21 Jahre nach dem brutalen Mord an der 19-jährigen Studentin Daniela Kammerer wird der Fall erneut aufgerollt. Am Montagvormittag beginnt am Innsbrucker Landesgericht der Prozess gegen einen 42-jährigen Mann. Er soll die junge Frau im Juni 2005 in einer Telefonzelle getötet haben. Der Angeklagte bestreitet die Tat.
Der Mord hatte damals ganz Tirol erschüttert. Daniela Kammerer war am 23. Juni 2005 nach einer Studentenparty auf dem Heimweg, als sie in einer Telefonzelle beim Innsbrucker Rapoldi-Park mit einem Messer attackiert wurde. Zwei heftige Stiche in Rücken und Brust kosteten sie laut Anklage das Leben. Am nächsten Morgen entdeckte ein Pensionist ihre Leiche.
Jahrzehntelang blieb ungeklärt, wer die 19-Jährige getötet hatte. Zwar gerieten schon kurz nach der Tat mehrere Personen ins Visier der Ermittler, zu einer Verurteilung kam es jedoch nicht.
Im Mai dieses Jahres folgte schließlich die Anklage wegen Mordes. Möglich machten das laut Staatsanwaltschaft neue Untersuchungsmethoden. Im Mittelpunkt steht dabei eine Zigarette, die damals in der Telefonzelle sichergestellt wurde.
Auf dieser konnten Ermittler mithilfe neuer Verfahren die DNA des Angeklagten nachweisen. Das Ergebnis sei "eindeutig", erklärte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr.
Der heute 42-jährige Niederösterreicher ist für die Ermittler kein Unbekannter. Der frühere Studienkollege des Opfers saß bereits vor 13 Jahren in Untersuchungshaft. Das Verfahren wurde damals allerdings eingestellt.
Nun muss er sich erneut vor Gericht verantworten. Sein Verteidiger Mathias Kapferer weist die Vorwürfe entschieden zurück. Aus seiner Sicht stehe "ein Unschuldiger" vor dem Schwurgericht, das berichtet der ORF.
In den Ermittlungen und der Anklageschrift finde sich "ein einziger belastbarer Beweis" für die Schuld seines Mandanten nicht, argumentiert der Anwalt. Er will vor Gericht zeigen, "dass es einen völlig anderen Tatablauf gegeben hat als jener, der dem Angeklagten vorgeworfen wird".
Besonders umstritten ist die Zigarette vom Tatort. Während die Staatsanwaltschaft den DNA-Fund als entscheidenden Hinweis wertet, stellt die Verteidigung dessen Aussagekraft infrage.
Die DNA-Beweise würden laut Kapferer "einer wissenschaftlichen Beurteilung nicht standhalten", so der ORF. Er verweist auf Privatgutachten, wonach die "vermeintliche DNA" seines Mandanten auf "vielfältige Weise" auf die Zigarette gelangt sein könnte, etwa beim "Schnorren".
Daraus lasse sich nach Ansicht des Verteidigers nicht ableiten, dass sein Mandant tatsächlich am Tatort gewesen sei. Kapferer spricht zudem von "sehr starken Verdachtsmomente gegen einen anderen Beschuldigten", ohne weitere Einzelheiten zu nennen.
Gleich zu Beginn des Verfahrens sollen mehrere Sachverständige und insgesamt acht Zeugen gehört werden. Ihre Aussagen könnten für die Bewertung der Spuren und des damaligen Geschehens eine wichtige Rolle spielen.
Der Angeklagte – es gilt die Unschuldsvermutung – lebt mittlerweile in Australien und reist freiwillig nach Innsbruck, um sich dem Prozess zu stellen. Sein Anwalt kritisiert den Umgang der Ermittlungsbehörden mit seinem Mandanten. Dieser leide "seit Jahren" unter einer "unmenschlichen und rechtswidrigen" Vorgangsweise, insbesondere durch das Cold Case Team.
Für den Mordprozess sind vorerst zwei Verhandlungstage vorgesehen. Nach dem Auftakt am Montag soll das Verfahren am Freitag fortgesetzt werden. Mit einem Urteil gleich am ersten Tag rechnen weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung.