unvermeidlich ist.

NATO-General betont Verteidigungsziel

Grynkewich machte deutlich, dass die Strategie nicht auf die strategische Niederlage Russlands oder eines anderen Gegners abziele. Es gehe darum, jene militärischen Kräfte zu besiegen, die das Bündnis angreifen.

"Wir wissen, wie wir kämpfen werden, wenn es zum Kampf mit uns kommt. Und wir wissen, dass wir gewinnen werden", sagte der US-General. Im Fall eines Angriffs sei die NATO bereit, "noch heute Nacht" zu kämpfen.

An der "Theory of Victory" arbeite das Bündnis nach Angaben Grynkewichs bereits seit mehreren Jahren. Wegen der jüngsten Entwicklungen habe man sich nun entschlossen, das Konzept öffentlich vorzustellen.

red, 13.10.2026, 07:12
Mehr zum Thema