"Complete Edition" im Test

"Ghost of Yōtei" bekommt nochmals ordentlich Nachschub

Atsus Reise geht weiter. Die "Ghost of Yōtei Complete Edition" bringt neue Geschichten, neue Kämpfe und einen Modus, der das Spiel spannend verändert.
Rene Findenig
01.10.2026, 19:04
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Wer wie der Tester "Ghost of Yōtei" bereits ausführlich gespielt und dabei vor allem die offene Welt, Atsus Rachegeschichte und das Kampfsystem unter die Lupe genommen hat, bekommt nun ein Jahr nach dem Erscheinen des Titels Nachschub von Sucker Punch auf der PlayStation 5. An den grundsätzlichen Stärken und Schwächen des Spiels hat sich mit der "Complete Edition" nichts geändert. Vielmehr wird das bestehende Abenteuer um zwei sehr unterschiedliche Inhalte erweitert. Zum einen gibt es mit "Echos von Sekigahara" eine neue Story-Erweiterung. Zum anderen kommt mit "Meistgesucht" ein eigenständiger Einzelspieler-Modus dazu, der das bisherige Spielprinzip ordentlich aufbricht.

Dazu kommen der Online-Modus "Ghost of Yōtei Legends", die Inhalte der Digital Deluxe Edition, der Talisman von Hokkyokusei, neue kosmetische Inhalte und weitere Ergänzungen. Die "Complete Edition" ist seit 1. Oktober 2026 exklusiv für PlayStation 5 erhältlich. Wer "Ghost of Yōtei" bisher noch nicht gespielt hat, bekommt damit also das komplette Paket. Wer das Hauptspiel bereits besitzt, kann auf die "Complete Edition" upgraden und erhält die beiden neuen großen Inhalte. Die Erweiterung und "Meistgesucht" werden über Patch 2.0 bereitgestellt. Die Ansätze sind spannend. "Echos von Sekigahara" versucht, Atsu als Figur erzählerisch weiterzuentwickeln. "Meistgesucht" reduziert "Ghost of Yōtei" dagegen fast nur auf den Kampf.

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Atsus Vergangenheit holt sie ein weiteres Mal ein

"Echos von Sekigahara" ist der erzählerische Teil der neuen Inhalte. Die Erweiterung springt zwischen zwei Zeitabschnitten hin und her. In der Gegenwart landet Atsu in einem bislang nicht bekannten Gebiet von Ezo. Dort geht es um Nagato, eine Figur aus ihrer Vergangenheit, die inzwischen selbst in Ezo angekommen ist. Die Erweiterung nutzt Nagatos Verbindung zu Atsu, um einen Abschnitt aus ihrem Leben zu zeigen, den man bisher nur aus der Distanz betrachten konnte. In Rückblenden geht es um ihre Zeit auf dem Festland und um die Schlacht von Sekigahara, auf die im Hauptspiel immer wieder Bezug genommen wurde. Die Gegenwart führt dagegen in ein neues Tal, das einst von der Schlange und den Vipern kontrolliert wurde.

Dieser Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart funktioniert deshalb, weil sich die beiden Ebenen gegenseitig ergänzen. Es gibt nicht eine Rückblende nach der anderen, stattdessen wird Atsus heutige Situation immer wieder mit Erfahrungen verbunden, die sie früher gemacht hat. Das neue Gebiet ist ebenfalls nicht bloß Kulisse. In den Ashoro-Ausläufern der Spielwelt trifft Atsu auf die Vipern, eine Gruppe von Wilderern, die das Gebiet übernommen haben. Die Gegend war einst von Wildtieren geprägt und wurde durch die Aktivitäten der Gruppe stark verändert. Atsu muss sich dort gemeinsam mit Nagato auf die Suche nach einem engen Verbündeten machen.

Das neue Gebiet fühlt sich anders an

Auch spielerisch bleibt die Erweiterung dem Grundprinzip treu. Du erkundest, kämpfst, bewegst dich durch die Landschaft und wechselst immer wieder zwischen ruhigeren Abschnitten und härteren Auseinandersetzungen. Dazu kommen neue Gegnertypen, schwere Waffen, neue Rüstungssets, kosmetische Inhalte sowie weitere Fähigkeiten. Was mir an der Erweiterung besonders auffällt, ist der Umgang mit der Landschaft. "Ghost of Yōtei" lebt schon im Hauptspiel stark von seinen Umgebungen. Auch im neuen Abschnitt wird deshalb nicht versucht, die Karte einfach mit möglichst vielen Symbolen und Aufgaben vollzustopfen.

