Google hat seine neue Pixel-11-Serie nicht nur technisch, sondern auch im Hinblick auf das Design überarbeitet, ohne dass die Modelle ihr charakteristisches Aussehen verlieren. Weiter gibt es die Pro-Modelle in zwei Größen – das Google Pixel 11 Pro mit 6,3 Zoll großem Display und das Google Pixel 11 Pro XL mit 6,8 Zoll großem Display. Auch beim Akku hat das XL mit 5.115 Milliamperestunden (mAh) gegenüber 4.850 mAh die größere Kapazität und unterstützt eine höhere kabelgebundene Ladeleistung. Bei den entscheidenden Komponenten gibt es dagegen kaum Unterschiede: Beide Modelle setzen auf den neuen Prozessor Tensor G6, die identischen Kameras, dieselben Farben und Speicheroptionen.
Auch beim Arbeitsspeicher sind bei den Varianten mit 512 GB und 1 TB jeweils 16 Gigabyte (GB) RAM vorgesehen, die 256-GB-Variante hat Google indes auf 12 GB RAM gestutzt. Farblich darf man aus einem matt gestalteten "Obsidian" (Dunkelgrau), einem hellen "Fog" (ein sehr helles Graugrün), einem zeitlosen "Olive" und einem frischen "Canyon" (ein Terrakotta- oder Pfirsich-Ton) wählen. Im Vergleich zu den Pixel-10-Pro-Modellen streicht Google die günstigste 128-GB-Variante. Gestartet wird beim Pixel 11 Pro mit 256 GB bei 1.199 Euro und beim XL bei 1.399 Euro. Je nach Modell und Speichervariante sind die Pixel 11 Pro nun bis zu 100 Euro teurer als die Vorgänger. Das ebenfalls getestete Pixel 11 Pro Fold gibt es ab 1.999 Euro.
Wir widmen uns im Test dem Pixel 11 Pro XL in "Obsidian". Das Smartphone ist mit 162,7 Millimetern Höhe, 76,5 Millimetern Breite und 8,5 Millimetern Tiefe ein großes Gerät. 226 Gramm bringt es auf die Waage. In der Hand wirkt das Gewicht aber gut verteilt. Die Rückseite besteht aus mattem Glas, dazu kommt ein polierter Metallrahmen. Im Vergleich zum Vorgänger ist das Pixel 11 Pro XL minimal graziler, die Kanten sind etwas abgerundeter. Das Gefällt. Besonders auffällig ist die neu gestaltete Kameraleiste, die mit durchgehendem Glas quer über den Rücken ausgeführt ist. Das Design wirkt dadurch deutlich aufgeräumter als bei einem klassischen Kamerabuckel. Gleichzeitig bleibt die Rückseite angenehm griffig.
Das Gehäuse ist nach IP68 zertifiziert, also staubdicht und gegen längeres Eintauchen in Wasser von mehr als einem Meter Tiefe geschützt. Das 6,8 Zoll große Super Actua Display mit einer Auflösung von 1.344 x 2.992 Pixeln hat zwar dieselbe Größe wie beim Pixel 10 Pro XL, aber ebenso einige Verbesserungen erfahren. Dazu gehören schmalere Bildschirmränder und eine von 3.300 auf 3.600 Nits gestiegene Spitzenhelligkeit. Draußen bei direkter Sonne ist das ein Vorteil. Google setzt erneut auf ein LTPO-OLED-Panel. Die Bildwiederholrate kann zwischen 1 und 120 Hz wechseln. Das merkt man vor allem beim Scrollen. Bewegungen wirken flüssig, während das Display bei statischen Inhalten nicht mit der höchsten Frequenz arbeiten muss.
Als Schutz für das Display kommt Corning Gorilla Glass Victus 2 zum Einsatz. Dazu besitzt das Display eine Beschichtung, die laut Google doppelt so kratzfest wie bei früheren Generationen sein soll. Schlüssel und Smartphone sollten trotzdem nicht absichtlich gemeinsam in die Hosentasche geschoben werden, der Extra-Schutz ist aber lobenswert. Im Inneren des Pixel 11 Pro XL arbeitet neu der Google Tensor G6. Unterstützt wird der Prozessor vom Titan-M3-Sicherheitschip. Im täglichen Gebrauch reagiert das Pixel 11 Pro XL sehr direkt auf Eingaben. Apps starten ohne Wartezeit, Menüs reagieren sofort und auch beim Surfen und Multitasken entsteht kein Eindruck, dass das große Gerät mit seinen Aufgaben kämpfen würde.
