Ein dramatischer Notfall führte in Graz zu einem ungewöhnlichen Betrugsfall: Eine 40-Jährige täuschte im Spital eine falsche Identität vor, um ihrem Bruder rasch medizinische Hilfe zu sichern – das berichtet die "Kronen Zeitung".
Der Hintergrund: Der Mann erlitt einen Herzinfarkt und war nicht versichert. In der akuten Situation entschied sich die Frau, ihn als ihren Ehemann auszugeben. "Ich hatte so große Angst", schilderte die angeklagte Verkäuferin laut der Tageszeitung vor Gericht. "Ich weiß, dass es ein Fehler war, aber es war ja mein Bruder."
Auch ihr Verteidiger betonte die Ausnahmesituation. "Aber es war tatsächlich eine lebensbedrohliche Situation. Er wäre gestorben, wenn er nicht behandelt worden wäre", wird der Anwalt in der "Krone" zitiert.
Der Richter zeigte Verständnis, stellte aber klar: "Es war eine Ausnahmesituation, das verstehe ich. Es ging ja nicht um irgendwen. Aber Sie hätten das nicht machen müssen. Er wäre trotzdem behandelt worden."
Trotzdem bleibt der Vorwurf des schweren Betrugs im Raum. Die Behandlungskosten von knapp 20.000 Euro sind laut Gesundheitskasse noch offen. Die Staatsanwaltschaft sieht den Fall kritisch.
"Solche Taten schwächen unser Gesundheitssystem, das sowieso stark unter Druck steht. Zudem wurde bislang auch kein Schaden wiedergutgemacht", heißt es in dem Bericht der Tageszeitung.
Am Ende entschied das Gericht auf Diversion - ein Schuldspruch bleibt der dreifachen Mutter damit vorerst erspart. Sie muss jedoch 600 Euro Geldbuße zahlen. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung steht im Raum.
Der Richter machte der Angeklagten zum Abschluss laut "Krone" unmissverständlich klar: "Dass es nicht okay war, wissen Sie hoffentlich." Ihre Antwort: "Ja, ich weiß das wirklich."