Eigentlich reisten die Olympia-Fans mit dicken Wintermänteln, Hauben und Handschuhen nach Cortina. Doch aktuell bleiben die Jacken offen, die Handschuhe verschwinden in den Taschen. Auf den Dächern schmilzt bei Plusgraden der Schnee - deutliche Zeichen einer sich erwärmenden Welt.
"Ich dachte wirklich, wir müssten uns in Schichten anziehen", sagt Jay Tucker, der aus Virginia angereist ist, um das US-Team anzufeuern. Zur Vorbereitung kaufte er Handwärmer und beheizbare Socken. "Ich habe nicht einmal Handschuhe an." Kein Wunder - am Freitag (13.2.) soll es laut Meteorologen bis zu 7 Grad bekommen.
Für Meteorologen sind die hohen Temperaturen keine Überraschung. "Der Zeitpunkt des Winters, die Schneemenge und die Temperaturen sind heute viel weniger verlässlich", erklärt Shel Winkley von Climate Central. Grund dafür sei die rasche Erwärmung der Erde.
Für Veranstalter von Wintersport-Großereignissen wird das zunehmend zum Problem. Das Internationale Olympische Komitee hat bereits angedeutet, künftige Winterspiele womöglich von Februar auf Jänner vorzuverlegen, um stabilere Bedingungen zu haben.
Laut Experte Winkley ist solch ein milder Februar in Cortina durch den Klimawandel dreimal wahrscheinlicher geworden. Seit den ersten Winterspielen in dem italienischen Alpenstädtchen vor rund 70 Jahren seien die Februartemperaturen um 3,6 Grad Celsius gestiegen.
Zusätzliche Herausforderungen bringt die enorme geografische Ausdehnung der Spiele. Die Wettkampfstätten in Italien liegen teils weit auseinander - und in unterschiedlichen Klimazonen. Orte wie Bormio und Livigno trennen zwar weniger als eine Autostunde, ein hoher Gebirgspass sorgt jedoch für völlig andere Wetterbedingungen.
Das Organisationskomitee arbeitet daher eng mit mehreren Wetterdiensten zusammen. Sensoren wurden an neuralgischen Punkten installiert, etwa bei Skisprungschanzen, entlang der alpinen Pisten und am Biathlon-Schießstand.
Vor Ort zeigt sich bereits Ernüchterung. "Es ist tatsächlich ziemlich warm draußen. Wir hätten es viel kälter erwartet", sagt Karli Poliziani, eine Amerikanerin aus Mailand, die mit ihrem Vater angereist ist. Der überlegte sogar, nur im Sweatshirt hinauszugehen.
Prognosen deuten zudem darauf hin, dass weitere ungewöhnlich warme Tage während der Spiele folgen könnten. Für die Veranstalter bleibt das Wetter damit ein entscheidender Unsicherheitsfaktor. Zu hohe Temperaturen können Schnee, Eisqualität und Sichtverhältnisse massiv beeinträchtigen.
Fakt ist: Was als Wintermärchen begann, wird immer öfter zur Hitzewarnung - Olympia kämpft nicht mehr nur um Medaillen, sondern auch gegen die Erderwärmung.