Wer mir vor wenigen Jahren gesagt hätte, dass ich einmal ein Mini-Tablet zusammengeklappt in der Jeans mit mir herumtrage, den hätte ich wohl ungläubig angesehen. Nun liegt das neue Google Pixel 11 Pro Fold vor mir auf dem Schreibtisch und der Test hat mir gezeigt, wie rasend schnell sich die Welt der Falt-Smartphones weiterentwickelt. Das neue Foldable von Google ist weiter nicht das dünnste, leichteste, schlankste oder hübscheste am Markt, aber es fällt auf, dass Google die Proportionen überarbeitet hat. Zusammengeklappt misst das Gehäuse 155,2 Millimeter in der Höhe, 76 Millimeter in der Breite und hat eine Dicke von 10,1 Millimetern auf die Waage. Es fühlt sich in der Handfläche fast wie ein normales, wenngleich etwas dickes Smartphone an, auch wenn das Gewicht von 239 Gramm stets präsent bleibt.
Sobald du das Gerät aufklappst, wächst die Breite auf 150,4 Millimeter an, während die Dicke auf 5 Millimeter schrumpft. Das ist schlank für ein Falt-Phone, wird aber von Konkurrenten wie Honor und Samsung mit rund vier Millimetern geschlagen. Beim Scharnier setzt der Hersteller auf eine stabile Konstruktion aus Stahl und Aluminium und zeigt einen Vorteil gegenüber manchen Konkurrenten: Das Gerät kann in einem beliebigen Winkel aufgeklappt werden, ohne dass das Scharnier das Modell dann automatisch komplett auf- oder zuklappt. Weder wackelt das Gehäuse, noch knarzt es beim Klappen. Die Fertigung wirkt hochgradig robust. Erneut gibt es eine IP68-Zertifizierung gegen Staub und Wasser, da ist man der Konkurrenz voraus.
Außen schützt eine Glaskeramik-Oberfläche den Bildschirm vor Missgeschicken, während der Rahmen aus mattem Aluminium in Raumfahrt-Qualität gefertigt ist. Zudem besitzen die Gehäuse-Aluminiumteile zu 100 Prozent Recycling-Anteil. Der Hersteller verbaut laut eigenen Angaben mindestens 24 Prozent recycelte Materialien bezogen auf das Gesamtgewicht des Geräts. So bestehen etwa die Batteriezellen zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Kobalt sowie zu 100 Prozent aus recyceltem Lithium. Bei den Magneten kommen ebenfalls zu 100 Prozent recycelte seltene Erden zum Einsatz. Der Vibrationsmotor nutzt zu 52 Prozent wiederverwertetes Wolfram und zu 2 Prozent recyceltes Kupfer.
Als Farbvarianten stehen Olive und Obsidian zur Auswahl. Wenn du das Smartphone im geschlossenen Zustand nutzt, blickst du auf ein 6,5 Zoll großes Display. Mit einem Seitenverhältnis von 19,5 zu 9 und einer Auflösung von 1.080 x 2.342 Pixeln bei einer Punktdichte von 399 ppi bietet dieser äußere Bildschirm eine knackig scharfe Darstellung. Die Anzeige unterstützt eine variable Bildwiederholfrequenz von 1 bis 120 Hertz, was sämtliche Bewegungen butterweich wirken lässt. In der Praxis überzeugt auch die Helligkeit. Bei HDR-Inhalten erreicht die Anzeige bis zu 2.400 Nits, in der Spitze sind sogar bis zu 3.600 Nits möglich. Selbst unter direkter Sonneneinstrahlung kannst du Nachrichten problemlos ablesen.
Der eigentliche Star des Geräts zeigt sich jedoch, sobald du das Gehäuse öffnest. Der innere Hauptbildschirm misst imposante 8 Zoll. Das flexible OLED-Panel bietet eine Auflösung von 2.076 x 2.152 Pixeln bei 372 ppi. Auch hier kommt die Smooth-Display-Technologie mit 1 bis 120 Hertz zum Einsatz. Als Oberflächenschutz verwendet der Hersteller ultradünnes Glas. Die Spitzenhelligkeit liegt ebenfalls bei 3.600 Nits, während der HDR-Wert wie beim Außendisplay maximal 2.400 Nits erreicht. Das Arbeiten mit zwei nebeneinander geöffneten Apps fühlt sich auf dieser Fläche natürlich und komfortabel an. Die Falte im Bildschirm ist bei Google weiter sicht- und fühlbar, stört aber beim Arbeiten und Anschauen von Inhalten kaum.
Im Inneren des Falt-Smartphones arbeitet das neu entwickelte Herzstück in Form des hauseigenen Google Tensor G6 Prozessors. Ihm zur Seite steht der Titan M3 Sicherheitschip, der zusammen mit einer quantensicheren Boot-Funktion auf Hardware-Ebene für einen vielschichtigen Schutz sorgt. Im Vergleich zum Vorgänger liefert die verbaute Recheneinheit deutlich mehr Leistung für KI-Prozesse. Die Beschleunigungseinheit für künstliche Intelligenz, die sogenannte TPU, arbeitet um 50 Prozent kraftvoller als bei der Vorgängergeneration. In Kombination mit üppigen 16 Gigabyte Arbeitsspeicher flutschen sämtliche Anwendungen ohne Verzögerungen. Selbst intensive Multitasking-Szenarien meistert das Modell problemlos.
