Schwere Vorwürfe gegen einen Kärntner Schuldirektor: Mehrere Lehrerinnen berichten von jahrelangen Demütigungen, sexistischen Aussagen und Benachteiligungen im Schulalltag. Eine Pädagogin hat sich nun an die Gleichbehandlungskommission des Landes Kärnten gewandt. Am Montag muss sich der Direktor dort verantworten.
Auslöser des Verfahrens ist eine Reihe von Aussagen, die der Schulleiter gegenüber Kolleginnen getätigt haben soll. "Oft ist es besser, wenn Frauen nicht reden können", soll er zur Krankmeldung einer Lehrerin mit Kehlkopfentzündung gesagt haben. Gegenüber einer schwangeren Kollegin fiel demnach die Frage: "War das Kind überhaupt geplant?" Über eine andere Lehrerin äußerte er: "Hat diejenige, die trächtig ist, schon geworfen?"
Eine Kollegin aus Deutschland soll er nur als "deutsche Eiche" bezeichnet haben. Als Medien über die Schule berichten wollten, habe er vorgeschlagen, "eine hübsche und junge Lehrerin zu präsentieren" – vor die Kamera sollten Kolleginnen, "die etwas hermachen". Widerspruch von Frauen habe er mit den Worten quittiert: "Wenn man ein Schaf ist, ist es besser, nicht mit dem Wolf zu tanzen."
Neben dem Umgangston wird dem Direktor eine systematische Benachteiligung vorgeworfen. "Es kommt regelmäßig vor, dass der Schulleiter gegenüber weiblichen Lehrpersonen in aggressivem und bedrohlichem Ton auftritt.
Außerdem erhalten männliche Lehrer deutlich weniger Zusatzaufgaben", berichtet eine Pädagogin laut der "Kleinen Zeitung". Frauen würden bei der Stundenverteilung schlechtergestellt, mit Kürzungen bedroht – teils seien diese auch umgesetzt worden. "Für viele Kollegen, die Kredite haben oder sich in ohnehin schon schwierigen wirtschaftlichen Zeiten ein Eigenheim schaffen wollen, wird es dann existenzbedrohend."
Die Lehrerin selbst wechselte die Schule, nachdem sie dem Direktor "unangenehm" geworden sei. Begründet worden sei der Wechsel mit einer schulischen Umgestaltung der Schwerpunkte. "Stattdessen kommen junge Kollegen frisch von der Uni oder aus anderen Bundesländern, die er leicht gefügig machen kann", so der Vorwurf. Seit 2021 hätten laut Aufzeichnungen ein Mann und 15 Frauen den Standort verlassen. Nachgefragt habe niemand.
Bereits im Herbst wandte sich eine Gruppe aktiver und ehemaliger Lehrkräfte mit einer Unterschriftenliste an die Bildungsdirektion. Die Betroffene kritisiert, dass ihre Daten dabei nicht anonym behandelt worden seien.
Nach einem Gespräch zwischen Direktor und Bildungsdirektion habe sich an der Situation laut ehemaligen Kollegen nichts geändert. Daraufhin wurde die Gleichbehandlungskommission eingeschaltet.
"Wir können bestätigen, dass ein Verfahren anhängig ist, über laufende Verfahren kann allerdings keine Auskunft gegeben werden", erklärt Barbara Roschitz, Vorsitzende der Gleichbehandlungskommission", laut der "Kleinen Zeitung".
Die Kommission sei derzeit damit befasst, Sachverhaltskonstellationen umfassend zu recherchieren, bei Bedarf Auskunftspersonen zu hören und Stellungnahmen einzufordern." Bildungsdirektorin Isabella Penz hält fest: "Wir prüfen die beschriebenen Vorwürfe selbstverständlich intern genau." Der Direktor selbst ließ über seinen Anwalt ausrichten, sich nicht äußern zu wollen.