Schüsse, Schläge, Gewalt

Aktivisten der Gaza-Flotte berichten von Misshandlungen

Das Vorgehen der israelischen Marine gegen eine Gaza-Hilfsflotte sorgt nach Berichten von Gewalt und Misshandlungen für internationale Kritik.
Newsdesk Heute
22.05.2026, 14:15
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Das Aufbringen einer Gaza-Hilfsflotte durch die israelische Marine sorgt vor allem wegen eines erniedrigenden Videos vom rechtsextremen Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir für heftige Empörung: Dutzende internationale Aktivisten werden darin gezwungen, gefesselt am Deck eines Militärschiffs zu knien, während Ben Gvir die israelische Fahne schwingt.

Die Flottenaktivisten Julien Cabral und Bilal Kitay waren dabei, als israelische Soldaten die etwa 50 Schiffe der Organisation Global Sumud Flotilla stoppten. Sie erzählen der Nachrichtenagentur AFP von Schüssen zur Einschüchterung, Schlägen und schlechter Versorgung.

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Vor Zypern gestoppt

Der 57-jährige Belgier Cabral war mit sechs weiteren Aktivisten auf einem kleinen Boot der Hilfsflotte unterwegs. Sie sind vergangene Woche von der türkischen Küste aus gestartet, um Hilfsgüter für die Menschen im Gazastreifen zu bringen. Am Montag wurden sie dann von der israelischen Marine in internationalen Gewässern vor Zypern gestoppt.

"Zuerst haben sie die Kommunikation gestört, dann sind sie am helllichten Tag mit Waffen an Bord gekommen und haben nur zum Spaß mit Gummikugeln geschossen", berichtet Cabral. Die israelischen Soldaten seien dabei "mit großer Gewalt" vorgegangen, "obwohl wir alle die Hände in die Luft hielten".

Auch Cabral selbst wurde verletzt: "Ich bekam einen Schlag gegen die linke Schläfe." An seiner Schläfe ist eine Wunde zu sehen, ein Auge ist durch einen Bluterguss verfärbt. Außerdem erzählt der Aktivist von einer Verletzung am Schulterblatt. Gefesselt an den Händen und unter weiterer Gewaltanwendung sei er gemeinsam mit rund 200 anderen Aktivisten auf ein israelisches "Gefängnisschiff mit Containern" gebracht worden.

"Willkommen in Israel"

Dabei dürfte es sich vermutlich um das Schiff handeln, das auch im umstrittenen Video von Ben Gvir zu sehen ist: Mit den Worten "Willkommen in Israel" veröffentlichte der rechtsextreme Minister am Mittwoch einen kurzen Clip im Onlinedienst X. Darin sieht man kniende Aktivisten, während die israelische Nationalhymne läuft und Ben Gvir lachend und plaudernd von Sicherheitskräften durch die Menge geführt wird.

Der Belgier Cabral zeigt sich auch über die weitere Behandlung durch die israelischen Soldaten erschüttert: "Sie haben die Medikamente einer Person beschlagnahmt, die an Epilepsie leidet", erzählt er der AFP. "An Bord des Schiffes 'Sirius' hatten sieben Menschen insgesamt 35 Knochenbrüche." Drei Tage lang hätten die festgesetzten Aktivisten immer wieder um einen Arzt gebeten, doch sie hätten nur die Antwort "später, später" bekommen.

Auch die Versorgung an Bord des Marineschiffs war laut Cabral schlecht – von oben hätten die Soldaten zwar Kisten mit Brot und Wasser heruntergeworfen, "aber nicht in ausreichender Menge". Egal ob Trinkwasser, Klopapier oder Tampons: "Wir mussten um alles bitten."

Überfüllte Gefangenentransporter

Am Mittwoch wurden die festgenommenen Flottenaktivisten schließlich in Israel an Land gebracht und in überfüllten Gefangenentransportern in den Süden des Landes gebracht. Laut Cabral mussten sie stundenlang in vorgebeugter Haltung ausharren, die Handschellen seien "viel zu eng" gewesen. "Wir konnten nichts sehen. Sie drückten auf unsere Nacken", berichtet er weiter. Immer wieder habe es Schläge und Beleidigungen gegeben.

Auch der türkische Aktivist Kitay, der Teil einer zehnköpfigen Crew war, berichtet von Schlägen und Gewalt. "Leider behandeln sie ihre Tiere besser", sagt er der AFP. Für Kitay war es schon die zweite Fahrt mit einer Gaza-Hilfsflotte. Auch beim ersten Mal im April seien sie von der israelischen Marine gestoppt worden. Doch dieses Mal seien die israelischen Soldaten "viel, viel gewalttätiger" vorgegangen.

Am Donnerstag in der Früh wurden die Aktivisten vom Flughafen Ramon im Süden Israels mit Sonderflügen der Türkei ausgeflogen. Unter den Ausgeflogenen waren auch acht deutsche Staatsbürger. Wie das deutsche Außenministerium am Freitag mitteilte, hätten einige von ihnen Verletzungen erlitten; sie würden nun in Istanbul versorgt.

Trotz der schlimmen Erfahrungen wollen die beiden Aktivisten Cabral und Kitay mit der nächsten Gaza-Hilfsflotte gleich wieder losfahren: "Wir machen weiter", sagt der Belgier.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.05.2026, 14:15
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