Es klang fast wie Magie aus dem Wald: Fichten in den Dolomiten (Südtirol) sollen sich bereits 14 Stunden vor der partiellen Sonnenfinsternis am 25.10. 2022 elektrisch verändert haben. Eine viel zitierte Studie behauptete sogar, die Bäume hätten das kosmische Ereignis vorausgeahnt. Doch genau diese Interpretation wird nun scharf zurückgewiesen.
Zwei Forscher stellen klar: Die Bäume haben nichts "vorhergesehen". Die elektrische Aktivität lässt sich deutlich einfacher erklären - durch ein Gewitter. Kurz vor der Sonnenfinsternis kam es zu starkem Regen, einem Temperaturabfall und zahlreichen Blitzeinschlägen in der Umgebung des Waldes.
Die Kritik ist laut: "Das ist Pseudowissenschaft!", schimpfte Evolutionsökologe Ariel Novoplansky von der Ben-Gurion-Universität (Israel) in einer Erwiderung. Statt naheliegende Umweltfaktoren zu prüfen, hätten die Autoren der ursprünglichen Studie eine spektakuläre, aber unbelegte Geschichte erzählt.
Die Kritiker der "Hellseher"-Theorie führen mehrere Punkte an. Erstens: Die Sonnenfinsternis selbst war schwach. Das Licht wurde nur um rund zehn Prozent reduziert, deutlich weniger als bei alltäglichen Wolkenschwankungen. Zweitens: Es gibt keinen Mechanismus, mit dem Bäume eine Finsternis im Voraus erkennen könnten.
Die Idee, ältere Bäume hätten sich an frühere Finsternisse "erinnert" und dieses Wissen weitergegeben, sei reine Spekulation. Zudem wurden lediglich drei lebende Bäume und mehrere Baumstümpfe gemessen. Für weitreichende Aussagen über Kommunikation oder Vorhersage-Fähigkeit sei das viel zu wenig.
Die neue Analyse zeigt hingegen: In den 14 Stunden vor der Sonnenfinsternis kam es zu den meisten Blitzeinschlägen. Genau diese elektrischen Störungen erklären die gemessenen Signale in den Bäumen. Fakt ist: Der Wald ist faszinierend genug - dafür braucht es keine Geschichten über hellseherische Bäume.