Der Tensor G6 soll 20 Prozent energieeffizienter arbeiten, Webseiten um 25 Prozent schneller laden und Anwendungen um 15 Prozent schneller starten als der Tensor G5. Für die Kühlung verwendet Google eine Vapor Chamber. Auch bei längerer und intensiver Nutzung bleibt das Gerät dadurch angenehm kühl. Beim Arbeitsspeicher stehen 12 oder 16 GB RAM zur Verfügung. Der Aufschrei im Netz wegen der Kürzung auf 12 GB beim 256-GB-Modell war bei der Vorstellung des Geräts groß, wer es allerdings nicht für extreme Aufgaben wie der Videobearbeitung verwendet, wird den Unterschied zu 16 GB nicht merken. Beim internen Speicher kann zwischen 256 GB, 512 GB und 1 TB gewählt werden.
Für die Anmeldung gibt es einen Ultraschall-Fingerabdrucksensor im Display, dieser reagiert schnell und verlässlich. Wer das Gesicht zum Entsperren verwendet, kann die KI-gestützte Gesichtserkennung nutzen. 3D-Entsperrung gibt es nicht. Natürlich ist auch eine Entsperrung per PIN oder Code möglich. Wofür Pixel-Smartphones bisher berühmt waren, ist das Kamera-System, entsprechend viel wird vom neuen Modell erwartet. Google hat beim Pixel 11 Pro XL die Hardware noch einmal verbessert. Auf der Rückseite sitzt eine neue 50-Megapixel(MP)-Hauptkamera mit 1/1,3-Zoll-Sensor und einer Blende von f/1.68. Dazu kommt eine 48-MP-Ultraweitwinkelkamera mit verbesserter f/1.7-Blende und 123-Grad-Sichtfeld sowie Makro.
Für entfernte Motive steht eine weitere 48-Megapixel-Kamera bereit. Das Periskop-Teleobjektiv arbeitet mit f/2.8 und bietet einen 5-fachen optischen Zoom, der Bildsensor hat sich deutlich von 1/2,55" auf 1/1,95" verbessert. Auf der Vorderseite sitzt weiterhin eine 42-Megapixel-Kamera mit einem Sichtfeld von 103 Grad und Autofokus. Dazu kommen zahlreiche Kamera-Updates bei der Software. Die Verbesserungen bedeuten für Nutzer einige Höhepunkte: höhere Lichtausbeute bei Nacht- und Innenaufnahmen, neuer Makromodus, 5-fach optischer Zoom und KI-gestützter "Pro-Zoom" bis zu 120-facher Vergrößerung, schnellere Verarbeitung von Nachtaufnahmen sowie anpassbare Bildstile.
Bei Tageslicht liefert die Hauptkamera detailreiche Fotos mit natürlichen Farben. Das Bild wirkt nicht unnötig überzeichnet. Gerade bei Landschaften und Architektur bleiben viele feine Strukturen sichtbar. Per Ultraweitwinkelkamera mit 123 Grad Sichtfeld bekommt man deutlich mehr Umgebung auf das Foto. Gleichzeitig kann der Makrofokus für sehr nahe Motive eingesetzt werden. Besonders viel Spaß macht beim Pixel 11 Pro XL jedoch das Teleobjektiv. Der 5-fache optische Zoom knipst tags wie nachts sehr scharfe Bilder. Google geht beim Zoom aber deutlich weiter. Der Pro Zoom reicht bis 120-fach. Bei bis zu mittleren Vergrößerungen (30x) bleiben die Bilder erstaunlich detailreich, darüber schärft die KI ziemlich gut nach.