Beim internen Speicher hast du die Wahl zwischen Versionen mit 256 Gigabyte, 512 Gigabyte oder satten 1 Terabyte. Google setzt dabei auf die Zoned UFS-Technologie, was im Alltag für besonders zügige Datenübertragungen und schnelle App-Starts sorgt. Auch bei der Software bringt das Gerät frischen Wind mit. Ausgeliefert wird das Smartphone direkt mit der neuesten Betriebssystem-Version Android 17. Ein Versprechen sticht besonders hervor: Der Hersteller sichert volle 7 Jahre lang Betriebssystem-Updates, Sicherheitsaktualisierungen und regelmäßige Software-Erweiterungen zu – das bis auf Ausnahmen wie Samsung wenige Hersteller. Das bedeutet eine lange Nutzungsdauer ohne Angst vor veralteter Software.
Auf der Gehäuserückseite hat der Hersteller zudem die neue HiLight-Funktion integriert. Dabei handelt es sich um eine LED-Signalleuchte rund um den Kamera-Blitz. Wenn das Smartphone mit dem Bildschirm nach unten auf dem Tisch liegt, leuchtet diese Anzeige bei eingehenden Anrufen von festgelegten Lieblingskontakten in individuell gewählten Farben auf. So bleibst du informiert, ohne ständig auf den Bildschirm zu schauen. Die Kamera-Ausstattung auf der Rückseite setzt sich indes aus einem vielseitigen Dreifach-System zusammen. Die Hauptkamera löst mit 48 Megapixeln aus und bietet eine Blende von f/1,70, ein Sichtfeld von 85 Grad sowie einen 1/1,56-Zoll-Bildsensor.
Ergänzt wird das Gespann durch eine 10,5-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera mit Autofokus, Makrofokus-Unterstützung, einer Blende von f/2,2 und einem breiten Blickwinkel von 127 Grad. Für entfernte Motive steht ein 10,8-Megapixel-Teleobjektiv bereit. Dieses verfügt über eine optische Bildstabilisierung, eine Blende von f/3,1, ein Sichtfeld von 23 Grad und ein 5-fach optisches Zoom. Über eine Kombination aus optischer und digitaler Vergrößerung erreichst du einen bis zu 30-fachen Super-Zoom. Optische Qualitätsstufen stehen bei den Stufen 0,5x, 1x, 2x, 5x und 10x zur Verfügung. Google gelingt dabei wieder ein Kunststück: Zwar sind die Sensoren nicht so stark wie jene vieler Konkurrenten, die Bildqualität ist aber beeindruckend.
Im Praxistest gelingen Aufnahmen mit erstaunlicher Detailtreue und ausgewogenen Farben. Neben der optischen und elektronischen Bildstabilisierung bei der Haupt- und Telekamera hilft ein Multi-Zonen-Laser-Autofokus beim schnellen Scharfstellen. Ergänzt wird die Optik durch einen Spektral- und Flickersensor. Auch Selfies kommen nicht zu kurz: Die äußere Frontkamera wie auch die innere Kamera im aufgeklappten Zustand nutzen jeweils einen 10-Megapixel-Sensor mit einer Blende von f/2,2 und einem Sichtfeld von 87 Grad. Wer hochwertige Selbstporträts machen möchte, kann dank des aufgeklappten Gehäuses und der Vorschau auf dem Außendisplay problemlos die Hauptkameras für Selfies verwenden. Videos zeichnet das System in 4K-Auflösung mit wahlweise 24, 30 oder 60 Bildern pro Sekunde auf.
Bei Tageslicht liefert die Hauptkamera des Pixel 11 Pro Fold erstklassige Standardaufnahmen mit hervorragender Dynamik, ausgewogenem Kontrast und der für Pixel-Geräte typisch natürlichen Farbwiedergabe. Der Ultraweitwinkel schließt daran an: Dank automatischer Verzerrungskorrektur bleiben Randbereiche scharf, während der Makromodus detaillierte Nahaufnahmen ermöglicht. Für Porträtaufnahmen setzt Google erneut Maßstäbe in der digitalen Tiefenschärfe. Die Trennung zwischen Motiv und Hintergrund gelingt selbst bei feinen Details wie einzelnen Haaren präzise, wobei das Zusammenspiel aus optischer Linsendynamik und KI-gestütztem Bokeh für ein natürliches, weiches Subjekt-HQ-Rendering sorgt.
