Für Liam Lawson endete der Qualifying-Samstag in Mexiko mit einer bösen Überraschung. Der Racing-Bulls-Pilot wurde Stunden nach der Zeitenjagd disqualifiziert und muss den Grand Prix vom letzten Startplatz in Angriff nehmen. Ausgerechnet sein eigenes Team hatte den entscheidenden Regelverstoß bei der FIA gemeldet.
Der 24-jährige Neuseeländer hatte auf seiner letzten Runde im zweiten Qualifying-Abschnitt gegen die technischen Vorschriften für das Energiemanagement seines Hybridantriebs verstoßen. Konkret ging Lawson zu spät vom Gas, wodurch die elektrische Leistung nicht wie vorgeschrieben schrittweise reduziert werden konnte.
Racing Bulls bemerkte den Fehler und informierte die FIA eigenständig. Die Selbstanzeige bewahrte Lawson allerdings nicht vor der harten Strafe.
"Die Sportkommissare merken insbesondere an, dass das Team den Verstoß selbst offen gelegt hat. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Präzedenzfällen, die uns trotz aller mildernden Umstände dazu verpflichten, eine Disqualifikation zu verhängen, wenn ein Fahrzeug nicht dem Technischen Reglement entspricht", erklärten die Rennkommissare.
Die Entscheidung fiel erst um 19.05 Uhr Ortszeit, mehrere Stunden nach dem Ende des Qualifyings. Sämtliche Rundenzeiten Lawsons wurden gestrichen.
Einen Gewinner gibt es dennoch: Audi-Pilot Nico Hülkenberg profitiert von der nachträglichen Disqualifikation und verbessert sich auf den zehnten Startplatz.
Für Lawson bedeutet die Entscheidung hingegen einen erheblichen Rückschlag. Statt von seiner ursprünglich herausgefahrenen Position muss der Neuseeländer das Rennen auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez vom Ende des Feldes aufnehmen.
Hinter dem Verstoß steckt eine Besonderheit der neuen Formel-1-Motorengeneration. Bei Vollgas darf die elektrische Leistung nicht plötzlich abfallen, sondern muss mit maximal 100 Kilowatt pro Sekunde schrittweise reduziert werden. Damit soll verhindert werden, dass Autos auf den Geraden unerwartet stark an Geschwindigkeit verlieren.
Laut "Sky" entwickelte Mercedes in Silverstone eine Methode, mit der sich diese Einschränkung im Qualifying umgehen lässt. Dabei nehmen die Fahrer unmittelbar nach der Ziellinie Gas weg, bevor die Batterie vollständig entladen ist. Der Ansatz soll sich mittlerweile im Fahrerlager verbreitet haben. Auch die Fahrzeuge mit RBPT-Antrieb sollen ihn in Mexiko eingesetzt haben.
Bei Lawson ging der Versuch allerdings schief. Er reagierte zu spät, die Batterie wurde zu stark beansprucht und die vorgeschriebene Leistungsreduzierung konnte nicht mehr eingehalten werden. Dass der Fehler laut Racing Bulls keinen Zeitvorteil brachte, spielte für die Rennkommissare keine Rolle.