Dass die Digitalisierung für viele Ältere zur Hürde wird, zeigt jetzt ein Fall aus Perg. Eine 87-Jährige ist gehbehindert und blind - trotzdem soll sie persönlich bei der Bezirkshauptmannschaft erscheinen, um ihre ID Austria zu bekommen.
"Wir haben das Gefühl, dass hier nicht geholfen werden soll, sondern Menschen mit Behinderung durch starre Regeln und fehlende Menschlichkeit aufgegeben werden", macht der Schwiegersohn seinem Ärger laut "Krone" Luft. Er wollte die Registrierung für seine blinde Schwiegermutter übernehmen.
Doch schon der erste Versuch scheiterte: Die Seniorin besitzt kein Smartphone. Eine Anmeldung über das Handy des Schwiegersohns war nicht erlaubt. Also wurde extra ein eigenes Gerät für die 87-Jährigen gekauft.
„Wir setzen nur die Gesetze um“Werner KreislBezirkshauptmann Perg
Mit Vollmacht und Reisepass gingen die Angehörigen erneut zur Behörde - wieder ohne Erfolg. Die Begründung: Die Antragstellerin müsse persönlich erscheinen.
Der zuständige Bezirkshauptmann Werner Kreisl sagt dazu: "Alle Antragsteller müssen persönlich herkommen. Wir kontrollieren den Ausweis und das Gesicht und schalten ID Austria am mitgebrachten Smartphone frei."
Die App sei rechtlich einer Unterschrift gleichzusetzen. Eine Freischaltung auf einem fremden Gerät sei technisch und gesetzlich nicht vorgesehen. Die BH sei eben nur die Registrierungsbehörde und setze die Gesetze um.
Auch eine Erwachsenenvertretung ändert daran nichts. Selbst in diesem Fall müssen beide Personen gemeinsam erscheinen. Vollmachten innerhalb der ID Austria sind erst möglich, wenn beide bereits registriert sind.
Seit Jahren weisen Seniorenvertreter darauf hin, dass Menschen ohne digitale Kenntnisse benachteiligt werden. Noch bis Ende März gibt es daher Aktionstage in mehreren Bezirken, bei denen bei der Einrichtung der ID Austria geholfen wird - unter anderem am 5. März in Perg, am 10. März in Wels und am 19. März in Rohrbach.