Bei schwachem Licht und in der Nacht zeigt das Kamerasystem ebenfalls kaum Schwächen, da der weiterentwickelte Nachtmodus scharfe, rauscharme Bilder mit toller Belichtung erzeugt, ohne die natürliche Abendstimmung überzubelichten. Die Periskop-Telekamera liefert bei mittleren Zoomstufen gestochen scharfe Ergebnisse; bei 5-facher optischer oder darüber hinausgehender digitaler Vergrößerung bleiben Details erhalten. Bis zum Faktor 30 sollte man das nicht ausreizen, zehnfacher Zoom sieht aber gut aus. Ultraweitwinkel- und Zoom-Fotos profitieren im Dunkeln von den optimierten Sensorgrößen und der Verarbeitung, was Schattenbereiche effektiv aufhellt und Bildrauschen in Motiven auf ein Minimum reduziert.
Zu den Kamera-Funktionen zählt unter anderem die Option Magic Capture. Mit nur einem Tippen fängst du zeitgleich ein Video sowie hochauflösende Fotos ein, die automatisch aufbereitet werden. In den Einstellungen lässt sich das Verhalten der Kamera nach eigenen Wünschen anpassen. Wer möchte, wählt aus Kamera-Looks oder verändert Farbton und Rauschen. Für Videoersteller bietet die Creator Suite Werkzeuge wie ein Textmanuskript, das sich dem Sprechtempo anpasst, sowie eine optische Pegelanzeige mit verbesserter Sprachisolierung. Ebenfalls an Bord sind Hilfsmittel wie der magische Radiergummi, Nachbearbeitung mit Ask Photos, Scharfzeichnen von Fotos sowie Zoom-Optimierung.
Auch der Kamera-Coach mit Tipps für bessere Fotos kehrt wieder zurück. Für die Stromversorgung steckt im Gehäuse ein Akku mit einer Kapazität von rund 4.800 Milliampere-Stunden. Im Test reicht die Energie mühelos für mehr als 24 Stunden Laufzeit aus. Wer das Gerät an ein optional erhältliches 30-Watt-USB-C-Ladegerät anschließt, lädt den Energiespeicher in rund 30 Minuten wieder zu 50 Prozent auf. Auch kabelloses Laden wird unterstützt: Über den neuen Pixelsnap-Standard nach Qi2.2-Zertifizierung fließen bis zu 25 Watt Ladeleistung drahtlos in den Akku. Im Hinblick auf das Ladetempo bleibt Google weiter gemächlich, dafür muss das Foldable aber auch nicht täglich ans Ladekabel gehängt werden.
Neben Wi-Fi 7 mit Unterstützung für die Bänder 2,4 GHz, 5 GHz und 6 GHz sind Bluetooth in der Version 6 mit Antennendiversität, NFC, 5G sowie ein Ultra-Wideband-Chip zur präzisen Raumorientierung an Bord. Für den Empfang stehen Dual-SIM-Funktionen bereit, bestehend aus einem physischen Nano-SIM-Steckplatz und einer elektronischen eSIM. Für akustische Unterhaltung sorgen Stereolautsprecher und drei integrierte Mikrofone mit Rauschunterdrückung und Raumklang-Unterstützung. Sicherheitsfunktionen kommen ebenfalls nicht zu kurz. Neben dem Fingerabdruck-Sensor und der Gesichtserkennung zum Entsperren bietet das System umfangreiche Notfall-Funktionen.
Dazu gehören ein Notfall-Satelliten-SOS für Gebiete ohne Mobilfunknetz, eine automatische Autounfall-Erkennung, Erdbeben-Warnungen sowie ein integrierter Diebstahlschutz. Der mitgelieferte VPN-Dienst sorgt ohne Zusatzkosten für geschütztes Surfen in öffentlichen Netzwerken. Preislich startet das Google Pixel 11 Pro Fold in Österreich bei 1.999 Euro für die Variante mit 256 Gigabyte Speicher. Die Ausführung mit 512 Gigabyte schlägt mit 2.129 Euro zu Buche, während das Topmodell mit 1 Terabyte Speicherplatz für 2.389 Euro angeboten wird. Das Zubehör-Kabel im Lieferumfang bringt eine Länge von einem Meter mit, separat erhältlich sind überraschend stabile Schutzhüllen für das Smartphone.
Das Google Pixel 11 Pro Fold behält sich weiter seinen eigenen Weg bei, der nicht nach extrem dünnen und schicken Designs trachtet. Dafür räumt das neue Modell jedoch endgültig mit alten Kompromissen auf. Während frühere Klapp-Smartphones auch der Konkurrenz oft Schwächen bei den Kameras oder der Verarbeitung zeigten, trumpft das Pixel 11 Pro Fold ordentlich auf. Ausgezeichnet ist es bei der Kamera, und es ergänzt diese Stärke sinnvoll mit kreativen Foto- und Video-Werkzeugen. Beim Schutz gegen Staub und Wasser setzt es sogar Maßstäbe. Die KI-Software unterstützt indes vor allem beim Multitasking. Auch wenn der stolze Preis eine Hürde bleibt, liefert Google ein rundes Falt-Erlebnis – dieses Mal ohne Kompromisse.