Ski-Superstars waren nie normal – ob Ingemar Stenmark, Alberto Tomba, Hermann Maier oder Marcel Hirscher. Normal zu sein, ist auch nicht ihr Anspruch. Wer Außergewöhnliches leistet, ist als Mensch nicht durchschnittlich.
Marcel Hirscher ist ein Paradebeispiel: Ich habe ihn abseits der Ski-Saison eigentlich als umgänglichen Typen kennengelernt. Ich erinnere mich, wie er mich vor Saisonstart in Sölden einmal auf einen Kaffee eingeladen hat. Wenige Wochen später ging er in Alta Badia durch mich durch, ich war Luft für ihn.
Ich traf Marcel zufällig im Zielraum der Gran Risa, wollte ihm zum Sieg gratulieren. Ich bin mir sicher, dass er mich wahrnahm. Doch er war in einer anderen Welt, in seinem Ski-Tunnel. Während der Weltcup-Saison war Hirscher ein halber Autist. Darum war er konstant so stark, hatte er kaum Schwächephasen in seiner auffällig langen Blütezeit.
Marco Odermatt ist anders. Er ist der Einzige in der Liga der Ski-Giganten, der ein normaler Kerl ist. Der Schweizer hat zweimal 13 Saisonsiege gefeiert. Heute fährt er im Riesenslalom von Hafjell um seinen zehnten Saisonerfolg. Diese Konstanz ist sensationell, auch wenn mancher Ski-Experte an eine Krise glaubt. Ich sehe weit und breit keinen, der Marco in den nächsten Jahren im Kampf um die große Kugel gefährlich werden kann.
Abseits der Piste ist Odermatt ein Normalo. Ich weiß von Odermatts Trainer, dass er ihn nach einem Adelboden-Sieg darum bat, mit seinen Fans im Bus heimfahren zu dürfen. Man stelle sich das einmal bei Hermann Maier vor.
Ich hätte das nie und nimmer gemacht. Ganz abgesehen davon, dass keiner auf mich wartete. Es wäre mir einfach zu anstrengend gewesen.
Die Dominanz von Odermatt erinnert mich stark an Ingemar Stenmark. Der Schwede wurde im Laufe des Ski-Winters immer stiller und auch immer besser.
Der "Schweiger von Tärnaby" war das Gegenteil von Italiens Showman Alberto Tomba, der heute behauptet, dass Odermatt nur so erfolgreich ist, weil seine größten Rivalen Aleksander Aamodt Kilde und Cyprien Sarrazin verletzt sind. Ein nachgewiesener Blödsinn, weil Odermatt seine 13 Saisonsiege holte, als das Duo voll im Saft stand.
Tomba hat übrigens ein einziges Mal in einem Winter zehn Siege gefeiert. Wenn ich ihn treffe, schildert er mir immer noch seine Siegfahrten, die mittlerweile 40 Jahre alt sind. Alberto erklärt mir ausführlich, warum er der Beste war.
Dieser Einfädler wird Odermatt nicht passieren.