Stattdessen funktioniert die Umgebung wieder über ihre Stimmung. Die neue Region hat ihre eigene Geschichte und wirkt durch die Anwesenheit der Vipern deutlich stärker von den Ereignissen geprägt. Dadurch verändert sich auch das Gefühl beim Erkunden. Das ist eine Stärke, die bereits das Hauptspiel ausgezeichnet hat. Die Welt muss nicht ständig erklären, warum du gerade irgendwohin gehen sollst. Vieles funktioniert über die Umgebung selbst oder natürlich über die Geschehnisse um einen herum. Gleichzeitig bleibt aber auch hier das bekannte Problem bestehen: Wer "Ghost of Yōtei" bereits sehr intensiv gespielt hat, wird beim grundsätzlichen Aufbau keine Revolution erleben.

Der zweite Neuzugang ist deutlich ungewöhnlicher

Dabei bleibt die Geschichte überschaubar. Das neue Abenteuer will nicht die Größe des Hauptspiels erreichen, das war aber auch nicht die Erwartung. Es ist ein Zusatzkapitel und verhält sich auch so. Wer ausschließlich der Haupthandlung folgt, kann die Erweiterung in einigen Stunden abschließen. Wer das neue Gebiet genauer erkundet und optionale Inhalte mitnimmt, ist entsprechend länger beschäftigt. Die neuen Mechaniken machen Spaß, das neue Gebiet ist eines der schönsten, das der Titel zu bieten hat und die neuen Details zu Atsus Vergangenheit zeigen sich spannend. Für Spieler ist "Echos von Sekigahara" zwar kein absolutes Muss, ich kann den Zusatzinhalt jedoch nur wärmstens empfehlen.

Ganz anders spielt sich die zweite Neuerung namens "Meistgesucht", ein Einzelspieler-Modus, der nach dem Prinzip eines Roguelikes funktioniert. Du nimmst einen Kopfgeldauftrag an und startest damit einen Durchlauf. Danach geht es von Kampf zu Kampf. Besiegte Gegner bringen Vorteile, mit denen du deinen Charakter während des Durchlaufs weiterentwickelst. Die Feinde kommen in Gegnerwellen und werden nach und nach immer stärker. Nach einzelnen Abschnitten kannst du dann neue Vorteile auswählen. Dazu gehören Verbesserungen für Waffen, Ausrüstung, Beschwörungen, Paraden und die Überlebensfähigkeit. Noch interessanter wird der Modus durch die spielbaren Figuren.

Der neue Modus "Meistgesucht" setzt auf einzelne Kampfdurchläufe mit Roguelike-Elementen.
PlayStation

Jin Sakai aus "Ghost of Tsushima" kehrt zurück

Neben Atsu gehören Oyuki und Nagato zum Aufgebot. Dazu kommt Jin Sakai aus "Ghost of Tsushima". Damit kehrt also tatsächlich die Hauptfigur des Vorgängers zurück. Jin besitzt seine bekannten vier Haltungen und bringt damit ein Kampfsystem mit, das sich ganz anders anfühlt als Atsus Stil, die im Hauptmodus statt mit dem Katana in verschiedenen Haltungen lieber mit verschiedenen Waffen, dafür nur in einer Haltung kämpft. Auch das ist in "Meistgesucht" ein bisschen anders. Atsu setzt im Modus unter anderem auf das Doppelkatana. Nagato kämpft mit dem Yari. Oyuki setzt auf das Kusarigama. Jin wiederum bringt sein vertrautes Arsenal aus "Ghost of Tsushima" mit.

