Als ich das Honor Magic V5 im Sommer 2025 getestet habe, war die größte Überraschung nicht die Leistung und auch nicht die Kamera. Es war das Gefühl, ein Falt-Smartphone in der Hand zu halten, das sich erstmals fast wie ein normales Premium-Handy anfühlte. Das Gerät war außergewöhnlich dünn, erstaunlich leicht und verzichtete auf viele der Nachteile, die Falt-Handys jahrelang begleitet hatten. Ein Jahr später steht nun das Honor Magic V6 in den Regalen. Auf den ersten Blick wirkt der Nachfolger fast wie eine Kopie seines Vorgängers. Wer beide Modelle nebeneinanderlegt, muss schon genau hinsehen. Die Grundidee bleibt dieselbe: außen ein normales Smartphone, innen ein fast acht Zoll großes Smartphone-Tablet.
Doch unter der Oberfläche hat Honor an vielen Stellen nachgebessert. Einige Verbesserungen fallen sofort auf, andere zeigen sich erst nach Tagen oder Wochen im Alltag. Die entscheidende Frage lautet deshalb, ob Honor die Stärken des V5 weiter ausbauen konnte und ob das Gerät den hohen Erwartungen gerecht wird, die ein Premium-Falt-Handy mittlerweile erfüllen muss. Das Erste, was beim Magic V6 auffällt, ist weiterhin seine Bauform. Die weiße Version misst zusammengeklappt lediglich 8,75 Millimeter. Aufgeklappt sind es sogar nur 4,0 Millimeter. Die übrigen Farbvarianten (Gold, Rot Schwarz) kommen auf 9,0 beziehungsweise 4,1 Millimeter. Das Gewicht liegt je nach gewählter Farbe bei 219 beziehungsweise 224 Gramm.
Schon das Magic V5 gehörte zu den dünnsten Geräten seiner Art. Das V6 setzt diesen Weg fort und verteidigt die Spitzenposition. Wer vom V5 kommt, wird die Unterschiede nicht sofort sehen. Wer jedoch von älteren Foldables umsteigt, erlebt eine bemerkenswerte Verschlankung. Dabei bleibt die Verarbeitung auf einem hohen Niveau. Das Scharnier wirkt stabil, die beiden Hälften schließen sauber und das Gerät vermittelt insgesamt einen sehr hochwertigen Eindruck. Honor spricht von einem Scharnier, das für 500.000 Faltvorgänge ausgelegt ist. Auch wenn solche Laborwerte den Alltag nie vollständig abbilden können, zeigt die Angabe, wie stark das Thema Haltbarkeit inzwischen in den Fokus gerückt ist.
Ein Bereich, in dem das Magic V6 einen besonders großen Schritt macht, ist der Schutz gegen äußere Einflüsse. Das Magic V5 bot bereits guten Schutz gegen Wasser und Staub mit IP58 und IP59. Das neue Modell geht aber noch weiter und erreicht die Zertifizierungen IP68 und IP69. Damit ist das Gerät nicht nur gegen Staub umfassend geschützt, sondern auch gegen Wasser und sogar gegen Hochdruck-Wasserstrahlen abgesichert. Tatsächlich war die Widerstandsfähigkeit lange eine der größten Schwächen von teuren Falt-Smartphones. Wer mehrere tausend Euro für ein Gerät ausgibt, möchte allerdings nicht ständig Angst vor Regen, Spritzwasser oder einem Missgeschick am Waschbecken haben.
Honor verändert bei den Displays nur wenig – und das ist keine schlechte Nachricht. Außen kommt weiterhin ein 6,52 Zoll großes OLED-Panel zum Einsatz. Innen wartet ein faltbares OLED-Display mit 7,95 Zoll. Beide Bildschirme unterstützen eine Bildwiederholrate von bis zu 120 Hertz. Schon beim V5 gehörten die Displays zu den stärksten Argumenten für das Gerät. Das bleibt auch beim Nachfolger so. Besonders das Innendisplay entfaltet seine Wirkung im Alltag. Nachrichten lesen, Webseiten öffnen, Fotos bearbeiten oder mehrere Apps gleichzeitig verwenden – all das profitiert von der zusätzlichen Fläche. Honor gibt für das Außendisplay eine Spitzenhelligkeit von bis zu 6.000 Nits an. Das Innendisplay erreicht bis zu 5.000 Nits.