Bei der maximalen Vergrößerung kommt generative KI direkt auf dem Gerät zum Einsatz. Sie soll dabei helfen, die wahrgenommene Schärfe zu verbessern. Das ist kein Ersatz für echte optische Details, erweitert aber den Bereich, in dem man mit dem Smartphone noch fotografieren kann. Im Klartext: Die Fotos sehen deutlich nachbearbeitet aus, aber sind zum größten Teil überraschend brauchbar für einen solch extremen Zoomfaktor. Das bekommen nur wenige Geräte überhaupt hin – und besser geht es nur mit Modellen, die einen separaten Tele-Extender verwenden, etwa das Vivo X300 Ultra. Auch bezüglich Händezittern hat Google eine Lösung beim Zoomen parat – in hohen Zoomstufen hilft eine Anti-Verwacklungs-Funktion.
Eine weitere interessante Neuerung heißt "Instant Night Sight". Bei Nachtaufnahmen muss man eigentlich meist einige Sekunden das Smartphone möglichst ruhig halten. Beim Pixel 11 Pro XL wird die Verarbeitung deutlich schneller. Die höhere Rechenleistung des Tensor G6 und die stärkere TPU verkürzen die Verarbeitungszeit, Nachtfotos werden beinahe sofort geknipst. Noch interessanter wird es bei Motiven, die sich bewegen. "Magic Capture" nimmt mit einem Auslösevorgang gleichzeitig kurze Videosequenzen und Fotos auf. Anschließend werden daraus passende Bilder ausgewählt. Das ist vor allem bei Kindern und Haustieren sinnvoll. Wer schon einmal versucht hat, ein Tier im richtigen Moment zu fotografieren, kennt das Problem.
Auch bei Videos hat Google nachgelegt. Clips nimmt das Pixel 11 Pro XL mit bis zu 4K und 60 Bildern pro Sekunde auf. Für aufwendigere Aufnahmen stehen zusätzlich Video-Optimierungen zur Verfügung. Damit sind auch 8K-Aufnahmen mit stabilisierter Kameraführung möglich. Pro Stable Video ist für Situationen gedacht, in denen sich die Kamera stark bewegt. Das kann beim Gehen, Laufen oder Radfahren relevant sein. Statt jede Bewegung unkontrolliert im Bild sichtbar werden zu lassen, wird die Aufnahme stabilisiert. Mit Video Boost kommt eine weitere Verarbeitungsebene hinzu, die auf Social Media abzielt. Neu ist auch 4K Portrait Video. Dazu kommt die Creator Suite. Sie bietet unter anderem einen automatischen Teleprompter.
Mit Camera Looks lässt sich die Bildwirkung stärker beeinflussen. Nutzer können eigene Filmstile und Farbästhetiken innerhalb der Kamera-Pipeline erstellen. Das richtet sich eher an Menschen, die ihre Fotos und Videos künstlerisch gestalten wollen. Wer einfach nur auf den Auslöser drücken möchte, muss sich damit nicht beschäftigen. Eine der ungewöhnlichsten Neuerungen befindet sich indes nicht auf dem Display, sondern rund um den Kamerablitz. Dort sitzen kleine LED-Leuchten. Sie bilden das sogenannte "HiLight". Legt man das Pixel 11 Pro XL mit dem Display nach unten auf einen Tisch, kann die Beleuchtung Informationen anzeigen. Für Favoriten in den Kontakten lassen sich Farben festlegen, die beim Anruf aufleuchten.
Auch Gemini kann "HiLight" verwenden. Bei einer Sprachanfrage lässt sich über die Beleuchtung der Status signalisieren. Schade: Mehr Funktionen lassen sich (bisher) nicht mit "HiLight" verknüpfen. Als Betriebssystem nutzt Google Android 17 für eine Reihe neuer Funktionen. "Live Translate" kann beispielsweise die Audiospur von Videos in eine andere Sprache übersetzen. Die Übersetzung passiert während der Wiedergabe. "Circle to Search" ist stärker in die Kamera integriert. Hält man den Auslöser gedrückt, lassen sich Objekte im Kamerabild markieren. Eine weitere Funktion steckt in Gboard. "Rambler" verarbeitet Sprache und kann Füllwörter sowie Stotterer entfernen. Außerdem wird die Satzstruktur angepasst.
