Lärm und Dreck

Gemeindebau-Mieter sauer über Bau von neuem Gemeindebau

Der Bau eines neuen Gemeindebaus in der Donaustadt sorgt für Unmut bei Anrainern. Sie kritisieren Lärm, Dreck und verlorene Parkplätze.
25.10.2026, 22:05
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Anfang April erfolgte mit Wohnbau-Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) der Spatenstich für 27. Gemeindebau NEU in der Bernoullistraße 4 (Wien-Donaustadt). Der Neubau – bestehend aus drei Gebäuden – grenzt an einen bereits bestehenden Gemeindebau an, deren Bewohner sind direkt von der Baustelle betroffen.

"Wir haben eine extreme Lärmbelästigung und den Dreck. Bei den Aushubarbeiten gab es Erschütterungen, die sich bis in die Wohnungen reinzogen – das ist ein Wahnsinn. Es gibt sicher auch andere Möglichkeiten in diesem riesengroßen Bezirk, wo man das hätte hinbauen können", klagt etwa Peter S. (74), der seit den 70er-Jahren im dortigen Gemeindebau wohnt, bereits im Juni.

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Kellerarbeiten sorgten für Erschütterungen

Für den Bau mussten zudem laut Wiener Wohnen 27 Bäume gefällt, 50 neue sollen dafür gepflanzt werden. Geplant sind 88 Wohnungen und ein zweigeschoßiger Kindergarten (der den alten auf der Fläche ersetzt). Die Fertigstellung des Projekts ist für Sommer 2028 geplant. Vor allem die Kellerarbeiten sorgten zu Beginn für großen Unmut.

"Meine Mutter (76) und mein Vater (86) leben in einer Erdgeschoß-Wohnung – sie ist halbseitig gelähmt. Sobald der Bohrer in den Boden ging, vibrierte der ganze Boden, der Tisch ist gewandert und der Teller auch. Sie hat aber nur eine Hand zur Verfügung, das heißt, sie konnte nicht gleichzeitig den Teller festhalten und essen", berichtet Karin.

Staub und Schmutz als Problem

Wie Wiener Wohnen auf "Heute"-Nachfrage erklärt, seien die Erschütterungen auf die Arbeiten für die Außenschalung zurückzuführen – diese muss in den Boden hineingetrieben werden. Im Juni wurden derartige Arbeiten bereits mehrmals durchgeführt.

Auch Staub und Schmutz waren in den ersten Monaten ein großes Problem: "Lüften war unmöglich. Sobald meine Eltern das Küchenfenster aufgemacht haben und die Arbeiter mit dem Schlauch durchgefahren sind, hatten sie die ganze Erde in der Küche. Auch der Lärm war eine Katastrophe – manchmal ging es schon um 4 oder 4.30 Uhr früh los", so Karin.

Spundwände sorgen für Lärm und Vibrationen

Laut Wiener Wohnen kam es bis Juni nur einmal zu einem Sondertransport um 4.30 Uhr, ein weiterer folgte noch. Grundsätzlich würden die Bauarbeiten aber um 6 Uhr starten. Mittlerweile ist der Rohbau des Kellergeschosses fertig. Ende September haben die Rohbauarbeiten des Erdgeschosses begonnen, dann geht es geschossweise weiter.

Der Ärger ist für die Gemeindebau-Bewohner aber noch nicht vorbei: "Das Setzen der Spundwände bringt leider starke Vibrationen und Lärm mit sich. Die Arbeiten sind unvermeidlich, die Spundwände braucht es als Baugrubensicherung." Mitte Oktober sollen die vorerst letzten Spundwände gezogen werden, die Arbeiten dauern rund eine Woche: "Wir kündigen die bevorstehenden Arbeiten mittels Aushang an und informieren auch das Gymnasium."

