Dieser Skandal trifft Eltern mitten ins Herz: Ausgerechnet Babymilch, eines der strengsten kontrollierten Lebensmittel, war offenbar monatelang mit einem Giftstoff belastet – und wurde trotzdem ganz normal verkauft. Neue Erkenntnisse zeigen jetzt, wie lange das Problem tatsächlich unentdeckt blieb – berichtet der "Standard".
Im Gesundheitsministerium geht man davon aus, dass betroffene Produkte bereits ab Mitte 2025 in österreichischen Supermärkten standen. Öffentlich wurde der Fall aber erst Anfang 2026. Heißt im Klartext: Über ein halbes Jahr lang könnten Babys belastete Milch getrunken haben, ohne dass jemand Alarm schlug.
Noch brisanter ist der Ursprung des Problems. Laut europäischen Behörden reicht die Verunreinigung mindestens bis Oktober 2024 zurück. Damals wurde ein Rohstoff für Babymilch – Arachidonsäure-Öl - mit dem Giftstoff Cereulid belastet.
Dieses Öl wurde über internationale Lieferketten an große Konzerne geliefert und weltweit verarbeitet. Auch Produkte von Nestlé und Danone, die später in Österreich verkauft wurden, waren betroffen. Es handelt sich also nicht um einen kurzen Produktionsfehler, sondern um ein Problem, das sich über Monate durch die Lieferkette zog.
Die Folgen für betroffene Familien sind dramatisch. Mehrere Babys litten plötzlich unter heftigem Erbrechen, Durchfall und Fieber. Ein neun Monate alter Bub aus der Steiermark musste sogar ins Spital, nachdem er seine Nahrung komplett verweigerte.
Besonders bitter: Die Eltern hatten zuvor von Problemen mit Babymilch gehört, verließen sich aber darauf, dass ihre Marke nicht betroffen sei. Erst später stellte sich heraus, dass genau dieses Produkt zurückgerufen wurde - nachdem das Kind es bereits mehrfach getrunken hatte.
Offiziell gibt es in Österreich drei bestätigte und elf wahrscheinliche Fälle. Doch Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt. Viele Erkrankungen wurden zunächst als harmlose Infekte oder Zahnbeschwerden interpretiert.
Auch eine Verbraucherschutzorganisation berichtet von über 80 Babys mit ähnlichen Symptomen. Der Giftstoff ist im Körper schwer nachweisbar - das macht die Aufarbeitung zusätzlich kompliziert und lässt viele Fälle womöglich im Dunkeln.
Für besonders viel Wut sorgt die Kommunikation der betroffenen Konzerne. Nestlé führte laut Berichten zunächst einen stillen Rückruf durch, ohne die Öffentlichkeit breit zu informieren. Danone erklärte zwischenzeitlich sogar, Österreich sei nicht betroffen - obwohl bereits Warnungen kursierten.
Inzwischen wurden Anzeigen gegen die Unternehmen eingebracht. Der Verdacht: gesundheitsschädliche Lebensmittel könnten in Verkehr gebracht worden sein, zudem steht eine mögliche Körperverletzung durch Unterlass im Raum.
Bis heute ist unklar, wie lange genau die belasteten Produkte tatsächlich verkauft wurden. Konkrete Angaben dazu verweigern die Hersteller. Klar ist nur: Der Zeitraum dürfte deutlich länger gewesen sein, als zunächst angenommen.
Im Gesundheitsministerium sieht man zwar die gesetzlichen Abläufe eingehalten, fordert aber strengere Regeln bei der Information der Öffentlichkeit. Gerade bei sensiblen Produkten wie Babymilch müsse schneller und transparenter gewarnt werden. Monatelang Gift im Regal - und Eltern erfahren es erst spät. Für viele ist das mehr als ein Fehler: Es ist ein Vertrauensbruch, der nicht so schnell vergessen wird.