Im niederösterreichischen Marchfeld ist vor zwei Jahren ein bedeutendes Erdgasvorkommen entdeckt worden, das laut OMV die heimische Gasproduktion deutlich erhöhen könnte. Das Gasfeld im Marchfeld ist aber seit Monaten Mittelpunkt heftiger Diskussionen. Während die OMV schätzt, dass sich mit der vollständigen Nutzung des Feldes die österreichischen Fördermengen um die Hälfte steigen, zweifeln Umweltschützer, dass die Investition sinnvoll sei.
Die förderbaren Ressourcen wurden im Vorjahr auf etwa 48 Terawattstunden geschätzt, was rund 28 Millionen Fass Öläquivalent entspricht. Laut OMV handelt es sich um den größten Gasfund in Österreich seit rund 40 Jahren. Der Konzern sieht darin auch einen wichtigen Schritt für mehr Versorgungssicherheit und weniger Abhängigkeit von Importen. Klimaschützer wiederum pochen darauf, dass erneuerbare Energien schneller ausgebaut werden.
Der ehemalige Chef der E-Control und Energieexperte, Walter Boltz, nahm zu dem Vorhaben am späten Sonntagabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann Stellung. "Der Grad der Unabhängigkeit steigt nur sehr wenig", so Boltz. Laut ihm fördere die OMV aktuell rund sechs Prozent des Gasverbrauchs in Österreich, mit dem neuen Gasfeld wären es rund neun Prozent. "Es ist ein Beitrag", so Boltz, aber es sei eher ein "finanzieller Bonus für die OMV".
Natürlich bringe es auch der Versorgungssicherheit etwas, so der Experte, allerdings nicht in einem Umfang, bei dem man sagen könnte, Österreich sei nun weit besser gestellt als zuvor. Der Anteil sei auch "zu klein", um den österreichischen Verbrauchern eine Preisersparnis zu bringen – und außerdem berechne die OMV den internationalen Gaspreis, so Boltz. Sie werde "das Gas nicht günstiger in Österreich verkaufen, nur weil es in Österreich gefördert wurde".
Zudem gehe Boltz davon aus, dass die Menge auf kurze Sicht zwar gesteigert, die heimische Gasproduktion aber nicht verdoppelt werden könne. Seien dann die Investitionen überhaupt sinnvoll? "Ich gehe einmal davon aus, dass sich das auf jeden Fall für die OMV rechnet", so Boltz. Für die OMV, die Shareholder und letztlich auch die österreichischen Bürger sei es deshalb "eine sinnvolle Investition".
Für die Versorgungssicherheit dagegen sei der Beitrag "eher ein überschaubarer", hieß es vom Experten. Wie passe das mit Klimaschutz zusammen? Bei einer Gasquelle dieser Größenordnung sei das "egal", so der Experte, vielmehr müsse Österreich den Gasverbrauch an sich reduzieren. "Ob wir das Gas dann aus Österreich bekommen, oder aus Norwegen, oder aus Italien, ist eigentlich für die Klimaeffekte gleichgültig", so der Experte.