Wer bisher fast ausschließlich Atsu gespielt hat, muss sich bei einem Charakterwechsel wieder stärker auf dessen Möglichkeiten einstellen. Besonders Jin ist natürlich ein offensichtlicher Fanservice. Generell ist "Meistgesucht" ein Modus, der Suchtpotenzial besitzt. Es gibt keine lange Reise zum nächsten Auftrag. Du nimmst eine Herausforderung an, kämpfst, verbesserst deine Figur und versuchst, den nächsten Abschnitt zu überstehen. Wer die Kämpfe aus dem Hauptspiel besonders mochte, bekommt damit eine Möglichkeit, genau diesen Teil häufiger hintereinander zu spielen. Wer "Ghost of Yōtei" jedoch wegen seiner Landschaften, der ruhigen Momente und der offenen Welt gespielt hat, bleibt besser beim Hauptspiel.

Jin bringt seinen bekannten Kampfstil aus "Ghost of Tsushima" in den neuen Modus.
PlayStation

"Legends" gibt es nun auch in "Ghost of Yōtei"

Die Kämpfe sind nicht nur dafür da, möglichst lange zu überleben. Mit erfolgreichen Durchläufen lassen sich zusätzliche Vorteile und spielbare Figuren freischalten. Dadurch entsteht ein Fortschrittssystem, das dich nach einem gescheiterten Versuch nicht einfach wieder auf null setzt. Durch die Freischaltungen gibt es einen Grund, es erneut zu versuchen. Dazu kommen neue kosmetische Inhalte. Auch Atsu kann von den Freischaltungen profitieren. Einige der neuen Rüstungsvarianten werden über den Modus verfügbar. Die "Complete Edition" ergänzt außerdem neue Fotomodus-Stempel, weitere kosmetische Gegenstände für "Neues Spiel+" und zusätzliche Trophäen für "Echos von Sekigahara" und "Meistgesucht".

Zur "Complete Edition" gehört außerdem "Ghost of Yōtei Legends". Dabei handelt es sich um den Online-Koop-Modus für bis zu vier Spieler. Mehrere Spielvarianten gehören zum Paket, darunter "Überleben", "Story" und ein "Überfall". Für die Online-Multiplayer-Funktionen ist PlayStation Plus erforderlich. Nicht alles Neue steckt übrigens im kostenpflichtigen Paket. Mit Patch 2.0 kommen auch Änderungen, von denen Besitzer des Hauptspiels kostenlos profitieren. Dazu gehört "Schönheit von Yōtei". Der Modus zeigt die Landschaften von Ezo in einer ruhigeren, fast bildschirmschonerartigen Präsentation. Auch der Fotomodus lässt sich dabei nutzen. Zusätzlich kommen neue Tracks für den Watanabe-Modus dazu.

Optisch bleibt Yōtei in der "Complete Edition" eine Wucht

Eine weitere praktische Änderung betrifft die Rüstungen. Du kannst das Aussehen eines Rüstungssets behalten und gleichzeitig die Werte eines anderen Sets verwenden. Damit musst du dich nicht mehr zwischen einer bestimmten Optik und den gewünschten Eigenschaften entscheiden. Außerdem gibt es eine neue Option für stärkeren Kontrast. An der Präsentation musste Sucker Punch wenig ändern. "Ghost of Yōtei" war bereits im Hauptspiel stark darin, Landschaften nicht nur hübsch aussehen zu lassen, sondern sie für die Atmosphäre zu nutzen. Die neue Region setzt diesen Ansatz fort. Dazu kommen neue Rüstungen, Waffen und kosmetische Varianten. Optisch bleibt Yōtei in der "Complete Edition" eine Wucht.

"Ghost of Yōtei" war schon vor der "Complete Edition" ein umfangreiches PS5-Abenteuer. Die neue Version versucht nicht, das Spiel künstlich aufzublasen. "Echos von Sekigahara" erweitert Atsus Geschichte und gibt ihrer Vergangenheit mehr Raum. Die neue Region, Nagato, die Rückblenden und die zusätzlichen Waffen und Rüstungen sorgen dafür, dass sich das Kapitel frisch anfühlt. "Meistgesucht" ist dagegen die größere Überraschung. Der Roguelike-Aufbau verändert das Tempo und rückt das Kampfsystem in den Mittelpunkt. Wer "Ghost of Yōtei" noch gar nicht kennt, bekommt das gesamte Paket auf einmal. Wer Atsus Reise bereits beendet und gemocht hat, bekommt eine neue Geschichte und eine deutlich kampflastigere Alternative.

rfi,Akt. 01.10.2026, 19:09, 01.10.2026, 19:04
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