Baubüro einmal pro Woche geöffnet

Aufgrund der zahlreichen Belastungen wurde eine Petition ins Leben gerufen – über 100 Bewohner haben bereits unterzeichnet. Die Bewohner verlangen von Wiener Wohnen mehr Rücksichtnahme und konkrete Maßnahmen. Dazu zählen eine Informationsveranstaltung über das Gesamtprojekt, die Einbindung der direkten Anrainer in einen Partizipationsprozess sowie ein eigenes Baubüro vor Ort als Anlaufstelle.

Wie "Heute" erfuhr, nahm das Baubüro bereits am 17. Juni den Betrieb auf: "In den ersten beiden Wochen ist der Mittwoch der Tag, an dem geöffnet (8 bis 9 Uhr) ist – in weiterer Folge wird es dann zweimal die Woche geöffnet haben – einmal vormittags, einmal nachmittags", meint ein Sprecher von Wiener Wohnen. Aufgrund der geringen Nachfrage war das Büro im September allerdings nur einmal pro Woche besetzt. Zudem habe es seit Herbst 2024 zwei Informationsveranstaltungen zu dem Projekt gegeben.

Neue Parkplätze teilweise in der Tiefgarage

Ein weiterer Kritikpunkt sind auch verlorene Parkplätze: "Es mussten 34 Stellplätze für den Neubau gesperrt werden, acht davon waren bereits bestandsfrei. Für die übrigen 26 Stellplätze wurde für die Zeitspanne, in der der Gemeindebau NEU errichtet wird, ein Ersatz in unmittelbarer Nähe gefunden", erklärt der Sprecher (Anm.: Es handelt sich dabei um mehrere Standorte mit teilweise längerer Gehzeit als vorher).

So soll der neue Gemeindebau in der Bernoullistraße aussehen.
Schreiner, Kastler Büro für Kommunikation GmbH

Nach der Fertigstellung des Neubaus werden alle 34 Stellplätze wieder vergeben: "Ein Teil davon auf dem bestehenden Parkdeck, die übrigen in der Tiefgarage des Neubaus. Die Konditionen dazu sind noch nicht festgelegt", heißt es. Derzeit würde die Miete für einen ebenerdigen Parkplatz etwa 60 Euro betragen, für einen Platz in einer Tiefgarage verlangt Wiener Wohnen durchschnittlich 90 Euro.

Bewohner wollen Mietzinsreduktion

Während der besonders intensiven Bauphase wünschen sich die Bewohner zudem eine Mietzinsreduktion wegen der eingeschränkten Wohnqualität. Wiener Wohnen verweist darauf, dass bei einem Bauvorhaben auf einem Nachbargrundstück nicht automatisch ein Anspruch auf Mietzinsminderung bestehe.

"Etwaige Ansprüche auf eine Mietzinsminderung sind im Mietrechtsgesetz genau geregelt und werden von Wiener Wohnen im Einzelfall individuell geprüft. Wichtig hier: Die betroffenen Mieter*innen müssen jeweils für sich einen Antrag bei Wiener Wohnen dazu einreichen, dann wird der Antrag zeitnah geprüft", so der Wiener-Wohnen-Sprecher. Acht Anträge wurden demnach bisher abgelehnt.

FPÖ-Wohnbauombudsmann setzt sich ein

Unterstützung erhalten die Bewohner vom FPÖ-Wohnbau-Ombudsmann Michael Niegl. Er fordert die zuständige Wohnbau-Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) auf, sich stärker für die Anliegen der betroffenen Mieter einzusetzen: "Es kann wohl nicht sein, dass Bauverdichtungen immer zum Nachteil der altangesessenen Anrainer ohne Rücksicht durchgezogen werden", so Niegl.

Und weiter: "Wir werden uns in jedem Fall für die Forderungen der Mieter stark machen. Das bedeutet, dass wir zeitnah eine Mieterversammlung einberufen, um die Mieter von unseren Fachjuristen beraten zu lassen um dann auch Verfahren vor der Schlichtungsstelle anzustreben."

cz, 25.10.2026, 22:05