Benjamin Karl steht sportlich ganz oben – und blickt dennoch mit Sorge nach vorn.
Mit seinem zweiten Olympiasieg zog der 40-jährige Niederösterreicher bei den Winterspielen mit seinem großen Idol Hermann Maier gleich. Zwei Mal Gold, ein Mal Silber, ein Mal Bronze – exakt dieselbe Medaillenbilanz.Nur Felix Gottwald (3 Gold, 1 Silber, 1 Bronze), Thomas Morgenstern (3/1/0), Matthias Mayer (3/0/1) und Toni Sailer (3/0/0) waren bei Olympia noch erfolgreicher.
Doch während Karl jubelt, zittert er zugleich um die Zukunft seiner Sportart.
Der Triumph gelang im Parallel-Riesentorlauf. Im Finale setzte sich Karl gegen den Südkoreaner Kim Sang-kyum durch und sorgte danach mit nacktem Oberkörper im Zielraum für einen emotionalen Moment. Die Pose war bewusst gewählt. "Hermann Maier war mein Idol, diese Pose wollte ich nachahmen", sagte Karl nach der Triumphfahrt.
Sportlich hat sich der Niederösterreicher damit endgültig in den Kreis der ganz Großen eingeschrieben. "Als Zehnjähriger habe ich mir das Ziel gesetzt, ich will der Beste sein", erinnerte sich Karl. "Jetzt habe ich das in Stein gemeißelt."
Doch hinter dem Gold glänzt eine düstere Perspektive. Das Alpin-Snowboarden steht beim IOC auf der sogenannten Watchlist und droht ab 2030 aus dem Olympia-Programm zu fliegen. Karl könnte damit als einer der letzten Olympiasieger dieser Disziplin in die Geschichte eingehen.
Der frischgebackene Goldene suchte sofort das Gespräch mit den Verantwortlichen. "Ich habe im Ziel schon mit den Verantwortlichen gesprochen und ich kann sagen: Zu 99 Prozent bleiben wir im Programm", sagte Karl. Gleichzeitig nennt er die Diskussion um eine Streichung "absurd". "Wir brauchen einen Meter Schneeauflage, ein Ziel, einen Start, ein paar Tore und fertig. Finito."
Für Karl geht es um weit mehr als um einen Bewerb. "Wir haben Damen und Herren, viel Asien-Anteil, Australier, Amerikaner, ganz Europa. Wir sind die Wurzel des Snowboardsports." Dass ausgerechnet diese Disziplin wackelt, macht ihm Sorgen.
Athletensprecher Alexander Payer sieht politische Gründe. "Es war Lobbying, gutes Lobbying, mehr nicht", sagte er. Die Kosten-Argumente des IOC hält er für vorgeschoben. "Erklärt wird es mir als zu teuer, weil nur ein Bewerb durchs Ziel fährt."
Trotz aller Sorgen bleibt Karl seiner Linie treu. Er spricht Klartext – auch wenn das polarisiert. "Ich bin sicher nicht jedermanns Liebling, das ist aber auch nicht mein Anspruch, allen zu gefallen."