Ein Angriff auf Nato-Staaten könnte nach Einschätzung des tschechischen Verteidigungsministeriums künftig völlig überraschend erfolgen. Prag bereitet sich deshalb langfristig auf einen möglichen Krieg in Europa vor. Das geht aus einem internen Strategiepapier zur Verteidigungsplanung bis 2045 hervor, über das "iROZHLAS.cz" berichtet.
Als größte Gefahren für die europäische Sicherheitsordnung werden Russland und China genannt. Besonders deutlich fällt die Einschätzung zu Moskau aus: "Die größte Bedrohung für die Sicherheit der Tschechischen Republik geht von Russland aus", heißt es in dem Dokument.
Die Gefahr beschränkt sich laut dem Papier nicht auf einen klassischen militärischen Angriff. Russland und China würden ihre Aktivitäten in den Bereichen "Sabotage, Desinformation und Cyberspionage" verstärken.
Auch eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht wird thematisiert. "Die Bürger leisten in Friedenszeiten freiwillig Wehrdienst. Sollte dies jedoch erforderlich sein, wird die Regierung die Einführung einer angemessenen Form der Bürgerbeteiligung an der Landesverteidigung und dem Wehrdienst prüfen", heißt es.
Die tschechische Armee verfügt derzeit über rund 28.000 bis 30.000 Berufssoldaten und etwa 4.000 bis 5.000 aktive Reservisten. Bis 2030 sollen es 30.000 Berufssoldaten und 10.000 aktive Reservisten sein.
Der frühere Geheimdienstchef Petr Mlejnek hält die Grundannahme des Papiers für richtig. "Die Annahme, dass der Gegner nicht strikt zwischen Krieg und Frieden unterscheidet, ist richtig. Meiner Meinung nach sollten daraus jedoch weitaus grundlegendere Schlüsse gezogen werden", wird er von "iROZHLAS.cz" zitiert.
Das Strategiepapier soll im Herbst von der Regierung unter Andrej Babiš beraten werden. Streit gibt es bereits über die Finanzierung: Während führende Militärvertreter mehr Mittel fordern, will die Regierung die Verteidigungsausgaben 2028 und 2029 laut Bericht bei rund 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einfrieren.