Jetzt wird es beim Online-Shopping teurer. Seit Donnerstag, 1. Oktober, gilt in Österreich die neue Paketsteuer. Wer bei großen Onlinehändlern bestellt, muss für viele Lieferungen nun zusätzlich zahlen. Aus den angekündigten zwei Euro werden inklusive Mehrwertsteuer sogar 2,40 Euro. Für viele Kunden ist das zu viel. In den sozialen Netzwerken machen zahlreiche Österreicher ihrem Ärger Luft.
Besonders Amazon steht im Mittelpunkt der Diskussion. Der Versandriese informiert seine österreichischen Kunden inzwischen direkt über die neue Abgabe. Im Warenkorb wird der zusätzliche Betrag als "Paketsteuer in Österreich" ausgewiesen. Amazon erklärt, dass die Abgabe einmal pro Bestellung anfällt und an die österreichische Regierung abgeführt wird.
Das sorgt bei vielen für Unverständnis. Im österreichischen Reddit-Forum wird die neue Gebühr heftig diskutiert. Ein Nutzer schreibt, dass er zwei bis drei Mal im Monat bei Amazon bestellt und sich über die zusätzlichen Kosten ärgert. Ein anderer kritisiert die Regelung als "Frechheit". Auch die Tatsache, dass die Abgabe im Zusammenhang mit der Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel steht, stößt auf Widerstand.
Einige Nutzer halten dagegen, dass die Preise bei ausländischen Onlinehändlern trotz der neuen Gebühr häufig noch immer niedriger seien als im stationären Handel. Andere kritisieren vor allem das Prinzip, bei jeder Bestellung erneut zur Kasse gebeten zu werden. Die Diskussion zeigt, dass es nicht nur um die Höhe der Abgabe geht, sondern auch um die Frage, wer die zusätzlichen Kosten tragen soll.
Bei Amazon wird die neue Paketsteuer seit Donnerstag direkt im Bestellprozess sichtbar. Dabei gibt es eine Besonderheit: Die Abgabe wird pro Bestellung und nicht pro Paket berechnet. Wer mehrere Produkte gemeinsam bestellt, zahlt also nur einmal 2,40 Euro, selbst wenn die Waren in mehreren Paketen geliefert werden.
Auch bei einer Bestellung mit geringem Warenwert wird der volle Betrag fällig. Wer beispielsweise nur ein Produkt um fünf Euro bestellt, zahlt damit insgesamt 7,40 Euro, sofern keine weiteren Versandkosten anfallen. Gerade bei kleinen Einkäufen kann die zusätzliche Gebühr deshalb stark ins Gewicht fallen.
Amazon weist die Abgabe separat aus und führt sie nach eigenen Angaben an den österreichischen Staat ab. Bei stornierten Bestellungen oder bestimmten Rücksendungen kann die Gebühr erstattet werden. Bei einer Ersatzlieferung für einen mangelhaften Artikel soll sie ebenfalls nicht erneut anfallen.
Nicht nur Amazon ist betroffen. Insgesamt sind laut Handelsverband 16 große Onlinehändler und Marktplätze von der neuen Regelung erfasst. Dazu zählen unter anderem Temu, Zalando, Otto, AliExpress, Shein, MediaMarkt, Apple, Ikea, XXXLutz und Refurbed.
Allerdings gehen die Unternehmen unterschiedlich mit der zusätzlichen Belastung um. Zalando gibt die Abgabe an seine Kunden weiter. Auch bei MediaMarkt stiegen die Lieferkosten zum Start der Regelung um genau 2,40 Euro. Otto hingegen kündigte an, die zusätzlichen Kosten in den ersten zwei Wochen selbst zu tragen. Erst danach soll die Abgabe an die Kunden weitergereicht werden.
XXXLutz will die Paketsteuer vorerst ebenfalls nicht direkt verrechnen. Das Unternehmen behält sich rechtliche Schritte vor. Auch Ikea verzichtet nach den vorliegenden Informationen zunächst auf eine Weitergabe an die Kunden.
Für Konsumenten bedeutet das: Nicht jede Bestellung wird automatisch teurer. Entscheidend ist, bei welchem Händler du einkaufst und wie dieser die Abgabe handhabt. Zudem gilt die Steuer nicht für sämtliche Onlinebestellungen in Österreich. Kleinere Händler unter der Umsatzgrenze sind grundsätzlich nicht direkt betroffen.
Besonders hart trifft die neue Abgabe kleinere Unternehmen, die ihre Produkte über große Onlineplattformen verkaufen. Sie befürchten, dass die zusätzlichen Kosten Kunden abschrecken könnten. Gerade bei Bestellungen im Wert von 20 oder 30 Euro machen 2,40 Euro einen gewaltigen Unterschied. Die Sorge: Kunden könnten künftig weniger bestellen oder auf andere Anbieter ausweichen.
Die Kritik richtet sich damit nicht nur gegen die Belastung der Konsumenten. Auch kleinere heimische Betriebe, die auf große Plattformen angewiesen sind, sehen sich unter Druck. Sie können die Abgabe nicht ohne Weiteres selbst übernehmen, ohne ihre ohnehin knappen Margen weiter zu belasten.
Der Ärger beschränkt sich längst nicht mehr auf die Kunden. Auch große Versandhändler gehen gegen die neue Regelung vor. Erste Unternehmen kündigten rechtliche Schritte an. Bei rund zwei Millionen Bestellungen pro Jahr würde die Abgabe für das Unternehmen eine zusätzliche Belastung von etwa 4,8 Millionen Euro bedeuten, heißt es etwa bei Otto.
Auch XXXLutz prüft eine Klage. Das Unternehmen kritisiert insbesondere, dass die Regelung nicht nur internationale Billiganbieter trifft, sondern ebenso österreichische und europäische Händler. Die ursprünglich gegen günstige Importe aus China gerichtete Maßnahme erfasst aufgrund der gesetzlichen Ausgestaltung auch große heimische und europäische Unternehmen.
Ein möglicher Rechtsstreit dürfte sich allerdings über längere Zeit hinziehen. Zunächst müssen die Unternehmen die Abgabe entrichten. Anschließend können sie gegen die entsprechenden Bescheide vorgehen. Sollte es zu Verfahren vor dem Verfassungsgerichtshof oder dem Europäischen Gerichtshof kommen, könnte sich die Klärung über Jahre erstrecken.
Die Bundesregierung rechnet mit Einnahmen von rund 280 Millionen Euro pro Jahr. Das Geld soll einen Teil der Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel gegenfinanzieren, die bereits seit Juli gilt. Die neue Abgabe betrifft große Onlinehändler mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz in Österreich. Sie beträgt zwei Euro pro Paket oder Bestellung, wobei die Unternehmen selbst entscheiden können, nach welchem Modell sie abrechnen. Auf die Abgabe kommt grundsätzlich noch die Umsatzsteuer. Bei einem regulären Steuersatz von 20 Prozent ergibt das insgesamt 2,40 Euro.
Für viele Konsumenten ist die neue Gebühr ein weiterer Kostenpunkt im ohnehin angespannten Alltag. Während die Regierung auf zusätzliche Einnahmen und die Finanzierung der Entlastung bei Lebensmitteln verweist, sehen Kritiker vor allem eine neue Belastung für Menschen, die regelmäßig online einkaufen. Ob sich der Ärger langfristig auf das Einkaufsverhalten auswirkt, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Klar ist bereits jetzt: Die neue Paketsteuer sorgt am ersten Tag für heftige Diskussionen – und der Streit zwischen Händlern, Kunden und Politik dürfte weitergehen.