Fußball-Star steht als neuer Thiem-Manager vor der Tür

Thiem: "Es braucht harte Arbeit auf und neben dem Platz“
Thiem: "Es braucht harte Arbeit auf und neben dem Platz“GEPA
Tennis-Ass Dominic Thiem ist dabei, sich in der größten Krise seiner Karriere neu aufzustellen. Die Spur zum neuen Manager führt nach Barcelona.

Dominic Thiem wählte die Calamari aus. Das Lokal "Meson Txistu" liegt mitten in Madrid und ist nur ein paar Aufschläge entfernt vom Stadio Bernabeu, wo David Alaba in ein paar Wochen erstmals im blütenweißen Trikot von Real Madrid auflaufen wird. Es ist ein Montagabend. Thiem bestellte als einziger die Calamari. Er musste auch als einziger am nächsten Tag am Tennisplatz liefern. 

Im "Meson Txistu" ging auch Ronaldo ein und aus

Im "Meson Txistu" lachen die Promis auf großen und kleinen Bildern von den Wänden. Von Placido Domingo bis zu Cristiano Ronaldo, alle posieren sie grinsend mit dem Lokalchef. Ronaldo ging in seiner Zeit bei Real hier ein und aus. Als Thiem die Calamari bestellt, spaziert der belgische Tennisprofi David Goffin vorbei, grüßt und nimmt ein paar Tische weiter im baskischen Lokal Platz.

Es sind die Mutua Madrid Open 2018. Thiem geht an diesem Abend mit einigen österreichischen Journalisten Abendessen. Fast alle Journalisten bestellen das Steak. Es ist eines der teuersten Gerichte auf der Karte. Fast keiner schafft es, dem Kellner einen leeren Teller zu überlassen. Das will was heißen.

Bresnik hält von solchen Abenden nicht viel

Thiem ist zu dieser Zeit noch Schützling von Langzeit-Trainer und Manager Günter Bresnik. Der hält von solchen Abenden nicht viel. Bresnik ist nicht mit in Madrid, betreut wird Thiem von Touring-Coach Galo Blanco. Die ehemalige Nummer 40 der Tennis-Welt berät als Einheimischer die Gäste aus Österreich freundlich bei der Auswahl der Beilagen.   

Blanco und Thiem sitzen nebeneinander. Man merkt, dass sie sich verstehen. Als die Steaks geliefert werden, erzählt Blanco von seinem Hund und wie der ein Stück rohes Fleisch zerreißen kann, wenn er Hunger hat. Thiem will Details wissen.

Wenige Monate später ist Blanco im Trainerteam von Thiem Geschichte. Bresnik wählt einen neuen Touring-Coach aus und wird bei Nicolas Massu fündig. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Bresnik und Thiem trennen sich im Frühjahr 2019. Nicolas Massu übernimmt als Trainer - mit Erfolg. Das Duo setzt den Weg nach oben fort bis zum US-Open-Triumph 2020 in New York. Der Gipfel. Seitdem geht es bergab. 

Aber warum die Geschichte von den Steaks und Galo Blanco? Blanco verlässt das Team Thiem wenige Monate nach dem Abendessen, weil er von Barcelona-Star Gerard Pique abgeworben wird. Jetzt wird die Geschichte aktuell und brisant. Zurück in der Gegenwart.   

Thiem ist gerade dabei, sich in der größten Krise seiner Karriere neu aufzustellen. "Es braucht harte Arbeit auf und neben dem Platz“, sagt die Nummer vier der Welt nach dem bitteren Erstrunden-Aus bei den French Open. Und er setzt Taten.

Das Aus mit Straka war kein Schnellschnuss

Nach der Paris-Pleite beendeten Thiem und Ex-Manager Herwig Straka die gemeinsame Arbeit. "Heute" berichtete darüber vorab. "Interessante Info, die sie da gehört haben. Da wissen sie mehr als ich zurzeit", meinte Straka, als ihn "Heute" mit dem ausgemachten Aus konfrontierte und um ein Statement bat. Das war am 1. Juni. Die Verträge wurden mit 31. Mai beendet. Nach Erscheinen der "Heute"-Story am Tag darauf meinte Straka ein paar Stunden später in einer offiziellen Aussendung, die das Ende der Zusammenarbeit bestätigte. "Ich übergebe meine Agenden an Dominics Familie, die ein Umfeld geschaffen hat, welches in allen Bereichen gut aufgestellt ist." 

Richtig ist: Die Trennung war kein Schnellschuss, sie stand bereits vor den French Open fest - und wurde unabhängig vom frühen Ausscheiden getroffen.

Das Management von Thiem wird nicht zur reinen Familienangelegenheit.

