65-Jähriger ohne Pflegegeld

"Riesen-Sauerei" – Bein amputiert, aber PVA zahlt nicht

Zwei Stürze, vier Operationen – am Ende musste Herrn P. (65) sogar ein Bein amputiert werden. Trotzdem bekommt er keinen Cent Pflegegeld.
Lea Strauch
16.02.2026, 03:00
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Zwei schwere Stürze haben das Leben von Herrn P. (65) völlig verändert. Zuerst rutschte er aus, zerschmetterte sich das linke Knie. Kaum wieder halbwegs mobil, passierte der nächste Unfall auf einer Rolltreppe: Die Krücke verhakte sich, "da hat's mich rückwärts runtergehaut", berichtet der Mann gegenüber "Heute". Vier Operationen und eine Hauttransplantation folgten.

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"War ein Wahnsinn für mich"

Erst schien die Genesung gut zu gelingen, P. lobt im Gespräch mehrmals die gute Arbeit der Mediziner. Plötzlich wuchs am Bein aber eine Beule. Die Diagnose der Hausärztin änderte für den Linzer alles: Sepsis im Endstadium, ausgelöst durch eine Staphylokokken-Infektion. "Eineinhalb Tage hätte ich noch zu Leben gehabt." Die Folge: das Bein musste amputiert werden.

"Das war natürlich ein Wahnsinn für mich", sagt der Mann. "Ich war früher immer sehr aktiv, bin viel Nordic Walking und Wandern gegangen." Mental habe er sich mit seiner Situation zwar "ganz gut arrangiert". Für ihn ist aber klar: "Womit ich überhaupt nicht zurechtkomme ist, dass man – obwohl man nichts dafür kann – nicht einmal Pflegestufe 1 bekommt."

Genau damit muss P. jetzt nämlich kämpfen: Rund ein Jahr lang hatte er nach dem Sturz mit einem Pflegebedarf von 80 Stunden noch Stufe 1 – befristet bis Ende April 2025. Der 65-Jährige klagte gegen die Einstufung, doch im Verfahren kam ein weiterer Gutachter zu einem anderen Ergebnis: nur noch 50 Stunden Pflegebedarf pro Monat – also keine Pflegestufe. Der Betroffene zog die Klage zurück.

Pflegebedarf zu gering

Im Mai 2025 beantragte er die Weitergewährung. Doch auch diesmal fiel die Entscheidung negativ aus. Der Pflegebedarf wurde mit 55 Stunden bemessen, später im Gerichtsverfahren sogar nur mit 30 Stunden. Wieder zog P. die Klage zurück. Seitdem bekommt er kein Pflegegeld mehr.

Die PVA erklärt in einem Statement gegenüber "Heute": "Wie viel Pflegegeld eine Person bekommt, hängt vom Pflegebedarf bzw. der Pflegestufe ab." Diese werde unabhängig von Alter oder Ursache der Pflegebedürftigkeit ermittelt. Für Pflegestufe 1 sind mindestens 65 Stunden pro Monat notwendig. Laut Gutachten liegt P. darunter, hat daher keinen Anspruch.

Bein "völlig unverschuldet" verloren

Dass er vieles alleine bewältigen kann, bestreitet er auch nicht – und ist in vielerlei Hinsicht natürlich froh darüber. Seinen Ärger über das System schmälert das aber nicht: "Ich finde einfach, dass das eine riesengroße Sauerei ist, was man da mit uns macht." Er habe immer "brav gearbeitet" und sein Bein "völlig unverschuldet" verloren.

Trotzdem stehe er – im Gegensatz zu vielen, die laut ihm nicht so achtsam mit ihrer Gesundheit waren – nun ohne Unterstützung da. Er bekomme zwar eine durchschnittliche Pension, die allgemeinen Teuerungen würden ihn aber natürlich genauso treffen.

Besonders emotional wird P., wenn er darüber spricht, was er sich eigentlich für die Pension erträumt hatte: "Ich war immer ein leidenschaftlicher Cabrio-Fahrer", erzählt er. Reisen über Pässe, zum Gardasee – das war sein Plan für später, darauf habe er sein Leben lang hingearbeitet. "Das habe ich aufgeben müssen, weil ich es mir schlicht und ergreifend nicht mehr leisten kann."

{title && {title} } Lstr, {title && {title} } 16.02.2026, 03:00
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