Im Südosten Österreichs kündigt sich heuer ein sogenanntes "Mastjahr" an. Darunter versteht man Jahre, in denen Bäume und Sträucher besonders üppig blühen und viele Samen bilden. Laut dem Naturschutzbund Steiermark hat das Massenblühen von Haseln, Erlen und Birken bereits eingesetzt - deutlich früher als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Naturschauspiel in den Auen entlang der steirischen Mur von Spielfeld bis Sicheldorf. Dort blühen neben Millionen Schneeglöckchen auch Haseln, Erlen und Birken in einer bisher kaum gesehenen Fülle. "Die Masse an Blütenständen steigert sich von Jahr zu Jahr", sagt der Grazer Biologe Johannes Gepp zur APA. Ein Wahnsinn für Allergiker.
Der Grund dafür liegt laut Gepp im globalen Klimawandel. Die Vegetationsperiode im Sommerhalbjahr habe sich mittlerweile um bis zu vier Wochen verlängert. Dadurch hätten die Bäume im Spätsommer mehr Licht und Energie zur Verfügung, die sie in die Ausbildung von Blüten investieren. Extreme Blühjahre würden deshalb in immer kürzeren Abständen auftreten.
Allerdings habe das Massenblühen auch eine Kehrseite. "Die Energie geht in die Blütenbildung und weniger in die Blattknospen. Wer versorgt dann aber den Baum, wenn weniger Blätter gebildet wurden?", gibt Gepp zu bedenken. Nach einem günstigen Jahr mit ausreichend Niederschlägen könne ein trockener Sommer die Bäume zusätzlich schwächen.
Besonders auffällig ist heuer die Schwarzerle. Sie steht laut den langjährigen Beobachtungen Gepps vor ihrem höchsten Blühangebot seit 50 Jahren. Seit der Jahrtausendwende habe er in der Steiermark, Kärnten und im Burgenland deutlich mehr Mastjahre gezählt als früher.
In der Forstwirtschaft galt ein Abstand von sieben Jahren zwischen Massenblüh-Ereignissen - heute wird dieser Rhythmus immer öfter durchbrochen. Experten erklären das "Mastjahr" als Überlebensstrategie: Durch die enorme Samenmenge werden Fressfeinde wie Nagetiere "überfordert", wodurch mehr Jungbäume entstehen. Wird dieser Ausnahmezustand jedoch zur Regel, geraten die Bäume unter Stress.
Fakt ist: Was für Naturbeobachter spektakulär wirkt, ist für viele Bäume ein Kraftakt - und ein weiteres sichtbares Zeichen dafür, wie stark der Klimawandel bereits in Österreichs Wäldern angekommen ist.