Die Negativ-Schlagzeilen im türkischen Fußball reißen nicht ab. Nach Sperren gegen Hunderte Funktionäre gerät nun die Spitze des Schiedsrichterwesens ins Visier der Justiz.
Ferhat Gündogu, Vorsitzender der Zentralen Schiedsrichterkommission, wurde nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur "Anadolu" und der Nachrichtenagentur AFP in Untersuchungshaft genommen.
Bereits am Dienstag war Gündogu im Zuge von Hausdurchsuchungen festgenommen worden. Am Samstag ordnete ein Gericht in Istanbul schließlich die U-Haft an. Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung, Untreue und die unrechtmäßige Beschaffung personenbezogener Daten.
Im Mittelpunkt stehen offenbar auch Vorgänge innerhalb des türkischen Schiedsrichterwesens. Laut Justizminister Akin Gürlek wird eine mögliche Einflussnahme auf die Ansetzung, Bewertung, Einstufung und Ernennung von Schiedsrichtern sowie auf Regelprüfungen untersucht.
Ob die Ermittlungen gegen Gündogu mit dem großen Wettskandal zusammenhängen, der den türkischen Fußball bereits im vergangenen Jahr erschütterte, ist derzeit offen. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass fast 450 Funktionsträger aus den türkischen Top-Ligen gesperrt wurden.
Die Festnahme des Schiedsrichter-Bosses könnte nun auch unmittelbare Auswirkungen auf den Spielbetrieb haben. Denn bislang ist nicht geklärt, wer die Schiedsrichter für die anstehenden Liga-Partien einteilen wird. Der türkische Fußballverband äußerte sich zunächst nicht dazu, wer Gündogus Aufgaben für die Spiele in der kommenden Woche übernehmen soll.