Solche Werte sind zwar vor allem für HDR-Inhalte relevant und werden nicht dauerhaft erreicht, sie zeigen aber, dass Reserven vorhanden sind. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung bleibt die Darstellung gut erkennbar. Positiv fällt außerdem auf, dass Honor weiterhin verschiedene Funktionen zum Schutz der Augen integriert. Dazu gehören unter anderem eine PWM-Dimmung mit 4.320 Hertz sowie weitere Anpassungen für die Darstellung bei Nacht. Der sichtbare Knick in der Mitte des Innendisplays bleibt zwar vorhanden, fällt im Alltag aber kaum noch auf. Während der Nutzung verschwindet er weitgehend aus dem Blickfeld. Wenn es einen Bereich gibt, in dem das Magic V6 seinen Vorgänger wirklich deutlich übertrifft, dann ist es der Akku.
Das Magic V5 verfügte über einen Akku mit 5.820 Milliamperestunden (mAh). Bereits das war für ein Foldable ein sehr guter Wert. Das Magic V6 erhöht die Kapazität nun auf 6.660 mAh. Das entspricht einem Plus von 840 mAh. Noch interessanter ist jedoch die Tatsache, dass Honor diese größere Batterie in einem noch immer extrem dünnen Gehäuse unterbringt. Gerade Falt-Smartphones mussten in der Vergangenheit häufig Kompromisse eingehen. Große Displays verbrauchen viel Energie, gleichzeitig bleibt im Gehäuse wenig Platz für Akkus. Das Magic V6 zeigt, dass sich diese Situation langsam verändert. Das sorgt beim V6 für sehr lange Laufzeiten. Je nach Nutzung kann das Gerät problemlos durch einen intensiven Tag kommen.
Im Schnitt sind sogar eineinhalb bis zwei Tage möglich. Damit zählt das Magic V6 zu den ausdauerndsten Foldables seiner Generation. Während das Honor Magic V5 noch auf den Snapdragon 8 Elite der ersten Generation setzte, arbeitet im Magic V6 außerdem bereits die neueste, fünfte Generation des Spitzenprozessors von Qualcomm. Honor kombiniert den Chip mit 16 Gigabyte Arbeitsspeicher sowie wahlweise 512 Gigabyte (GB) oder 1 Terabyte (TB) internem Speicher. Auch anspruchsvollste Arbeiten und Spiele bringen das Gerät kaum ins Schwitzen. Das ist bei einem Spitzenmodell zwar zu erwarten, dennoch zeigt das Magic V6, dass ein ultradünnes Foldable keine Leistungseinbußen mehr mit sich bringen muss.
Bemerkenswert ist vor allem die Wärmeentwicklung. Bei früheren Falt-Smartphones führten die kompakten Gehäuse oft dazu, dass Geräte unter längerer Last deutlich wärmer wurden. Honor versucht, dem mit einem vergrößerten Kühlsystem entgegenzuwirken. Im Alltag bleibt das Gehäuse meist angenehm temperiert, selbst wenn das große Innendisplay über längere Zeit genutzt wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Leistungsreserven mittlerweile größer sind als der tatsächliche Bedarf vieler Nutzer. Wer Nachrichten schreibt, Fotos macht, Videos ansieht oder im Internet surft, wird keinen Unterschied zwischen dem Magic V5 und dem V6 spüren. Die Leistung sorgt dafür, dass das Gerät auch in einigen Jahren noch Reserven besitzen dürfte.
Bei Foldables mussten Käufer lange Zeit auch Abstriche bei der Kamera machen. Die Hersteller konzentrierten sich auf dünne Gehäuse und kompakte Scharniere, während klassische Flaggschiffe oft sehr viel bessere Kameras erhielten. Honor versucht seit einigen Generationen, diesen Nachteil zu beseitigen. Das Magic V6 setzt deshalb auf ein Kamerasystem mit einer 50-Megapixel-Hauptkamera, einer 50-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera und einer Telekamera mit 64 Megapixeln. Letztere ermöglicht einen optischen Dreifach-Zoom. Damit übernimmt Honor im Wesentlichen die erfolgreiche Kamera-Philosophie des Magic V5. Ebenfalls kein Fehler, immerhin war das V5 das stärkste Kamera-Faltgerät. Verbessert wurde etwas die Software.
Im Alltag liefert die Hauptkamera sehr überzeugende Ergebnisse. Fotos wirken detailreich, Farben werden kräftig dargestellt, ohne übermäßig künstlich zu erscheinen. Besonders bei Tageslicht entstehen Aufnahmen, die sich problemlos mit anderen Spitzenmodellen messen können. Die Ultraweitwinkelkamera sorgt für einen deutlich größeren Bildausschnitt und eignet sich vor allem für Landschaften, Architektur oder Gruppenfotos. Die Bildqualität bleibt dabei erstaunlich konstant. Viele Smartphones verlieren bei der zweiten Kamera an Qualität, beim Magic V6 fällt dieser Unterschied geringer aus. Auch die Telekamera gehört zu den Stärken des Geräts. Motive lassen sich näher heranholen, bis zu dreifach in optischer Qualität.