Der Akku des Pixel 11 Pro XL besitzt eine Kapazität von 5.115 Milliamperestunden (mAh). Im Alltag reicht der Akku bei normaler Nutzung für mehr als 30 Stunden. Das bedeutet nicht, dass man bei intensiver Kamera- oder Videonutzung automatisch zwei Tage ohne Ladegerät auskommt, über einen Tag kommt man aber locker in den allermeisten Fällen. Damit ist das neue Modell deutlich ausdauernder als der Vorgänger. Beim Laden per Kabel geht es relativ gemächlich. Mit 45 Watt erreicht man innerhalb von rund 30 Minuten bis zu 75 Prozent Akkustand, eine volle Ladung dauert knapp unter einer Stunde. Kabellos unterstützt das Pixel 11 Pro XL Pixelsnap auf Basis von Qi2.2. Damit sind bis zu 25 Watt möglich.
Beim Thema Software setzt Google auf einen langen Zeitraum. Für die Pixel-11-Serie sind sieben Jahre lang Betriebssystem-Updates, Sicherheitsupdates und funktionale Pixel Drops vorgesehen. Zur Sicherheit gehören außerdem das integrierte Google VPN, die automatische Erkennung von Autounfällen und Funktionen gegen Diebstahl. Diese Features laufen im Hintergrund, sind großteils optional. Separat erhältlich sind in Sachen Zubehör USB-C- und Pixelsnap-Ladegeräte, verschiedenste Schutzhüllen und Displayschutzfolien. Im Lieferumfang ist standardmäßig neben dem Smartphone und den üblichen Anleitungen nur ein Ladekabel, aber kein Ladegerät mehr enthalten.
Mit 6,8 Zoll ist das Pixel 11 Pro XL kein kleines Smartphone. Wer kompakte Geräte bevorzugt, sollte zum kleineren Pixel 11 Pro greifen. Für Videos, Fotos, Navigation und Multitasking ist die große Fläche des XL dagegen angenehm. Die Kombination aus 6,8-Zoll-Display, 120-Hz-LTPO-Technik und bis zu 3600 Nits gehört zu den Stärken des Geräts. Besonders bei Tageslicht macht sich die hohe Helligkeit bemerkbar. Der Tensor G6 liefert im Alltag die nötige Geschwindigkeit. Dazu kommen ausreichend Arbeitsspeicher und bis zu 1 TB interner Speicher. Auch beim Entsperren gibt es keine unnötigen Wartezeiten. Der größte Unterschied zu einem gewöhnlichen Smartphone zeigt sich aber bei der Kamera.
Die 50-Megapixel-Hauptkamera wird durch eine 48-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera und ein 48-Megapixel-Tele mit 5-fachem optischem Zoom ergänzt. Dazu kommen 120-facher Pro Zoom, Instant Night Sight, Magic Capture und umfangreiche Videofunktionen. Die Mischung aus Hardware und Software ist nicht nur extrem stark, sondern arbeitet auch perfekt, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer eingreifen müssen. Bei Fotos ist das Pixel deshalb das "Wie von selbst"-Smartphone, mit dem atemberaubende Aufnahmen einfach aus der Hand entstehen. Der Zoom geht weit über viele Konkurrenten hinaus und schlägt die meisten übrigen mit der Bildqualität. Bei Nacht wird die Aufnahme beschleunigt, bei Bewegungen hilft "Magic Capture".
Dazu kommen Funktionen wie "HiLight", "Circle to Search" in der Kamera und "Rambler". Nicht jede dieser Neuerungen ist für jeden Nutzer wirklich brauchbar, doch sie sind so integriert, dass man sie verwenden kann, ohne sich durch komplizierte Menüs arbeiten zu müssen. Beim Akku gibt es ebenfalls wenig Grund zur Kritik. Mehr als 30 Stunden bei normaler Nutzung, bis zu 75 Prozent Ladung in etwa 30 Minuten per Kabel und bis zu 25 Watt kabelloses Laden ergeben ein eher gemächliches, aber akzeptables Laufzeitpaket. Unterm Strich bleibt ein großes Pro-Smartphone, dessen Stärke in der ausgezeichneten Kombination aus Display, Kamera, Leistung, Akku und langer Software-Unterstützung liegt.