Für die Ukraine spitzt sich die Lage an mehreren Fronten zu. Während Russland mit Raketen und Drohnen die Energieversorgung des Landes angreift, melden ukrainische Soldaten massive Probleme mit dem Satelliteninternet Starlink von Elon Musk. Mehrere Militäreinsätze wurden dadurch behindert. Besonders brisant: Die Einschränkungen sollen ohne Vorwarnung in Kraft getreten sein.
Gleichzeitig wirft Präsident Wolodymyr Selenskyj den westlichen Partnern vor, sein Land erneut nicht rechtzeitig vor russischen Raketenangriffen gewarnt zu haben.
Wie die "Financial Times" unter Berufung auf ukrainische Militärangehörige und hochrangige Regierungsvertreter berichtet, traten die Probleme am frühen Mittwochmorgen (14. Oktober) auf. Demnach verloren Starlink-Terminals, die von ukrainischen Drohneneinheiten genutzt werden, bei Geschwindigkeiten von mehr als 160 Kilometern pro Stunde ihre Verbindung. Das beeinträchtigte mehrere Einsätze. Auch die Versorgung an der Front und Angriffe auf russische Nachschublinien sollen betroffen sein.
Ein hochrangiger ukrainischer Vertreter erklärte, die Einschränkungen seien mitten in der Nacht und ohne jede Vorwarnung gekommen. Serhij Beskrestnow, Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, bestätigte Auswirkungen auf Operationen mit Langstreckendrohnen. Er vermutet einen politischen Hintergrund. Belege dafür, dass die Einschränkungen auf Anweisung der US-Regierung erfolgten, liegen bislang allerdings nicht vor.
Die Störungen kommen zu einem Zeitpunkt wachsender Spannungen zwischen Kiew und Washington. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt verlangt, dass die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien einstellt. Der Präsident macht die ukrainischen Attacken für den Anstieg der internationalen Dieselpreise mitverantwortlich – um von seinem eigenen Desaster gegen den Iran und dessen Auswirkungen abzulenken.
Trump drohte Kiew zudem damit, die Weitergabe wichtiger Geheimdienstinformationen einzuschränken. Einige ukrainische Regierungsvertreter vermuten nun, dass SpaceX die Starlink-Beschränkungen auf Wunsch der US-Regierung eingeführt haben könnte.
Der Tech-Milliardärs hatte sich auf seiner Plattform X kritisch über den ukrainischen Präsidenten geäußert. "Selenskyj ist zu weit gegangen", schrieb er in Reaktion auf die Angriffe auf Yandex-Datenzentren, die auch Propaganda-Botnetzwerke stark beeinträchtigten.
Die Ukraine versucht inzwischen, die Starlink-Probleme über das militärische Koordinierungszentrum in Wiesbaden in Deutschland zu lösen. Dort stimmen sich ukrainische Streitkräfte mit ihren westlichen Partnern ab.
Während die ukrainischen Streitkräfte mit den Verbindungsproblemen kämpfen, setzte Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur fort. Nach Angaben Selenskyjs feuerten russische Truppen in der Nacht auf Mittwoch insgesamt 39 ballistische Raketen und mehr als 120 Angriffsdrohnen ab. Besonders betroffen waren Kyjiw und Charkiw. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, dass lediglich vier der Raketen abgefangen werden konnten.
Laut Selenskyj wurden Anlagen und technische Einrichtungen an 26 Standorten des Stromsystems sowie vier Einrichtungen der Öl- und Gasversorgung beschädigt. Mindestens 600.000 Menschen waren am Mittwochmorgen ohne Strom. Nach Angaben der Behörden in Kyjiw wurden mindestens zwei Menschen getötet und mehr als 20 verletzt.
Besonders schwer wiegt für Kyjiw, dass die Ukraine nach Angaben ihres Präsidenten erneut keine rechtzeitigen Warnungen ihrer westlichen Partner erhielt. Die eigenen Systeme hätten die ballistischen Raketen erst erkannt, als sie sich bereits unmittelbar vor der Hauptstadt befunden hätten. Selenskyj kritisierte den Angriff auch mit Blick auf die von Trump angekündigte Waffenruhe für Energieanlagen. Diese sollte Angriffe auf die Energieinfrastruktur verhindern. Russland setzte seine Attacken jedoch fort.
Der ukrainische Präsident sprach von einer bewussten und demonstrativen Missachtung der Vereinigten Staaten. Er forderte Washington auf, auf die Angriffe zu reagieren und den Druck auf Moskau durch zusätzliche Sanktionen zu erhöhen.
Die Sorgen über eine mögliche Einschränkung der amerikanischen Unterstützung wies Trump am Mittwoch zurück. Auf die Frage, ob Washington die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an die Ukraine gestoppt habe, antwortete der US-Präsident: "Nein, haben wir nicht." Die USA würden weiterhin helfen und Informationen teilen. Ziel sei es, den Krieg zu beenden.
Damit stehen unterschiedliche Darstellungen im Raum: Während ukrainische Vertreter von fehlenden Frühwarnungen und überraschenden Starlink-Beschränkungen berichten, bestreitet Trump einen Stopp der Geheimdiensthilfe.
Ob die Verbindungsprobleme bei Starlink mit dem politischen Streit zwischen Washington und Kyjiw zusammenhängen, ist weiterhin ungeklärt.