Wie geht es jetzt weiter? Das Management von Thiem, dem weltweit populärsten heimischen Sportler neben Alaba, wird nach "Heute"-Infos nicht zur reinen Familienangelegenheit. Das Team Thiem steht kurz vor einem Deal mit der spanischen Agentur "Kosmos" von Barcelona-Superstar Gerard Pique. Jener Pique, der einst Thiem-Betreuer Blanco ein unwiderstehliches Angebot machte.

Pique ist mehr als nur Innenverteidiger

Pique ist nicht nur Innenverteidiger bei "Barca", er ist auch Geschäftsführer von "Kosmos". In dieser Rolle schaffte er den Tennis-Länderkampf Davis Cup nach 118 Jahren ab und führte ein neues System ein. Der Tennis-Weltverband ITF soll dafür drei Milliarden Dollar innerhalb von 25 Jahren kassieren.

Pique soll einen IQ zwsichen 160 und 170 haben. Er besuchte die beste Schule der Stadt Barcelona - La Salle Bonanova. Seine Mutter ist eine angesehene Gehirnchirurgin. Sein Großvater war Vizepräsident des FC Barcelona. Bei einem Abendessen lernte der 13-jährige Gerard einmal den damaligen "Barca"-Trainer Louis van Gaal kennen. Als ihn der Opa stolz als Innenverteidiger aus dem Klub-Nachwuchs vorstellte, gab ihm Van Gaal einen Rempler. Pique fiel um. "Mit dieser Standfestigkeit wirst du nie Verteidiger beim Barcelona", sagte Van Gaal. Er sollte sich täuschen. 

Über Shakira zum japanischen Milliardär Mikitani

Pique gewann vier Mal die Champions League, mit Barcelona acht Mal die spanische Meisterschaft, er wurde Europa- und Weltmeister. Viel mehr geht eigentlich nicht. Doch Pique ist mehr als nur Verteidiger. Er liebt den Angriff. Er spielt auch gerne Poker. Und er eroberte das Herz der zehn Jahre älteren kolumbianischen Pop-Rock-Sängerin Shakira. Über sie lernte er den japanischen Milliardär Hiroshi Mikitani kennen. Dessen Firma "Rakuten" war einst der weltgrößte Onlinehändler für Elfenbein und Walfleisch. Heute ist "Rakuten" Dressensponsor bei "Barca" und eine der größten Internetfirmen der Welt.

"Kosmos" und die Impulse bei Thiem

2015 gründeten Pique und Mikitani "Kosmos", das jetzt bei Thiem für neue Impulse sorgen soll. Dabei setzt Pique auf anerkannte Experten. Zuletzt warb er kurioserweise von seinem Arbeitgeber dem FC Barcelona Marketing-Direktor Marc Carrion ab.

In Sachen Davis Cup gilt Galo Blanco als die rechte Hand von Pique. Blanco ist mittlerweile der Chief Competition Officer im Davis Cup. Es gibt sicher schlechtere Jobs. Letzte Woche war er mit Chef Pique in Innsbruck. Das Duo hatte sofort nach Ende der spanischen Fußball-Meisterschaft einen Termin in der Olympiaworld, wo Ende November ein Teil des Finalturniers ausgetragen wird. Österreich trifft dann auf Serbien und Deutschland.

Pique und Blanco trafen in Tirol Sportminister Werner Kogler. Für die TV-Kameras und ein paar nette Fotos begann Pique mit Kogler Tennis zu spielen, weil es leichter ist, wurde bald Fußball daraus. Auch ÖTV-Präsident Magnus Brunner und Herwig Straka, der das Davis-Cup-Turnier veranstaltet, waren dabei. Heißt: Der alte Thiem-Manager könnte quasi seinen Nachfolger getroffen haben. 

Aber zurück zu den Management-Plänen: Die Familie Thiem spielt darin durchaus eine Rolle. Dominics jüngerer Bruder Moritz soll in das Projekt eingebunden werden. "Sie verstehen sich gut", sagt Vater Wolfgang Thiem zuletzt zu "Heute" über die Brüder-Beziehung. Moritz war nach der Auszeit im Frühjahr zuletzt bei den Turnieren immer an Dominics Seite. "Da geht es auch um den Wohlfühlfaktor", meint Vater Thiem.

Moritz hat zuletzt in der Tennisakademie Thiem in Traiskirchen aber auch vermehrt Management-Tätigkeiten übernommen. Das könnte jetzt noch mehr werden. "Kosmos", Pique und auch Mikitani wären gute Lehrmeister. Und für einen Tisch im "Meson Txistu" braucht man bei diesen Kollegen wohl nicht mal mehr eine Reservierung.

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