Mit deutlichen Worten meldet sich Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt im Video-Podcast "Message Macht Medien" auf krone.tv zu Wort - und im Gespräch mit Gerald Fleischmann ("Mr. Message Control") spart Reichelt dabei nicht mit Kritik an großen Medienhäusern und holt zum Rundumschlag aus.
Vor allem ORF sowie ARD und ZDF stehen im Fokus seiner Aussagen. Reichelt sieht dort einen massiven Vertrauensverlust: "Die Verpflichtung und Selbstverpflichtung zum Beispiel des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Das sind die Regeln, die sich der Journalismus gegeben hat, gegen diese Regeln ist ja aus Sicht der Zuschauer über mindestens ein Jahrzehnt, wenn nicht mehr strukturell und geradezu bösartig verstoßen worden. Deswegen erleben wir den Kollaps des Vertrauens in genau diese Medien."
Auch geopolitische Themen spricht der Medienmacher an. Über das Regime im Iran sagt er: "Ich persönlich halte Israel für die Frontlinie des Freien Westens. Ich habe als Reporter den Iran in Action erlebt im Irak, in Afghanistan, in Syrien. Ich weiß, wozu dieses islamistische Monstrum Mullah-Regime in der Lage ist. Und ich glaube, der Tag, an dem es von der Erde getilgt ist, ist ein großer Tag für diese Welt."
In der Diskussion geht es zudem um Migration und gesellschaftliche Entwicklungen. Reichelt meint dazu: "Wir entwickeln uns in Houellebecqs Vision von der 'Unterwerfung'. Weil wir einfach einer Heerschar junger Männer, einer de facto an vielen Punkten islamistischen Armee, die Tür geöffnet haben, statt unsere Grenzen zu verteidigen. Das war ein zivilisatorischer Fehler."
Im Video: Ex-Bild-Chef bricht bei "Mr. Message Control" sein Schweigen (Video: krone.tv)
Scharfe Worte findet er auch für Russlands Präsidenten. Auf die Frage, ob Wladimir Putin ein Kriegsverbrecher sei, antwortet er: "Ob Wladimir Putin ein Kriegsverbrecher ist, ist doch die Frage schon absurd. Natürlich ist Wladimir Putin in oberster politischer Verantwortung nicht nur für Kriegsverbrechen, sondern vieles, ich habe sie selber miterlebt. Ich habe als Reporter die Bombardierung von Kindergärten in Syrien erlebt durch die russische Luftwaffe. Ich habe schon über Putin als Kriegsverbrecher gesprochen, als noch nicht jeder 18 Ukraine-Flaggen in seinem komischen Social-Media-Profil hatte."
Auch Verschwörungserzählungen rund um den Westen weist Reichelt zurück: "Kein normaler Mensch glaubt an eine Weltverschwörung. Also, die Frage ist Beleidigung. Also welcher Idiot glaubt an eine Weltverschwörung?" Gleichzeitig übt er Kritik an politischen Kräften: "Ich glaube, manche in der AfD und in der FPÖ erzählen ein Kreml-Zeug, was ich persönlich als jemand, der tief im Freien Westen verankert ist, irgendwas zwischen befremdlich und manchmal sogar abscheulich finde. Aber ich lehne zutiefst ab, sozusagen dieses ganze Geheimdienstsprachliche und so zu tun, als wäre das nachgewiesen ein Arm Moskaus."
Der Sender "krone.tv" zeigt das Interview am Donnerstag (21.15 Uhr) auch im TV.