Eine Ehe, die zunehmend zur Qual wird, ein Vater, der seine Frau ständig kritisiert, und eine kleine Tochter, die nicht mehr weiß, wem sie glauben soll: Das Filmdrama "Lügen über meine Mutter", das gerade im Kino angelaufen ist, erzählt eine bewegende Geschichte über familiären Druck, verletzende Schönheitsideale und den Kampf einer Frau um ihre Selbstbestimmung.
Die Handlung spielt in der westdeutschen Provinz der 1980er-Jahre. Im Mittelpunkt steht Cornelia (Rosalie Thomass), eine eigenwillige, lebensfrohe Frau, deren Körpergewicht zum alles beherrschenden Thema innerhalb der Familie wird.
Für ihren Ehemann Werner (Golo Euler) steht fest: Seine Frau ist zu dick und muss dringend abnehmen. Er macht ihr Gewicht zunehmend für alles verantwortlich, was in seinem eigenen Leben nicht funktioniert. Tag für Tag muss sich die Frau seine Vorwürfe anhören.
"Lügen über meine Mutter", die Verfilmung des Romans von Daniela Dröscher, erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Tochter Ela, gespielt von Elise Lindner. Rosalie Thomass spielt nicht nur die Hauptrolle, sie hat auch das Drehbuch geschrieben, ihr Mann Aaron Lehman führte Regie. "Das kann man nur machen, wenn selbst eine gesunde Paardynamik hat", sagt sie über die Zusammenarbeit im "Heute"-Gespräch.
"Mich hat gereizt, auf der Leinwand Sichtbarkeit für weibliches Leben zu schaffen – für die wichtige Arbeit zu Hause, die wir als Gesellschaft nicht schätzen, sondern abwerten und in die Unsichtbarkeit verdrängen." Thomass wollte einen Kinofilm machen, der ansehnlich, abwechslungsreich und in der Bildsprache poetisch ist, obwohl er fast nur zu Hause spielt."
Die Protagonistin versucht, trotz der ständigen Kritik ihres Mannes ihren eigenen Weg zu finden. "Ich sehe eine Frau, die permanent darum ringt, eine Lösung zu finden und einen Mann, der permanent austeilt. Es gibt keine Möglichkeit, dieses Spiel als Frau zu gewinnen, außer du gehst. Es ist allerdings schwer, an diesen Punkt zu kommen, weil wir dazu erzogen werden, konstruktiv zu sein und zu hoffen, er wird sich schon noch ändern, wenn ich nur dies und jenes mache." Für die Schauspielerin ist klar: "Dieses Kleinhalten der Frau – der Mann wird ja durch das ganze patriarchale System gestützt und das ist daran so gefährlich."
Thomass hat für die Rolle wahrnehmbar zugenommen. "Das hat für mich was sehr Lustvolles und Freudvolles gehabt – bewusst Raum einzunehmen. Den Körper als Werkzeug zu begreifen, ist für mich als Schauspielerin selbstverständlich. Ich merke aber an den Reaktionen, dass manche Leute so lange schon in dieser Diätkultur-Prägung leben. Die eigene Furcht davor, selbst zuzunehmen, wird da schnell mal auf mich projiziert – es scheint für manche kaum vorstellbar, dass ich selbst damit aufrichtig kein Problem habe."
Dieses Selbstbewusstsein spiegelt auch ihre Filmfigur wider. "Ich wollte keine Frau erzählen, die von vornherein etwas Eingeschüchtertes hat, denn so etwas kann jeder Frau passieren. Auch die kraftvollen Frauen, die von innen leuchten, sind in Gefahr, dass ein Mann ihr Licht als Bedrohung empfindet und sie kleinhalten will." Ihre Zerrissenheit entsteht durch die "permanente Zersetzung", der sie durch ihren Mann ausgesetzt ist. "Sie mag sich, sie macht sich auch hübsch, zieht sich körperbetont und farbenfroh an. Sie ist nicht das Problem, sondern er."