Bis zu 100-fach kann digital gezoomt werden. Qualitätseinbußen muss man erst ab dem Faktor 20 hinnehmen, aber auch darüber hinaus gibt es am Falt-Markt bisher nichts Vergleichbares. Bei schwierigen Lichtverhältnissen und in der Nacht zeigt sich, dass das Magic V6 ebenso fast allen anderen Falt-Smartphones (eine der wenigen Ausnahmen: Huawei Mate X7) überlegen ist und sogar mit vielen klassischen Smartphone-Flaggschiffen mithalten kann. Das Magic V6 gehört zu den allerbesten Kamera-Foldables am Markt, und der Abstand zu den Kamera-Smartphone-Flaggschiffen mit klassischem Gehäuse wird kleiner. Ein Hinweis am Rande: Da sich bei der Kamera wenig im Vergleich zum V5 getan hat, bleibt der Vorgänger hervorragend.
Praktisch bleibt außerdem die Bauweise selbst. Das aufgeklappte Gerät kann mit dem im Lieferumfang enthaltenen Zubehör per bewegbarem Kameraring oder auch nur durch 90-Grad-Auffalten teilweise wie ein kleines Stativ genutzt werden. Dadurch gelingen Gruppenfotos, Selbstporträts oder Videoaufnahmen oft einfacher als mit herkömmlichen Smartphones. Ausgeliefert wird das Magic V6 mit Android 16 und der Benutzeroberfläche MagicOS 10. Honor setzt dabei weiterhin auf einen Ansatz, der stark auf künstliche Intelligenz ausgerichtet ist. Viele Funktionen laufen im Hintergrund und sollen den Alltag erleichtern. Dazu gehören automatische Übersetzungen, intelligente Suchfunktionen oder Werkzeuge zur Bildbearbeitung.
Nicht jede KI-Funktion wird jeder Nutzer regelmäßig verwenden. Manche Werkzeuge wirken eher wie technische Demonstrationen als wie unverzichtbare Alltagshelfer. Dennoch fällt auf, dass Honor die Funktionen mittlerweile besser in das System integriert als noch vor einigen Jahren. Besonders spannend bleibt die Software-Anpassung für das große Innendisplay. Mehrere Apps können gleichzeitig dargestellt werden, Fenster lassen sich flexibel anordnen und die verfügbare Fläche wird sinnvoll genutzt. Genau hier zeigt sich der eigentliche Vorteil eines Foldables. Wer das Gerät ausschließlich geschlossen nutzt, schöpft sein Potenzial kaum aus. Beim Öffnen des Displays entsteht das Gefühl, ein kleines Tablet in der Hand zu halten.
Der direkte Vergleich mit dem Vorgänger fällt interessant aus. Das Magic V5 war bereits eines der besten Foldables am Markt. Entsprechend schwer hat es Honor, deutliche Verbesserungen zu liefern. Die größte Veränderung betrifft den Akku. Von 5.820 mAh steigt die Kapazität auf 6.660 mAh. Ebenfalls wichtig ist der verbesserte Schutz gegen Wasser und Staub. Während das V5 bereits widerstandsfähig war, legt das V6 mit IP68 und IP69 noch einmal deutlich nach. Beim Prozessor gibt es das übliche jährliche Upgrade auf die neueste Generation. Die Leistung steigt, ohne dass sich dadurch das Nutzungserlebnis komplett verändert. Die Displays bleiben ähnlich groß, erreichen aber nochmals höhere Helligkeitswerte, die Software wurde optimiert.
Weniger spektakulär fallen die Änderungen bei der Kamera aus. Hier setzt Honor auf Feinschliff als auf eine komplette Neuausrichtung. Das Magic V5 war bereits ein sehr ausgereiftes Foldable. Statt alles neu zu machen, verbessert Honor die vorhandenen Stärken minimal. Der Nachfolger erfindet sich insgesamt nicht neu. Wer ein Magic V5 besitzt, wird keinen zwingenden Grund für einen sofortigen Wechsel finden. Die Unterschiede sind vorhanden, aber sie sind evolutionär und nicht revolutionär. Für alle anderen Käufer sieht die Situation anders aus. Das Honor Magic V6 ist extrem dünn, vergleichsweise leicht, leistungsstark, ausdauernd und gleichzeitig widerstandsfähiger als viele frühere Foldables.
Das Honor Magic V6 gibt es ab 2.299,90 Euro. Bis Ende Juli gilt eine Aktion um 1.699,90 Euro, dazu gibt es das Honor Pad 10 und zwei Jahre Displayschutz inkludiert.